Auf einen Blick
- Die bekannte 4-Prozent-Regel stammt aus US-Daten für 30 Jahre. Für europäische Anleger und längere Zeiträume sind 3 bis 3,5 % vorsichtiger.
- Das größte Risiko sind schlechte Börsenjahre direkt zu Beginn der Entnahme, das Reihenfolgerisiko.
- Ein Puffer aus zwei bis drei Jahresentnahmen auf Tagesgeld schützt davor, in einer Krise verkaufen zu müssen.
- Wer flexibel entnimmt, also in schlechten Jahren etwas weniger, kann insgesamt mehr entnehmen.
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- Liquidität, 2 Jahre: 40.000 €
- Stabilität, 4 Jahre: 80.000 €
- Wachstum: 380.000 €
Topf 1 auf Tagesgeld, Topf 2 in Festgeld oder kurzen Anleihen, Topf 3 im Aktien-ETF.
Dein nächster Zug
- 1
Lücke berechnen
Ermittle, wie viel dein Depot im Monat liefern muss.
- 2
Puffer aufbauen
Lege zwei bis drei Jahresentnahmen auf Tagesgeld.
- 3
Regeln festlegen
Schreib auf, wie du in schlechten Börsenjahren entnimmst.
Schritt 6 von 7 im Finanz-Fahrplan: Fürs Alter vorsorgen.
Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 10 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen
Die Ausgangslage klären
Bevor du eine Strategie wählst, brauchst du drei Zahlen:
- Dein Bedarf: Wie viel Geld fehlt dir im Monat, nachdem gesetzliche Rente, Betriebsrente und andere Einkünfte angekommen sind?
- Deine Laufzeit: Wie lange soll das Depot reichen? Wer mit 63 beginnt, sollte mit mindestens 30 Jahren planen.
- Dein Vermögen und seine Aufteilung: Wie viel liegt in Aktien, wie viel im sicheren Teil?
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Die 4-Prozent-Regel
Die bekannteste Faustregel stammt aus US-Studien der 1990er-Jahre, vor allem der sogenannten Trinity-Studie. Sie besagt: Wer im ersten Jahr 4 % seines Depots entnimmt und diesen Betrag jedes Jahr um die Inflation erhöht, hätte mit einem Depot aus Aktien und Anleihen in fast allen historischen 30-Jahres-Zeiträumen in den USA genug Geld gehabt.
Depot 500.000 €. Im ersten Jahr entnimmst du 4 %, also 20.000 € oder rund 1.670 € im Monat. Bei 2 % Inflation entnimmst du im zweiten Jahr 20.400 €, im dritten 20.808 € und so weiter – unabhängig davon, wie sich das Depot entwickelt.
Die Grenzen: Die US-Börse war im 20. Jahrhundert eine der erfolgreichsten der Welt. Untersuchungen mit Daten aus anderen Ländern kommen auf niedrigere sichere Entnahmeraten. Außerdem planen viele heute mit mehr als 30 Jahren. Für europäische Anleger gelten deshalb 3 bis 3,5 % als vorsichtigerer Startwert.
Das Reihenfolgerisiko
Zwei Rentner mit gleichem Depot und gleicher Durchschnittsrendite können völlig unterschiedlich dastehen. Entscheidend ist, wann die schlechten Jahre kommen. Fällt die Börse direkt zu Beginn der Entnahme stark, verkaufst du Anteile zu niedrigen Kursen. Diese Anteile fehlen dir, wenn sich die Kurse erholen. Das Vermögen erholt sich oft nie ganz.
Kommen die schlechten Jahre erst später, ist das Depot bis dahin gewachsen und verkraftet sie besser. Fast alle guten Entnahmestrategien zielen deshalb darauf, die ersten zehn Jahre abzusichern.
Die Topf-Strategie
Eine verständliche Lösung für das Reihenfolgerisiko ist die Aufteilung in Töpfe:
| Topf | Inhalt | Zweck |
|---|---|---|
| 1: Liquidität | Ein bis drei Jahresentnahmen auf Tagesgeld | Daraus wird monatlich entnommen |
| 2: Stabilität | Weitere zwei bis fünf Jahresentnahmen in Festgeld oder kurzen Anleihen | Füllt Topf 1 nach |
| 3: Wachstum | Der Rest in einem breiten Aktien-ETF | Langfristige Rendite, füllt Topf 2 in guten Jahren nach |
In guten Börsenjahren verkaufst du Aktien und füllst die sicheren Töpfe auf. In schlechten Jahren lebst du aus Topf 1 und 2 und lässt die Aktien in Ruhe. So musst du in einer Krise nicht zu niedrigen Kursen verkaufen.
Flexible Entnahme: Mehr durch Anpassung
Wer bereit ist, seine Entnahme an die Börsenlage anzupassen, kann insgesamt mehr entnehmen. Drei verbreitete Ansätze:
- Fester Prozentsatz: Jedes Jahr zum Beispiel 4 % des aktuellen Depotwerts. Das Depot wird nie ganz leer, die Entnahme schwankt aber stark.
- Leitplanken: Du startest mit einem festen Betrag, senkst ihn aber um 10 %, wenn die Entnahmerate über eine Obergrenze steigt, und erhöhst ihn, wenn sie unter eine Untergrenze fällt.
- Inflationsausgleich aussetzen: In Jahren mit Verlusten verzichtest du auf die Erhöhung um die Inflation.
Eine Kombination aus festem Grundbedarf und flexiblem Wunschbudget passt zu vielen: Miete und Lebensmittel sind gesichert, Reisen und größere Anschaffungen richten sich nach der Börse.
Teilverrentung als Absicherung
Wer Angst hat, sehr alt zu werden und dann ohne Geld dazustehen, kann einen Teil des Vermögens in eine lebenslange Rente umwandeln, etwa über eine Sofortrente einer Versicherung. Sie zahlt garantiert bis zum Lebensende, ist aber nicht vererbbar und bringt oft wenig Rendite. Eine Mischung aus gesetzlicher Rente, einer kleinen privaten Rente und einem flexiblen Depot ist für viele die robusteste Lösung.
Steuern bei der Entnahme
Bei jedem Verkauf fällt auf den Gewinnanteil Abgeltungsteuer an, abzüglich Sparerpauschbetrag und bei Aktien-ETFs 30 % Teilfreistellung. Weil nach dem FIFO-Prinzip zuerst die ältesten Anteile verkauft werden, ist der Gewinnanteil oft hoch. Ein ausschüttender ETF kann einen Teil der Entnahme ohne Verkäufe liefern. Wer im Ruhestand ein niedriges Einkommen hat, sollte die Günstigerprüfung prüfen. Mehr dazu unter ETF-Steuern.
Dein Plan in fünf Schritten
- Monatliche Lücke nach gesetzlicher Rente und anderen Einkünften berechnen.
- Startentnahme von 3 bis 3,5 % des Depots ansetzen und mit der Lücke vergleichen.
- Zwei bis drei Jahre vor Rentenbeginn einen Liquiditätspuffer aufbauen.
- Regeln für schlechte Jahre festlegen und aufschreiben.
- Einmal im Jahr prüfen, Töpfe auffüllen, Entnahme anpassen.
Begriffe kurz erklärt
- Entnahmerate
- Anteil des Depots, der pro Jahr entnommen wird.
- Reihenfolgerisiko
- Risiko, dass schlechte Börsenjahre zu Beginn der Entnahme das Depot dauerhaft schwächen.
- Trinity-Studie
- US-Untersuchung aus den 1990er-Jahren zu sicheren Entnahmeraten, Grundlage der 4-Prozent-Regel.
- Leitplanken-Strategie
- Entnahme mit festen Regeln zum Kürzen oder Erhöhen bei starken Börsenbewegungen.
- Sofortrente
- Versicherung, die gegen Einmalzahlung sofort eine lebenslange Rente zahlt.
Häufige Fragen
Wann sollte ich mit der Planung der Entnahme beginnen?
Etwa zehn Jahre vor dem geplanten Ruhestand. Dann bleibt genug Zeit, um Aktienquote und Liquiditätspuffer schrittweise anzupassen.
Wie viel Prozent meines Depots sollten im Ruhestand sicher liegen?
Viele planen mindestens zwei bis drei Jahresentnahmen auf Tagesgeld oder in kurzen Anleihen, dazu einen weiteren sicheren Teil. Der Rest bleibt in Aktien.
Muss ich im Ruhestand eine Steuererklärung machen?
Wenn deine Renten über dem Grundfreibetrag liegen, oft ja. Kapitalerträge mit Abgeltungsteuer müssen meist nicht angegeben werden, außer du willst die Günstigerprüfung nutzen.
Was ist, wenn ich deutlich länger lebe als geplant?
Dann helfen eine vorsichtige Entnahmerate, die gesetzliche Rente als lebenslange Basis und eventuell eine Teilverrentung. Plane lieber bis 95 als bis 85.
Sollte ich Dividenden statt Verkäufen nutzen?
Dividenden fühlen sich angenehm an, sind steuerlich aber nicht besser als Verkäufe. Entscheidend ist die Gesamtrendite. Eine Mischung aus Ausschüttungen und Verkäufen ist praktikabel.
Soll ich im Ruhestand ganz aus Aktien aussteigen?
Meist nicht. Dein Geld muss oft 25 bis 30 Jahre reichen. Ohne Aktienanteil frisst die Inflation das Vermögen. Ein Anteil von 40 bis 60 % Aktien ist im Ruhestand verbreitet, abhängig von Bedarf und Nerven.
Was ist, wenn ich mein Vermögen vererben möchte?
Dann wählst du eine niedrigere Entnahmerate, etwa 2,5 bis 3 %. So wächst das Depot in vielen Szenarien sogar weiter.
Wie entnehme ich praktisch?
Viele Broker bieten Entnahmepläne an, die regelmäßig Anteile verkaufen. Alternativ verkaufst du einmal im Jahr und überweist dir den Betrag in monatlichen Raten aus dem Tagesgeld.
Wann sollte ich den Liquiditätspuffer aufbauen?
Am besten schrittweise in den letzten drei bis fünf Jahren vor Rentenbeginn, vorzugsweise in guten Börsenjahren.
Gilt die 4-Prozent-Regel für Frührentner?
Wer mit 50 oder früher aufhört, braucht das Geld oft 40 Jahre und länger. Dann sind 3 % oder weniger ein vorsichtigerer Startwert. Mehr unter Finanzielle Freiheit.
Quellen: Cooley, Hubbard und Walz, „Retirement Savings: Choosing a Withdrawal Rate That Is Sustainable“ (1998), William Bengen (1994), Guyton und Klinger zu Leitplanken-Strategien (2006), Investmentsteuergesetz. Beispiele vereinfacht. Keine Anlageberatung.