Auf einen Blick
- Leitzinsen sind die Zinssätze, zu denen sich Banken bei der Zentralbank Geld leihen oder dort anlegen.
- Die EZB legt drei Leitzinsen fest. Für die Geldpolitik ist derzeit vor allem der Einlagesatz maßgeblich.
- Steigende Leitzinsen bringen höhere Sparzinsen, machen Kredite aber teurer – und umgekehrt.
- Der EZB-Rat entscheidet etwa alle sechs Wochen über die Zinsen.
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Bei einer Zinssenkung läuft es umgekehrt. Der EZB-Rat entscheidet etwa alle sechs Wochen.
Dein nächster Zug
- 1
Entscheidungen verfolgen
Behalte die Zinsentscheidungen der EZB im Blick.
- 2
Tagesgeld anpassen
Wechsle die Bank, wenn andere deutlich bessere Zinsen zahlen.
- 3
Kredite absichern
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Was ist der Leitzins?
Banken brauchen Zentralbankgeld, um Zahlungen untereinander abzuwickeln und Bargeld auszugeben. Sie können es sich bei der Zentralbank leihen oder überschüssiges Geld dort anlegen. Die Zinssätze dafür legt die Zentralbank fest – das sind die Leitzinsen. Sie bilden den Ausgangspunkt für fast alle anderen Zinsen in der Wirtschaft.
Die drei Leitzinsen der EZB
| Zinssatz | Was er bedeutet |
|---|---|
| Einlagesatz | Zins, den Banken für Guthaben bei der Zentralbank erhalten. Er ist derzeit der entscheidende Zins für die Geldpolitik. |
| Hauptrefinanzierungssatz | Zins, zu dem sich Banken regulär für eine Woche Geld leihen. Lange der bekannteste Leitzins. |
| Spitzenrefinanzierungssatz | Zins für kurzfristige Notkredite über Nacht. Er bildet die Obergrenze. |
Weil Banken im Euroraum seit Jahren sehr viel Zentralbankgeld halten, steuert die EZB die Geldmarktzinsen vor allem über den Einlagesatz. In den Nachrichten ist mit „dem Leitzins“ deshalb meist der Einlagesatz gemeint. Aktuelle Höhe der Leitzinsen vor Veröffentlichung bei der EZB prüfen und mit Datum nennen.
Warum ändert die EZB die Zinsen?
Das Ziel der EZB ist Preisstabilität, definiert als Inflation von 2 % auf mittlere Sicht. Steigt die Inflation deutlich darüber, erhöht sie die Zinsen: Kredite werden teurer, Sparen attraktiver, die Nachfrage sinkt und der Preisauftrieb lässt nach. Ist die Inflation zu niedrig oder droht eine Rezession, senkt sie die Zinsen, um Kredite und Investitionen zu fördern.
Die Wirkung zeigt sich mit Verzögerung, oft erst nach ein bis zwei Jahren. Die EZB muss deshalb vorausschauend entscheiden und stützt sich auf Prognosen.
Ein Blick zurück
- 2014 bis 2022: Der Einlagesatz war negativ. Banken mussten für Guthaben bei der EZB bezahlen, Sparer bekamen kaum Zinsen, viele Banken verlangten Verwahrentgelte.
- Juli 2022: Wegen stark steigender Inflation erhöhte die EZB erstmals seit elf Jahren die Zinsen – und dann in schneller Folge.
- September 2023: Der Einlagesatz erreichte mit 4 % seinen Höchststand.
- Ab Juni 2024: Mit sinkender Inflation begann die EZB, die Zinsen schrittweise zu senken.
Was Zinsentscheidungen für dich bedeuten
| Bereich | Wenn die Leitzinsen steigen | Wenn die Leitzinsen sinken |
|---|---|---|
| Tagesgeld und Festgeld | Zinsen steigen, oft mit Verzögerung | Zinsen sinken, oft schnell |
| Dispo und Ratenkredite | werden teurer | werden günstiger |
| Baufinanzierung | meist teurer | meist günstiger |
| Anleihen | Kurse bestehender Anleihen fallen | Kurse bestehender Anleihen steigen |
| Aktien | tendenziell belastend | tendenziell unterstützend |
Bauzinsen hängen allerdings stärker von den Zinsen langlaufender Anleihen ab als direkt vom Leitzins. Sie können sich deshalb schon vor einer EZB-Entscheidung bewegen, wenn die Märkte eine Zinsänderung erwarten.
Wie du reagieren kannst
- Bei steigenden Zinsen: Tagesgeldzinsen vergleichen und gegebenenfalls wechseln, Festgeld eher kurz anlegen, variable Kredite prüfen.
- Bei sinkenden Zinsen: Gute Festgeldzinsen für längere Laufzeiten sichern, über eine Umschuldung teurer Kredite nachdenken.
- Bei der Baufinanzierung: Eine lange Zinsbindung schützt vor steigenden Zinsen. Für Anschlussfinanzierungen kann ein Forward-Darlehen sinnvoll sein.
- Beim ETF-Sparplan: Weiterlaufen lassen. Zinsentscheidungen sorgen kurzfristig für Schwankungen, ändern aber nichts an einer langfristigen Strategie.
Wann entscheidet die EZB?
Der EZB-Rat trifft sich etwa alle sechs Wochen zu geldpolitischen Sitzungen, also rund achtmal im Jahr. Die Entscheidung wird am Sitzungstag am frühen Nachmittag veröffentlicht, anschließend erläutert die Präsidentin oder der Präsident der EZB sie in einer Pressekonferenz. Die Termine stehen lange im Voraus auf der Website der EZB.
Nach jeder Zinsentscheidung aktualisieren wir diesen Ratgeber und unseren Tagesgeld-Vergleich.
Mehr als nur Zinsen: Ausblick und Bilanz
Die EZB beeinflusst die Zinsen nicht nur über die Leitzinsen selbst. Zwei weitere Instrumente spielen eine wichtige Rolle:
- Kommunikation: Die EZB erklärt, wie sie die Lage einschätzt und was sie in Zukunft vorhat. Schon diese Signale bewegen die Märkte, oft stärker als die eigentliche Entscheidung.
- Bilanz: Mit dem Kauf von Anleihen senkte die EZB jahrelang die langfristigen Zinsen. Seit sie auslaufende Anleihen nicht mehr ersetzt, wirkt dieser Effekt in die andere Richtung.
Für Baufinanzierungen sind deshalb nicht nur die Leitzinsen, sondern auch die Erwartungen und die Anleihekäufe der EZB wichtig.
Leitzins in den USA und der Euro
Auch andere Notenbanken setzen Leitzinsen, allen voran die US-Notenbank Fed. Ihre Entscheidungen wirken auf die Weltwirtschaft und beeinflussen den Wechselkurs: Liegen die Zinsen in den USA deutlich höher als im Euroraum, wird der Dollar für Anleger attraktiver, und der Euro verliert tendenziell an Wert. Ein schwächerer Euro verteuert Importe, etwa Öl, und kann so die Inflation im Euroraum erhöhen.
So liest du eine Zinsentscheidung
- Die Entscheidung: Wurden die Zinsen erhöht, gesenkt oder belassen, und um wie viel?
- Die Begründung: Wie schätzt die EZB Inflation und Wachstum ein?
- Der Ausblick: Deutet sie weitere Schritte an oder hält sie sich alle Optionen offen?
- Die Reaktion der Märkte: Bewegen sich Anleihezinsen und Euro stark, war die Entscheidung überraschend.
Für deine persönlichen Finanzen reicht meist der Blick auf die Richtung: Steigen oder sinken die Zinsen, und wie lange dürfte das so bleiben?
Begriffe kurz erklärt
- Einlagesatz
- Zins für Guthaben der Banken bei der EZB, derzeit der maßgebliche Leitzins.
- Hauptrefinanzierungssatz
- Zins für reguläre einwöchige Kredite der EZB an Banken.
- Zinswende
- Richtungswechsel der Zinspolitik, etwa vom Senken zum Erhöhen.
- Geldmarkt
- Markt, auf dem sich Banken kurzfristig Geld leihen.
- €STR
- Euro Short-Term Rate: Referenzzins für unbesicherte Übernachtkredite zwischen Banken im Euroraum.
- Quantitative Tightening
- Abbau der Anleihebestände der Zentralbank, das Gegenstück zu Anleihekäufen.
Was ein Prozentpunkt bei der Baufinanzierung ausmacht
Wie stark Zinsänderungen ins Gewicht fallen, zeigt ein einfaches Beispiel: Bei einem Immobilienkredit über 300.000 € bedeutet ein Prozentpunkt mehr Zinsen im ersten Jahr rund 3.000 € zusätzliche Zinskosten, also 250 € im Monat. Über eine Zinsbindung von zehn Jahren summiert sich das auf einen hohen fünfstelligen Betrag.
Deshalb lohnt es sich, bei einer Baufinanzierung die Zinsentwicklung im Blick zu behalten, Angebote rechtzeitig zu vergleichen und die Zinsbindung bewusst zu wählen. Eine lange Zinsbindung kostet meist etwas mehr, schützt aber vor bösen Überraschungen bei der Anschlussfinanzierung.
Häufige Fragen
Wo finde ich die aktuellen Leitzinsen?
Die EZB veröffentlicht ihre Leitzinsen und die Termine der nächsten Sitzungen auf ihrer Website. Auch die Deutsche Bundesbank stellt die aktuellen Sätze und ihre Entwicklung über die Jahre übersichtlich dar.
Wie schnell reagieren Tagesgeldzinsen?
Unterschiedlich. Viele Banken senken Zinsen nach einer Leitzinssenkung schnell, geben Erhöhungen aber langsamer weiter. Ein regelmäßiger Vergleich lohnt sich deshalb.
Ist der Leitzins der Zins, den ich bei der Bank bekomme?
Nein. Der Leitzins gilt zwischen Banken und Zentralbank. Deine Bank orientiert sich daran, legt die Zinsen für Kunden aber selbst fest.
Warum geben Banken Zinserhöhungen so langsam weiter?
Banken verdienen an der Differenz zwischen dem, was sie selbst bekommen, und dem, was sie Kunden zahlen. Wettbewerb sorgt dafür, dass sich ein Vergleich besonders nach Zinsänderungen lohnt.
Was ist der Unterschied zur US-Notenbank?
Die US-Notenbank Fed ist für den Dollar zuständig und setzt eigene Leitzinsen. Ihre Entscheidungen beeinflussen weltweit die Finanzmärkte, auch die in Europa.
Quellen: Europäische Zentralbank (Leitzinsen, geldpolitische Strategie, Sitzungskalender), Deutsche Bundesbank. Historische Daten gerundet. Keine Anlageberatung.