Auf einen Blick
- Faustregel: drei bis sechs Monatsausgaben – nicht Monatsgehälter.
- Der Notgroschen gehört auf ein Tagesgeldkonto: sicher, verfügbar und verzinst.
- Nutze ihn nur für echte Notfälle, nicht für Urlaub oder geplante Anschaffungen.
- Erst wenn der Notgroschen steht, lohnt sich der Einstieg in langfristige Geldanlagen.
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- Monat 1 bis 3: Pflicht, 6.000 €
- Monat 4 bis 6: Extra-Puffer, bis 12.000 €
Beispiel mit 2.000 € festen Ausgaben im Monat. Selbstständige und Familien planen eher mit sechs Monaten oder mehr.
Dein nächster Zug
- 1
Zielsumme berechnen
Multipliziere deine monatlichen Ausgaben mit drei bis sechs.
- 2
Eigenes Konto anlegen
Eröffne ein Tagesgeldkonto, das nur für den Notgroschen da ist.
- 3
Automatisch auffüllen
Überweise per Dauerauftrag, bis die Zielsumme erreicht ist.
Schritt 2 von 7 im Finanz-Fahrplan: Notgroschen aufbauen.
Ausführlicher Ratgeber8 Min. Lesezeit · 11 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen
Warum ein Notgroschen so wichtig ist
Das Leben hält Überraschungen bereit: Die Waschmaschine gibt auf, das Auto braucht eine teure Reparatur, eine Nebenkostennachzahlung kommt, oder du verlierst deinen Job. Ohne Rücklage bleiben dann nur der Dispo, ein Ratenkredit oder der Verkauf von Geldanlagen – oft genau dann, wenn die Kurse gerade im Keller sind.
Ein Notgroschen schützt dich davor. Er sorgt dafür, dass ein Problem ein Problem bleibt und nicht zur finanziellen Krise wird. Und er gibt dir Gelassenheit: Wer eine Reserve hat, trifft bessere Entscheidungen, etwa bei einem Jobwechsel oder in schwierigen Verhandlungen.
Wie hoch sollte der Notgroschen sein?
Die bekannteste Faustregel lautet: drei bis sechs Monatsausgaben. Gemeint sind deine tatsächlichen monatlichen Ausgaben – Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Mobilität –, nicht dein Nettogehalt. Wie viel du ausgibst, zeigt dir ein Haushaltsbuch.
| Situation | Empfehlung | Bei 2.000 € Ausgaben |
|---|---|---|
| Angestellt, sicherer Job, keine Kinder | 3 Monatsausgaben | 6.000 € |
| Mit Auto oder Wohneigentum | 4 bis 5 Monatsausgaben | 8.000–10.000 € |
| Alleinverdiener mit Familie | 6 Monatsausgaben | 12.000 € |
| Selbstständig, schwankendes Einkommen | 6 bis 12 Monatsausgaben | 12.000–24.000 € |
Wer einen sehr sicheren Job, eine gute Absicherung und einen Partner mit eigenem Einkommen hat, kann am unteren Ende planen. Wer allein verdient, selbstständig ist oder in einer Branche mit unsicherer Lage arbeitet, eher am oberen.
Wo parkst du den Notgroschen?
| Ort | Geeignet? | Warum |
|---|---|---|
| Tagesgeldkonto | Ja, ideal | Sicher, täglich verfügbar, verzinst, getrennt vom Alltagskonto |
| Girokonto | Nur ein kleiner Teil | Keine Zinsen, Gefahr, das Geld nebenbei auszugeben |
| Festgeld | Nur ein Teil, wenn überhaupt | Vor Ablauf nicht verfügbar |
| Bargeld zu Hause | Nur eine kleine Reserve | Keine Zinsen, Diebstahlrisiko |
| Aktien oder ETFs | Nein | Im Notfall eventuell nur mit Verlust verkäuflich |
Der beste Ort ist ein separates Tagesgeldkonto. Es ist bis 100.000 € gesetzlich abgesichert, bringt Zinsen und ist innerhalb eines Bankarbeitstags auf dem Girokonto. Weil es nicht direkt mit einer Karte verbunden ist, gerätst du nicht in Versuchung, es für Alltagsausgaben zu nutzen.
Eine kleine Bargeldreserve von einigen hundert Euro zu Hause kann bei Störungen im Zahlungsverkehr sinnvoll sein. Den Großteil solltest du aber auf dem Tagesgeld halten.
So baust du den Notgroschen auf
- Zielbetrag festlegen: Monatsausgaben mal drei bis sechs.
- Tagesgeldkonto eröffnen.
- Dauerauftrag einrichten: Einen festen Betrag direkt nach dem Gehaltseingang überweisen.
- Sonderzahlungen nutzen: Weihnachtsgeld, Steuererstattung oder Bonus beschleunigen den Aufbau.
- Erste Etappe feiern: Ein erster Puffer von einem Monatsgehalt ist schon ein großer Schritt.
Selin gibt 2.200 € im Monat aus und möchte drei Monatsausgaben zurücklegen, also 6.600 €. Mit 300 € im Monat erreicht sie ihr Ziel in 22 Monaten. Legt sie zusätzlich ihre Steuererstattung von 800 € und 400 € aus ihrem Weihnachtsgeld dazu, schafft sie es vier Monate früher.
Notgroschen, Schulden, Investieren: Die Reihenfolge
Hast du teure Schulden, etwa einen Dispo, und noch keinen Notgroschen, empfiehlt sich diese Reihenfolge:
- Einen kleinen Puffer von etwa einem Monatsgehalt aufbauen.
- Teure Schulden wie Dispo und Kreditkarten-Teilzahlung tilgen.
- Den Notgroschen auf drei bis sechs Monatsausgaben auffüllen.
- Mit dem langfristigen Vermögensaufbau beginnen, etwa mit einem ETF-Sparplan.
Diese Reihenfolge ist auch Teil unseres Finanz-Fahrplans in 7 Schritten.
Was ist ein echter Notfall?
Damit der Notgroschen da ist, wenn du ihn brauchst, solltest du klar definieren, wofür er gedacht ist:
- Ja: Unerwartete Reparaturen, Arztkosten, Jobverlust, Nachzahlungen, kaputte Haushaltsgeräte.
- Nein: Urlaub, ein neues Smartphone, Geschenke, ein Schnäppchen – das sind planbare Ausgaben.
Hast du den Notgroschen genutzt, gilt: zuerst wieder auffüllen, dann weiter investieren.
Notgroschen ist nicht gleich Rücklage
Viele Ausgaben kommen nicht überraschend, sondern nur unregelmäßig: das nächste Auto, die Brille, der Jahresurlaub, die Kfz-Versicherung. Für solche Posten lohnen sich eigene Rücklagen neben dem Notgroschen. Lege dafür monatlich einen Betrag zurück, am besten auf einem eigenen Unterkonto. So bleibt der Notgroschen unangetastet für das, wofür er gedacht ist.
Wer eine Immobilie besitzt, sollte zusätzlich eine Instandhaltungsrücklage bilden – für Heizung, Dach oder Fenster. Sie ist nicht Teil des Notgroschens.
Kann ein Notgroschen zu groß sein?
Ja. Geld auf dem Tagesgeld verliert langfristig oft an Kaufkraft, weil die Zinsen kaum über der Inflation liegen. Wer zwanzig Monatsausgaben als „Sicherheit“ parkt, verschenkt Rendite. Was über den Notgroschen und geplante Rücklagen hinausgeht, gehört langfristig angelegt. Mehr dazu im Ratgeber Kaufkraftverlust.
Der Ernstfall Jobverlust
Warum drei bis sechs Monatsausgaben? Weil der größte finanzielle Notfall meist kein kaputtes Gerät ist, sondern ein Einkommensausfall. Wer arbeitslos wird, bekommt in Deutschland in der Regel Arbeitslosengeld in Höhe von etwa 60 % des letzten Nettolohns, mit Kind etwa 67 %. Die laufenden Kosten sinken aber kaum. Zudem kann es dauern, bis die erste Zahlung kommt.
Mira verdient 2.500 € netto und gibt 2.200 € im Monat aus. Als Arbeitslose erhält sie rund 1.500 € Arbeitslosengeld. Es fehlen also etwa 700 € pro Monat. Mit einem Notgroschen von 6.600 € kann sie diese Lücke über neun Monate schließen – genug Zeit, um in Ruhe eine passende neue Stelle zu finden.
Auch längere Krankheit oder die Pflege eines Angehörigen können das Einkommen schmälern. Der Notgroschen verschafft dir in solchen Phasen Zeit und Handlungsspielraum.
Begriffe kurz erklärt
- Notgroschen
- Reserve für unerwartete Ausgaben und Einkommensausfälle.
- Monatsausgaben
- Alles, was du im Monat tatsächlich ausgibst – inklusive anteiliger Jahreskosten.
- Rücklage
- Gespartes für planbare, aber unregelmäßige Ausgaben.
- Tagesgeld
- Verzinstes, täglich verfügbares Konto, ideal für den Notgroschen.
- Liquidität
- Wie schnell du auf dein Geld zugreifen kannst.
Häufige Fragen
Sollte ich auch etwas Bargeld zu Hause haben?
Eine kleine Bargeldreserve für einige Tage ist sinnvoll, etwa für einen Stromausfall oder eine Störung bei Kartenzahlungen. Den eigentlichen Notgroschen bewahrst du aber auf einem Tagesgeldkonto auf: Dort ist er gegen Diebstahl und Brand geschützt und bringt Zinsen.
Darf ich den Notgroschen für ein gutes Angebot nutzen?
Lieber nicht. Ein reduzierter Fernseher oder eine günstige Reise ist kein Notfall. Wenn du solche Käufe planst, spare dafür eine eigene Rücklage an. So bleibt der Notgroschen unangetastet, wenn wirklich etwas Unerwartetes passiert.
Was mache ich, wenn ich den Notgroschen aufgebraucht habe?
Leite die Sparrate vorübergehend vollständig in den Notgroschen, bis er wieder aufgefüllt ist. Investitionen in ETFs können so lange pausieren oder reduziert werden.
Sollte der Notgroschen mit meinen Ausgaben wachsen?
Ja. Steigen deine Ausgaben, etwa durch eine größere Wohnung oder Kinder, passe die Zielsumme an. Ein Blick einmal im Jahr reicht.
Soll ich den Notgroschen auf mehrere Konten verteilen?
Nicht nötig, solange er unter 100.000 € liegt. Manche halten einen kleinen Teil auf dem Girokonto für schnelle Zahlungen und den Rest auf dem Tagesgeld.
Zählt mein Depot als Notgroschen?
Nein. Aktien und ETFs können im Notfall gerade im Minus sein. Der Notgroschen muss unabhängig von Börsenkursen verfügbar sein.
Brauchen Paare einen gemeinsamen oder zwei Notgroschen?
Viele haben einen gemeinsamen Notgroschen für den Haushalt und zusätzlich eine kleine eigene Reserve. Wichtig ist, dass die Summe zu den gemeinsamen Ausgaben passt.
Sollte ich mit dem Investieren warten, bis der Notgroschen komplett ist?
Idealerweise ja. Ein kleiner ETF-Sparplan parallel ist aber in Ordnung, wenn der Großteil der Sparrate erst einmal in den Notgroschen fließt.
Muss ich auf die Zinsen Steuern zahlen?
Nur auf den Teil deiner Kapitalerträge, der über dem Sparerpauschbetrag von 1.000 € im Jahr liegt (2.000 € bei Ehepaaren). Damit die Bank bis zu dieser Grenze keine Steuer abzieht, erteilst du ihr einen Freistellungsauftrag.
Quellen: Verbraucherzentrale, Einlagensicherungsgesetz, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (Empfehlung zur Bargeldreserve). Beispiel gerundet. Keine Anlageberatung.