Auf einen Blick
- Eine Anleihe ist ein Kredit an einen Staat oder ein Unternehmen. Du bekommst regelmäßig Zinsen und am Ende dein Geld zurück.
- Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen – je länger die Laufzeit, desto stärker.
- Das Rating zeigt, wie sicher der Schuldner ist. Höhere Rendite bedeutet höheres Ausfallrisiko.
- Im Portfolio sind Anleihen guter Bonität vor allem Stabilitätsanker, keine Renditequelle.
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- Rückzahlung: 1.000 €
- Zinsen über 10 Jahre: 250 €
Jedes Jahr 25 € Zinsen. Steigen die Marktzinsen zwischendurch, fällt der Kurs, bis zur Fälligkeit bleibt die Rückzahlung.
Dein nächster Zug
- 1
Rolle festlegen
Entscheide, ob Anleihen für Stabilität oder einen festen Termin gedacht sind.
- 2
Qualität wählen
Setze für den sicheren Teil auf Staatsanleihen guter Bonität.
- 3
Laufzeit anpassen
Wähle kurze Laufzeiten, wenn du Schwankungen vermeiden willst.
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Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 12 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen
Was ist eine Anleihe?
Wenn ein Staat oder ein Unternehmen Geld braucht, kann es eine Anleihe ausgeben. Anleger kaufen die Anleihe und leihen dem Herausgeber, dem Emittenten, damit Geld. Dafür bekommen sie jährlich einen festen Zins, den Kupon. Am Ende der Laufzeit zahlt der Emittent den Nennwert zurück.
Du kaufst eine Bundesanleihe mit 1.000 € Nennwert, 2,5 % Kupon und 10 Jahren Laufzeit. Jedes Jahr bekommst du 25 € Zinsen. Nach zehn Jahren erhältst du deine 1.000 € zurück. Insgesamt hast du 250 € Zinsen bekommen.
Anleihen werden an der Börse gehandelt. Ihr Kurs wird in Prozent des Nennwerts angegeben. Ein Kurs von 98 bedeutet: Du zahlst 980 € für eine Anleihe mit 1.000 € Nennwert.
Kupon ist nicht gleich Rendite
Der Kupon bleibt fest, der Kurs schwankt. Deshalb unterscheidet sich die tatsächliche Rendite vom Kupon. Kaufst du eine Anleihe mit 2 % Kupon zum Kurs von 95, bekommst du zusätzlich zum Kupon einen Kursgewinn bis zur Rückzahlung zu 100. Deine Rendite bis zur Fälligkeit liegt dann über 2 %. Kaufst du über 100, liegt sie darunter.
Das Zinsänderungsrisiko
Steigen die Marktzinsen, werden neue Anleihen mit höheren Kupons ausgegeben. Alte Anleihen mit niedrigem Kupon sind dann weniger wert, ihr Kurs fällt. Sinken die Zinsen, steigen die Kurse. Wie stark eine Anleihe reagiert, zeigt die Duration.
2022 stiegen die Zinsen in kurzer Zeit stark. Langlaufende Staatsanleihen verloren teilweise 20 % und mehr an Wert, breite Euro-Staatsanleihen-ETFs rund 18 %. Wer seine Anleihen bis zur Fälligkeit hält, bekommt zwar den Nennwert zurück. Zwischenzeitlich können die Verluste aber erheblich sein.
Rating und Ausfallrisiko
Ratingagenturen wie S&P, Moody's und Fitch bewerten, wie wahrscheinlich ein Emittent seine Schulden zurückzahlt.
| Rating (S&P) | Einstufung | Beispiel |
|---|---|---|
| AAA | Höchste Bonität | Deutschland |
| AA bis A | Hohe bis gute Bonität | Frankreich, große Konzerne |
| BBB | Mittlere Bonität, gerade noch Investment Grade | Viele Unternehmen, Italien |
| BB und schlechter | Spekulativ, „High Yield“ | Unternehmen mit hohen Schulden |
Je schlechter das Rating, desto höher die Zinsen, die der Emittent zahlen muss. Hochzinsanleihen verhalten sich in Krisen oft eher wie Aktien und bieten dann wenig Schutz.
Die wichtigsten Anleihearten
- Staatsanleihen: Von Staaten ausgegeben. Bundesanleihen gelten als besonders sicher.
- Unternehmensanleihen: Höhere Zinsen als Staatsanleihen, dafür höheres Ausfallrisiko.
- Pfandbriefe: Von Banken ausgegeben und mit Immobilienkrediten oder Staatskrediten besichert.
- Inflationsindexierte Anleihen: Zins und Rückzahlung steigen mit der Inflation.
- Fremdwährungsanleihen: Zusätzliches Währungsrisiko, das Erträge verstärken oder vernichten kann.
Einzelanleihe oder Anleihe-ETF?
| Einzelanleihe | Anleihe-ETF | |
|---|---|---|
| Fälligkeit | Fester Rückzahlungstermin | Keine, Laufzeitband bleibt konstant |
| Streuung | Ein Emittent | Hunderte Anleihen |
| Mindestanlage | Oft 1.000 € Stückelung | Ab einem Anteil, Sparplan möglich |
| Planbarkeit | Hoch, wenn bis Fälligkeit gehalten | Kurs schwankt dauerhaft |
Eine Zwischenlösung sind ETFs mit festem Laufzeitende. Sie halten Anleihen, die alle im selben Jahr fällig werden, und lösen sich dann auf. So verbinden sie Streuung mit Planbarkeit.
Anleihen im Portfolio
In einem klassischen Portfolio sorgen Anleihen guter Bonität für Stabilität. Fallen die Aktienmärkte in einer Rezession, steigen sichere Staatsanleihen oft, weil die Zinsen sinken. Ganz verlässlich ist das nicht: 2022 fielen Aktien und Anleihen gleichzeitig.
- Kurze Laufzeiten schwanken wenig und eignen sich als Tagesgeld-Ersatz.
- Mittlere Laufzeiten sind ein Kompromiss aus Zins und Schwankung.
- Lange Laufzeiten bieten den stärksten Krisenschutz, schwanken aber stark bei Zinsänderungen.
Für viele Privatanleger übernimmt einfach Tagesgeld oder Festgeld die Rolle des sicheren Teils. Das ist einfacher und schwankt gar nicht. Anleihe-ETFs lohnen sich vor allem bei größeren Vermögen oder wenn du gezielt Laufzeiten steuern willst.
Steuern auf Anleihen
Kupons und Kursgewinne unterliegen der Abgeltungsteuer. Beim Kauf zwischen zwei Zinsterminen zahlst du dem Verkäufer die bis dahin aufgelaufenen Stückzinsen. Sie werden steuerlich wie negative Einnahmen behandelt. Anleihe-ETFs haben keine Teilfreistellung.
Die Zinsstrukturkurve
Normalerweise bekommst du für längere Laufzeiten höhere Zinsen, weil du dein Geld länger bindest und mehr Risiko trägst. Trägt man die Renditen nach Laufzeit in ein Diagramm ein, entsteht die Zinsstrukturkurve. Sie steigt in normalen Zeiten von links nach rechts an.
Manchmal kehrt sie sich um: Kurze Laufzeiten bringen dann mehr als lange. Eine solche inverse Zinskurve entsteht, wenn Anleger mit sinkenden Zinsen rechnen, etwa weil eine Rezession erwartet wird. In den USA ging einer Rezession in der Vergangenheit oft eine inverse Zinskurve voraus. Für dich als Anleger heißt das: Bei inverser Kurve sind kurze Laufzeiten, Tagesgeld oder Festgeld oft attraktiver als lange Anleihen.
Anleihen kaufen in fünf Schritten
- Ziel klären: Willst du Stabilität im Depot oder einen festen Betrag zu einem bestimmten Datum?
- Form wählen: Einzelanleihe für ein festes Datum, ETF für breite Streuung, Laufzeit-ETF für beides.
- Bonität festlegen: Für den sicheren Teil nur Investment Grade, am besten Staatsanleihen guter Bonität.
- Laufzeit passend zum Bedarf: Je kürzer, desto geringer das Zinsrisiko.
- Kosten prüfen: Bei Einzelanleihen auf die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs achten, bei ETFs auf die laufenden Kosten.
Begriffe kurz erklärt
- Kupon
- Fester jährlicher Zins einer Anleihe in Prozent des Nennwerts.
- Duration
- Maß für die Zinsempfindlichkeit einer Anleihe. Sie zeigt ungefähr, um wie viel Prozent der Kurs bei einem Prozentpunkt Zinsänderung schwankt.
- Rating
- Einschätzung einer Ratingagentur zur Kreditwürdigkeit eines Emittenten.
- Investment Grade
- Anleihen mit einem Rating von BBB oder besser.
- Stückzinsen
- Zinsen, die seit dem letzten Zinstermin aufgelaufen sind und beim Kauf an den Verkäufer gezahlt werden.
Häufige Fragen
Was ist eine Anleihe mit variablem Zins?
Ihr Kupon wird regelmäßig an einen Referenzzins wie den Euribor angepasst. Dadurch schwankt der Kurs weniger stark bei Zinsänderungen.
Sind Pfandbriefe sicherer als Bankanleihen?
In der Regel ja. Pfandbriefe sind mit Krediten oder Immobilien besichert und unterliegen strengen gesetzlichen Regeln. In Deutschland ist seit über hundert Jahren kein Pfandbrief ausgefallen.
Was ist eine Nullkuponanleihe?
Eine Anleihe ohne laufende Zinszahlungen. Sie wird unter dem Nennwert ausgegeben und zum Nennwert zurückgezahlt. Die Differenz ist dein Ertrag.
Sind Anleihen sicher?
Anleihen guter Bonität haben ein geringes Ausfallrisiko, schwanken aber im Kurs. Sicher im Sinne von „keine Verluste“ sind nur Einlagen bis 100.000 € dank Einlagensicherung.
Wie kaufe ich eine Bundesanleihe?
Über dein Depot an der Börse, wie eine Aktie. Achte auf die Ordergebühren und die Stückelung.
Was passiert, wenn ein Unternehmen pleitegeht?
Anleihegläubiger werden vor Aktionären bedient. Oft bekommen sie aber nur einen Teil ihres Geldes zurück.
Lohnen sich Anleihen bei niedrigen Zinsen?
Bei sehr niedrigen Zinsen bringen sichere Anleihen kaum Ertrag. Steigen die Zinsen später, drohen Kursverluste. Kurze Laufzeiten oder Tagesgeld sind dann oft die bessere Wahl.
Welche Anleihe-ETFs eignen sich für Einsteiger?
ETFs auf Euro-Staatsanleihen guter Bonität mit kurzer bis mittlerer Laufzeit. Sie vermeiden Währungsrisiken und schwanken weniger.
Quellen: Deutsche Finanzagentur, Deutsche Bundesbank, S&P Global Ratings, Einkommensteuergesetz (§ 20). Beispiele vereinfacht. Keine Anlageberatung.