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P2P-Kredite: Chancen, Risiken und die richtige Strategie

Bei P2P-Krediten verleihst du Geld über eine Online-Plattform an Privatpersonen oder Unternehmen und bekommst dafür Zinsen. Die beworbenen Renditen sind hoch, die Risiken aber auch. Hier erfährst du, wie die Plattformen funktionieren, was nach Ausfällen und Steuern übrig bleibt und wie du P2P-Kredite sinnvoll in deine Strategie einbaust.

Dein FahrplanSchritt 5 von 7: Investieren

Auf einen Blick

  1. P2P-Kredite sind Kredite, die Anleger über eine Plattform direkt an Kreditnehmer vergeben – ohne klassische Bank dazwischen.
  2. Beworben werden oft 8 bis 12 % Zinsen im Jahr. Nach Ausfällen und Steuern bleibt deutlich weniger übrig.
  3. Es gibt keine Einlagensicherung. Im schlimmsten Fall ist das eingesetzte Geld ganz verloren.
  4. P2P-Kredite sind höchstens eine kleine Beimischung, nachdem Notgroschen, Absicherung und ETF-Sparplan stehen.
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Was von 10 % Zinsen übrig bleibt5.000 € für ein Jahr angelegt
Beworben10 % Zinsen500 €Nach Ausfällen4 % Ausfall300 €Nach Steuern221 €

Effektiv rund 4,4 % – ohne Einlagensicherung.

Deine Strategie in drei Zügen

Dein nächster Zug

  1. 1

    Fundament prüfen

    Steige erst ein, wenn Notgroschen, Absicherung und ETF-Sparplan stehen.

  2. 2

    Obergrenze setzen

    Lege fest, welchen kleinen Anteil deines Vermögens du höchstens riskierst.

  3. 3

    Klein testen

    Starte mit wenig Geld, streue breit und teste eine Auszahlung.

Schritt 5 von 7 im Finanz-Fahrplan: Investieren.

Ausführlicher Ratgeber9 Min. Lesezeit · 12 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen
Hohes Risiko

P2P-Kredite sind kein Ersatz für Tagesgeld und keine sichere Zinsanlage. Investiere nur Geld, dessen Verlust du verkraften kannst. Dieser Ratgeber ist keine Anlageberatung.

Was sind P2P-Kredite?

P2P steht für „Peer to Peer“, also „von Person zu Person“. Statt dass eine Bank Spareinlagen einsammelt und daraus Kredite vergibt, bringt eine Online-Plattform Kreditnehmer und Anleger direkt zusammen. Du entscheidest selbst oder per Automatik, welche Kredite du mitfinanzierst, und bekommst dafür die Zinsen, die der Kreditnehmer zahlt – abzüglich der Kosten der Plattform.

Ein einzelner Kredit wird dabei auf viele Anleger aufgeteilt. Schon mit 10 oder 50 € kannst du dich an einem Kredit beteiligen. Das ermöglicht eine breite Streuung auch mit kleinen Beträgen. Finanziert werden Konsumkredite, etwa für ein Auto oder eine Renovierung, aber auch Unternehmens- und Immobilienkredite.

So funktioniert eine P2P-Plattform

  1. Kreditanfrage: Eine Privatperson oder ein Unternehmen beantragt einen Kredit, entweder direkt auf der Plattform oder bei einem Kreditanbieter, der mit der Plattform zusammenarbeitet.
  2. Prüfung: Plattform oder Kreditanbieter prüfen die Bonität und legen einen Zinssatz fest. Je schlechter die Bonität, desto höher der Zins.
  3. Finanzierung: Anleger kaufen Anteile am Kredit. Viele Plattformen bieten einen Auto-Invest, der nach deinen Vorgaben automatisch investiert.
  4. Rückzahlung: Der Kreditnehmer zahlt monatlich Zins und Tilgung. Diese Zahlungen landen anteilig auf deinem Konto bei der Plattform.

Die zwei Modelle im Vergleich

ModellSo läuft esWorauf du achten musst
Direkter MarktplatzDie Plattform vermittelt Kredite selbst, oft über eine Partnerbank. Kreditnehmer und Anleger sind direkt verbunden.Ausfälle treffen dich unmittelbar. Rendite und Ausfallquote der Vergangenheit prüfen.
Plattform mit KreditanbieternViele unabhängige Kreditanbieter, oft im Ausland, stellen ihre Kredite auf der Plattform ein. Häufig mit Rückkaufgarantie.Die Garantie ist nur so gut wie der Kreditanbieter, der sie gibt. Geht er pleite, hilft sie wenig.

Rendite: Was realistisch übrig bleibt

Die Zinsen auf den Plattformen wirken verlockend. Entscheidend ist aber nicht der beworbene Zins, sondern die Nettorendite nach Ausfällen, Gebühren und Steuern. Und die kennst du erst im Nachhinein.

Rechenbeispiel

Du legst 5.000 € zu beworbenen 10 % an. Das ergibt nach einem Jahr 500 € Zinsen. Fallen Kredite im Wert von 4 % deines Kapitals aus, verlierst du 200 €. Es bleiben 300 € vor Steuern. Darauf fallen rund 26,4 % Abgeltungsteuer mit Solidaritätszuschlag an, also etwa 79 €, sofern sich die Ausfälle steuerlich verrechnen lassen. Übrig bleiben rund 221 €, das sind etwa 4,4 % statt 10 %.

Damit liegt die Rendite in diesem Beispiel nicht weit über einem guten Tagesgeldzins oder Festgeld – bei einem ungleich höheren Risiko. In schlechten Jahren können Ausfälle die Zinsen auch komplett auffressen. Gute Jahre dagegen können deutlich mehr bringen. Genau diese Unsicherheit musst du einplanen.

Die Risiken im Detail

  • Kreditausfall: Kann ein Kreditnehmer nicht zahlen, ist dein Anteil ganz oder teilweise verloren. Inkasso dauert oft Jahre und bringt nur einen Teil zurück.
  • Pleite des Kreditanbieters: Bei Plattformen mit Rückkaufgarantie hängst du an der Zahlungsfähigkeit des Kreditanbieters. Fällt er aus, frieren Zahlungen oft ein.
  • Plattformrisiko: Mehrere Plattformen sind in der Vergangenheit zusammengebrochen, teils mit Betrugsverdacht. Anleger warteten dann lange auf Geld oder bekamen nichts zurück.
  • Liquidität: Dein Geld ist für die Laufzeit gebunden. Ein Zweitmarkt hilft, funktioniert aber in Krisen oft nur mit Abschlägen oder gar nicht.
  • Länder- und Währungsrisiko: Viele Kreditnehmer sitzen außerhalb Deutschlands. Politische Krisen können Rückzahlungen stoppen, wie 2022 bei Krediten aus Russland und der Ukraine.
  • Keine Einlagensicherung: Anders als bei Tagesgeld schützt dich keine gesetzliche Einlagensicherung.

Regulierung: Was die EU vorschreibt

Seit November 2021 gilt in der EU die Schwarmfinanzierungsverordnung (ECSP-Verordnung). Sie betrifft Plattformen, die Kredite an Unternehmen vermitteln. Nach einer Übergangsfrist bis November 2023 brauchen diese Plattformen eine Zulassung. Sie müssen ein Anlagebasisinformationsblatt bereitstellen und bei unerfahrenen Anlegern einen Kenntnistest sowie eine Simulation der Verlusttragfähigkeit durchführen.

Konsumentenkredite fallen nicht unter diese Verordnung. Manche Plattformen sind stattdessen als Wertpapierfirma lizenziert und bieten ihre Kredite als Wertpapiere an. Wichtig: Eine Lizenz bedeutet, dass die Plattform beaufsichtigt wird, nicht, dass deine Anlage sicher ist.

Steuern auf P2P-Zinsen

Zinsen aus P2P-Krediten sind Einkünfte aus Kapitalvermögen. Es gilt die Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Person bleibt steuerfrei.

Die meisten ausländischen Plattformen behalten keine Steuer ein. Du musst die Zinsen dann selbst in der Anlage KAP deiner Steuererklärung angeben. Plattformen mit deutscher Partnerbank führen die Steuer teilweise direkt ab. Verluste aus Kreditausfällen kannst du grundsätzlich mit Kapitalerträgen verrechnen. Stand prüfen: Verlustverrechnung bei Forderungsausfällen nach Jahressteuergesetz 2024.

P2P strategisch einsetzen: Die Beimischung

P2P-Kredite sind kein Fundament, sondern ein Satellit. In unserem Finanz-Fahrplan kommen sie erst nach Schritt 5, wenn ein breit gestreuter ETF-Sparplan läuft. Wer sie trotzdem nutzen möchte, sollte nach klaren Regeln vorgehen:

  • Kleiner Anteil: Viele Anleger begrenzen riskante Beimischungen auf höchstens 5 bis 10 % ihres Vermögens.
  • Breit streuen: Lieber 200 Kredite zu je 10 € als 4 Kredite zu je 500 €. Verteile zudem auf mehrere Kreditanbieter und, wenn möglich, mehrere Plattformen.
  • Kurz binden: Kürzere Laufzeiten halten dich flexibel, falls sich die Lage einer Plattform verschlechtert.
  • Langsam starten: Beginne mit einem kleinen Betrag und teste auch eine Auszahlung, bevor du mehr investierst.
  • Regelmäßig prüfen: Einmal im Quartal Ausfälle, verspätete Zahlungen und Nachrichten zur Plattform ansehen.

Checkliste: So prüfst du eine Plattform

  1. Hat die Plattform eine Zulassung, und welche Behörde beaufsichtigt sie?
  2. Veröffentlicht sie geprüfte Jahresabschlüsse und ist sie selbst profitabel?
  3. Wie transparent sind Ausfallquoten und die Lage der Kreditanbieter?
  4. Behält der Kreditanbieter einen eigenen Anteil am Kredit („Skin in the Game“)?
  5. Gibt es einen Zweitmarkt, und was kostet ein vorzeitiger Verkauf?
  6. Wirken Zinsen oder Bonusaktionen ungewöhnlich hoch? Renditeversprechen deutlich über dem Marktniveau sind ein Warnsignal.

Unsere Vergleichsmethodik

Wir bewerten P2P-Plattformen nicht nach der Höhe der Zinsen, sondern nach Sicherheit und Transparenz: Aufsicht und Zulassung, veröffentlichte und geprüfte Geschäftszahlen, Dauer am Markt, Umgang mit Ausfällen in der Vergangenheit, Zweitmarkt und Kosten. Ob und wie viel eine Plattform für einen Werbelink zahlt, hat keinen Einfluss auf die Reihenfolge.

Begriffe kurz erklärt

Kreditanbieter
Unternehmen, das Kredite vergibt und sie auf einer P2P-Plattform an Anleger weiterreicht. Im Englischen „Lending Company“ oder „Loan Originator“.
Rückkaufgarantie
Zusage des Kreditanbieters, einen Kredit nach einer bestimmten Verzugszeit zurückzukaufen. Nur so viel wert wie der Kreditanbieter selbst.
Zweitmarkt
Börse innerhalb der Plattform, auf der du Kreditanteile vor Ende der Laufzeit an andere Anleger verkaufen kannst.
Auto-Invest
Automatische Anlage nach deinen Vorgaben, etwa zu Zins, Laufzeit und Kreditanbieter.
Ausfallquote
Anteil der Kredite, die nicht oder nur teilweise zurückgezahlt werden.
Skin in the Game
Eigener Anteil, den der Kreditanbieter an jedem Kredit behält. Er soll sicherstellen, dass er Kredite sorgfältig prüft.

Häufige Fragen

Sind P2P-Kredite sicher?

Nein. Es gibt keine Einlagensicherung, und sowohl Kreditnehmer als auch Kreditanbieter und Plattformen können ausfallen. P2P-Kredite gehören deshalb zu den riskanten Geldanlagen.

Wie viel sollte ich in P2P-Kredite investieren?

Nur einen kleinen Teil deines Vermögens, den du im schlimmsten Fall verlieren kannst. Viele Anleger setzen sich eine Obergrenze von 5 bis 10 %. Notgroschen und Altersvorsorge gehören nicht dazu.

Kann ich jederzeit an mein Geld?

Nicht garantiert. Das Geld ist für die Laufzeit der Kredite gebunden. Über einen Zweitmarkt kannst du Anteile oft vorzeitig verkaufen, in Krisen aber meist nur mit Abschlag oder gar nicht.

Was bringt eine Rückkaufgarantie?

Sie schützt vor dem Ausfall einzelner Kreditnehmer, solange der Kreditanbieter zahlungsfähig ist. Gerät er selbst in Schwierigkeiten, kann die Garantie wertlos werden.

Muss ich P2P-Zinsen in der Steuererklärung angeben?

Ja, wenn die Plattform keine Abgeltungsteuer einbehält. Das ist bei ausländischen Plattformen der Regelfall. Die Zinsen gehören in die Anlage KAP.

Sind P2P-Kredite eine Alternative zum ETF-Sparplan?

Nein. Ein breit gestreuter ETF ist das Fundament des Vermögensaufbaus. P2P-Kredite können ihn höchstens als kleiner Baustein ergänzen.

Quellen: Verordnung (EU) 2020/1503 über Schwarmfinanzierungsdienstleister, BaFin-Verbraucherinformationen zu Schwarmfinanzierung, Verbraucherzentrale, Einkommensteuergesetz (§ 20, § 32d). Rechenbeispiel vereinfacht. Keine Anlageberatung.