Auf einen Blick
- Die wichtigste Entscheidung ist die Aufteilung zwischen risikoarmem und risikoreichem Teil, die sogenannte Assetallokation.
- Die Aktienquote richtet sich nach Anlagehorizont, Risikotragfähigkeit und deiner Nervenstärke in Krisen.
- Rebalancing stellt die ursprüngliche Aufteilung wieder her und begrenzt so das Risiko.
- Einmal im Jahr oder bei Abweichungen von mehr als 5 Prozentpunkten zu handeln, reicht für die meisten Anleger.
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Einmal im Jahr oder ab 5 Prozentpunkten Abweichung rebalancen.
Dein nächster Zug
- 1
Aufteilung festlegen
Bestimme deine Aktienquote und schreib sie auf.
- 2
Sparraten lenken
Lass neue Einzahlungen in den untergewichteten Teil fließen.
- 3
Jährlich prüfen
Schichte um, wenn ein Teil mehr als 5 Prozentpunkte abweicht.
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Assetallokation: Die wichtigste Entscheidung
Studien zu Pensionsfonds zeigen seit Jahrzehnten: Der Großteil der Schwankungen eines Portfolios lässt sich mit der Aufteilung auf Anlageklassen erklären, nicht mit der Auswahl einzelner Aktien oder dem richtigen Zeitpunkt. Für Privatanleger heißt das: Erst kommt die Frage, wie viel Prozent in Aktien und wie viel in sichere Anlagen fließen. Welcher ETF es dann genau wird, ist zweitrangig.
Ein einfaches Portfolio besteht aus zwei Teilen:
- Risikoarmer Teil: Tagesgeld, Festgeld oder Staatsanleihen guter Bonität. Er stabilisiert und ist im Notfall verfügbar.
- Risikoreicher Teil: ein breit gestreuter Aktien-ETF, etwa auf den MSCI ACWI oder FTSE All-World. Er sorgt für die langfristige Rendite.
Der Notgroschen gehört nicht zum Portfolio. Er liegt getrennt bereit und wird nicht rebalanced.
Die passende Aktienquote finden
| Aktienquote | Möglicher Rückgang in einer schweren Krise | Passt zu |
|---|---|---|
| 20 % | rund 10 % | Kurzem Horizont, sehr hohem Sicherheitsbedürfnis |
| 50 % | rund 25 % | Mittlerem Horizont, ausgewogener Haltung |
| 80 % | rund 40 % | Langem Horizont, hoher Gelassenheit |
| 100 % | rund 50 % und mehr | Sehr langem Horizont, Erfahrung mit Crashs |
Die Werte orientieren sich an historischen Einbrüchen breiter Aktienmärkte, etwa in der Finanzkrise 2008. Frag dich ehrlich: Wie würdest du reagieren, wenn dein Depot innerhalb weniger Monate so viel verliert? Wer in einer Krise verkauft, macht Verluste dauerhaft. Eine Quote, die du durchhältst, ist besser als eine theoretisch optimale.
Warum sich die Aufteilung verschiebt
Angenommen, du startest mit 70 % Aktien und 30 % Tagesgeld. Steigen die Aktien in einem guten Jahr um 25 %, während das Tagesgeld 2 % bringt, liegt dein Aktienanteil danach bei rund 74 %. Nach mehreren guten Jahren können daraus 85 % werden. Dein Portfolio ist damit riskanter, als du es geplant hast – genau dann, wenn die Kurse hoch sind.
Umgekehrt sinkt der Aktienanteil nach einem Crash deutlich. Ohne Gegensteuern verpasst du dann einen Teil der Erholung.
So funktioniert Rebalancing
Beim Rebalancing stellst du die ursprüngliche Aufteilung wieder her. Du verkaufst einen Teil dessen, was gestiegen ist, und kaufst nach, was zurückgeblieben ist. Das wirkt antizyklisch: Du verkaufst eher teuer und kaufst eher günstig, ohne Prognosen zu brauchen.
Dein Portfolio war 70.000 € in Aktien-ETFs und 30.000 € auf Tagesgeld wert, also 70 zu 30. Nach einem Jahr stehen die Aktien bei 87.500 €, das Tagesgeld bei 30.600 €. Gesamtwert: 118.100 €. Dein Ziel von 70 % entspricht 82.670 € in Aktien. Du schichtest also rund 4.830 € von den Aktien ins Tagesgeld um. Danach stimmt die Aufteilung wieder.
Drei Methoden im Vergleich
| Methode | So geht es | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Kalender | Einmal im Jahr zu einem festen Termin | Einfach und planbar | Reagiert nicht auf große Bewegungen dazwischen |
| Schwelle | Wenn eine Anlageklasse mehr als 5 Prozentpunkte abweicht | Handelt nur, wenn es nötig ist | Erfordert regelmäßigen Blick ins Depot |
| Über Sparraten | Neue Einzahlungen gezielt in den untergewichteten Teil lenken | Keine Verkäufe, keine Steuern | Reicht bei großen Abweichungen nicht aus |
Für die meisten Anleger ist eine Kombination ideal: Laufende Sparraten fließen in den untergewichteten Teil, und einmal im Jahr wird geprüft, ob die Abweichung größer als 5 Prozentpunkte ist.
Steuern und Kosten beim Rebalancing
Verkaufst du ETF-Anteile mit Gewinn, fällt Abgeltungsteuer an, soweit der Sparerpauschbetrag ausgeschöpft ist. Bei Aktien-ETFs sind 30 % des Gewinns durch die Teilfreistellung steuerfrei. Rebalancing über Sparraten oder Entnahmen vermeidet Steuern ganz. Achte außerdem auf Ordergebühren: Bei kleinen Depots können häufige Umschichtungen mehr kosten, als sie bringen.
Die Aufteilung im Laufe des Lebens anpassen
Mit näher rückendem Ziel, etwa dem Ruhestand, sinkt oft die Fähigkeit, große Verluste auszusitzen. Viele Anleger senken deshalb ihre Aktienquote schrittweise, zum Beispiel ab zehn Jahren vor dem Ziel um einige Prozentpunkte pro Jahr. Ganz auf Aktien zu verzichten, ist aber auch im Ruhestand selten sinnvoll, weil das Geld oft noch Jahrzehnte reichen muss. Mehr dazu unter Entnahmestrategien.
Typische Fehler
- Zu viele Bausteine: Fünf Aktien-ETFs mit ähnlichem Inhalt erschweren das Rebalancing, ohne die Streuung zu verbessern.
- Nach Gefühl umschichten: Wer nach Nachrichten handelt, verkauft oft im falschen Moment.
- Zu häufig rebalancen: Monatliches Umschichten kostet Gebühren und Steuern und bringt kaum Vorteile.
- Den Plan nicht aufschreiben: Halte Zielquote und Regeln schriftlich fest. In Krisen hilft das enorm.
Begriffe kurz erklärt
- Assetallokation
- Aufteilung des Vermögens auf Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Tagesgeld.
- Rebalancing
- Wiederherstellen der geplanten Aufteilung durch Umschichten oder gezielte Einzahlungen.
- Aktienquote
- Anteil der Aktien am gesamten Portfolio, ohne Notgroschen.
- Drawdown
- Rückgang vom Höchststand bis zum Tiefpunkt in Prozent.
- Antizyklisch
- Gegen den aktuellen Trend handeln: verkaufen, was gestiegen ist, kaufen, was gefallen ist.
Häufige Fragen
Wie viele ETFs sollte mein Portfolio enthalten?
Für die meisten Anleger reichen ein Aktien-ETF und ein sicherer Baustein. Wer mag, ergänzt einen Satelliten. Jede weitere Position erhöht den Pflegeaufwand.
Welche Aktienquote ist für Einsteiger sinnvoll?
Eine Quote, die du in einem Crash durchhältst. Viele Einsteiger starten mit 60 bis 80 % und passen sie nach den ersten Erfahrungen an.
Zählt mein Tagesgeld-Notgroschen zum sicheren Teil?
Nein. Der Notgroschen bleibt getrennt. Zum sicheren Teil des Portfolios zählt nur Geld, das du langfristig anlegst.
Wie dokumentiere ich mein Portfolio am besten?
Eine einfache Tabelle reicht: Anlage, aktueller Wert, Zielanteil und tatsächlicher Anteil. Einmal im Jahr aktualisieren und mit der Zielaufteilung vergleichen.
Gehört Gold zum sicheren oder zum riskanten Teil?
Gold schwankt stark und zählt deshalb eher zum riskanten Teil. Als eigenständige Beimischung wird es meist mit einer eigenen Zielquote geführt.
Was ist ein Lebenszyklusfonds?
Ein Fonds, der die Aktienquote automatisch senkt, je näher ein Zieljahr rückt. Praktisch, aber oft teurer als zwei einfache ETFs.
Bringt Rebalancing mehr Rendite?
Nicht zwingend. Sein Hauptzweck ist, das Risiko auf dem geplanten Niveau zu halten. In schwankenden Märkten kann es zusätzlich einen kleinen Renditevorteil bringen, in langen Aufwärtsphasen kostet es etwas Rendite.
Gehört meine Immobilie zum Portfolio?
Eine selbst genutzte Immobilie wird meist getrennt betrachtet, weil du sie nicht teilweise verkaufen kannst. Sie beeinflusst aber, wie viel Risiko du im Depot tragen kannst.
Was ist ein Kern-Satellit-Portfolio?
Ein großer, breit gestreuter Kern, etwa ein Welt-ETF, ergänzt um kleine Satelliten wie Gold, Einzelaktien oder Faktor-ETFs. Die Satelliten sollten zusammen höchstens 10 bis 20 % ausmachen.
Muss ich auch Satelliten rebalancen?
Ja, wenn du feste Zielquoten hast. Sonst können einzelne Satelliten nach starken Anstiegen das Portfolio dominieren.
Übernehmen Robo-Advisor das Rebalancing?
Ja, das ist einer ihrer Hauptvorteile. Mehr dazu im Robo-Advisor-Vergleich.
Sollte ich in einem Crash rebalancen?
Wenn deine Regeln es vorsehen, ja. Das bedeutet, in fallende Kurse nachzukaufen. Das fühlt sich schwer an, ist aber genau der Moment, in dem Rebalancing seinen Wert zeigt.
Quellen: Brinson, Hood und Beebower, „Determinants of Portfolio Performance“ (1986), Vanguard Research zu Rebalancing, Investmentsteuergesetz (§ 20). Beispiele gerundet. Keine Anlageberatung.