Auf einen Blick
- Faktoren sind Merkmale von Aktien, die in der Vergangenheit mit einer Mehrrendite gegenüber dem Gesamtmarkt verbunden waren.
- Am besten belegt sind Value, Size (kleine Unternehmen), Momentum, Quality und niedrige Schwankung.
- Faktorprämien können über zehn Jahre und länger ausbleiben. Wer Faktoren nutzt, braucht Geduld und Disziplin.
- Faktor-ETFs eignen sich als Beimischung, nicht als Ersatz für einen breiten Welt-ETF.
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- Welt-ETF als Kern: 80 %
- Small-Cap-Value: 20 %
Einmal im Jahr rebalancen und mindestens 15 Jahre durchhalten.
Dein nächster Zug
- 1
Kern behalten
Ein breiter Welt-ETF bleibt die Basis deines Depots.
- 2
Klein beimischen
Begrenze Faktor-ETFs auf höchstens 10 bis 30 % des Aktienanteils.
- 3
Durchhalten
Plane mindestens 15 Jahre und rebalance jährlich.
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Was ist ein Faktor?
In der Finanzforschung ist ein Faktor ein messbares Merkmal, das erklärt, warum sich manche Aktien anders entwickeln als der Markt. Der erste und wichtigste Faktor ist das Marktrisiko selbst: Aktien bringen langfristig mehr als sichere Anlagen, weil sie schwanken. Anfang der 1990er-Jahre zeigten die Ökonomen Eugene Fama und Kenneth French, dass zwei weitere Merkmale einen großen Teil der Renditeunterschiede erklären: die Größe eines Unternehmens und seine Bewertung. Später kamen weitere Faktoren hinzu.
Warum gibt es überhaupt eine Prämie? Zwei Erklärungen stehen sich gegenüber: Entweder werden Anleger für ein zusätzliches Risiko bezahlt, oder Menschen verhalten sich systematisch nicht rational, etwa indem sie langweilige Unternehmen unterschätzen.
Die wichtigsten Faktoren
| Faktor | Idee | Typische Erklärung |
|---|---|---|
| Value | Günstig bewertete Aktien, etwa mit niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis | Höheres Risiko, Anleger meiden „langweilige“ Firmen |
| Size | Kleine Unternehmen (Small Caps) | Höheres Risiko, geringere Handelbarkeit |
| Momentum | Aktien, die in den letzten 6 bis 12 Monaten gut gelaufen sind | Anleger reagieren verzögert auf Nachrichten |
| Quality | Profitable Unternehmen mit stabilen Gewinnen und wenig Schulden | Anleger unterschätzen Beständigkeit |
| Low Volatility | Aktien mit geringen Schwankungen | Anleger zahlen zu viel für spektakuläre Aktien |
Die Kehrseite: Lange Durststrecken
Faktorprämien sind keine Garantie. Value-Aktien entwickelten sich zum Beispiel ungefähr von 2007 bis 2020 deutlich schlechter als der Gesamtmarkt, während große Technologiekonzerne immer weiter stiegen. Wer in dieser Zeit stark auf Value gesetzt hatte, lag über ein Jahrzehnt hinter einem einfachen Welt-ETF.
Solche Phasen sind der Grund, warum Faktorprämien überhaupt existieren können. Wären sie sicher, würden alle sie nutzen, und die Prämie würde verschwinden. Wer Faktoren nutzt, muss also bereit sein, über lange Zeit hinter dem Markt zu liegen, ohne die Strategie aufzugeben.
Wie Faktor-ETFs funktionieren
Faktor-ETFs, auch Smart-Beta-ETFs genannt, bilden Indizes ab, die Aktien nach festen Regeln auswählen oder gewichten. Ein Value-ETF enthält zum Beispiel die günstigsten Aktien eines Ausgangsindex wie des MSCI World. Ein Momentum-ETF schichtet regelmäßig in die Aktien mit der besten jüngeren Kursentwicklung um.
- Kosten: Faktor-ETFs sind meist teurer als einfache Welt-ETFs, oft 0,25 bis 0,40 % pro Jahr.
- Konzentration: Sie enthalten oft weniger Aktien und weichen in Ländern und Branchen stark vom Markt ab.
- Umschichtung: Besonders Momentum-ETFs handeln viel. Das verursacht versteckte Kosten.
- Definitionen: Jeder Indexanbieter definiert Value oder Quality etwas anders. Zwei Value-ETFs können sich deutlich unterscheiden.
Einzelfaktor oder Multifaktor?
Weil einzelne Faktoren zu unterschiedlichen Zeiten gut oder schlecht laufen, kombinieren Multifaktor-ETFs mehrere Faktoren in einem Fonds. Das glättet die Schwankungen der Mehrrendite. Gleichzeitig verwässern sich die Effekte teilweise. Für Privatanleger ist eine kleine Beimischung aus einem breiten Small-Cap-ETF oder einem Multifaktor-ETF oft einfacher zu handhaben als mehrere Einzelfaktoren.
Faktoren im Portfolio
Ein Anleger hält 80 % seines Aktienanteils in einem Welt-ETF auf den MSCI ACWI. Die restlichen 20 % verteilt er auf einen globalen Small-Cap-Value-ETF. Einmal im Jahr bringt er die Aufteilung beim Rebalancing zurück auf 80 zu 20. Läuft Value schlecht, kauft er nach. Er hat sich vorgenommen, die Strategie mindestens 15 Jahre durchzuhalten.
Wichtig ist die Entscheidung vorab: Wer Faktoren beimischt und sie nach drei schlechten Jahren enttäuscht verkauft, hat das Schlechteste aus beiden Welten.
Checkliste vor dem Kauf eines Faktor-ETFs
- Verstehe ich, nach welchen Regeln der Index Aktien auswählt?
- Wie stark weicht der ETF in Ländern und Branchen vom Welt-ETF ab?
- Sind die Kosten angemessen, und wie groß ist der Fonds?
- Bin ich bereit, zehn Jahre und länger hinter dem Markt zu liegen?
- Passt der Anteil zu meinem Gesamtplan, etwa höchstens 10 bis 30 % des Aktienanteils?
Eine kurze Geschichte der Faktoren
Das erste große Modell der Finanzwissenschaft, das Capital Asset Pricing Model aus den 1960er-Jahren, erklärte Renditen nur mit dem Marktrisiko. Schon bald fanden Forscher Ausnahmen: Kleine Unternehmen und günstig bewertete Aktien brachten mehr, als das Modell vorhersagte. Fama und French fassten das 1993 in ihrem Drei-Faktoren-Modell zusammen. 1997 ergänzte Mark Carhart den Momentum-Faktor, 2015 erweiterten Fama und French ihr Modell um Profitabilität und Investitionsverhalten.
Seitdem haben Forscher Hunderte angebliche Faktoren veröffentlicht. Viele davon halten einer genauen Prüfung nicht stand. Man spricht vom „Faktor-Zoo“. Seriöse Anleger beschränken sich auf die wenigen Faktoren, die über lange Zeiträume, in vielen Ländern und nach Kosten belegt sind.
Typische Fehler beim Faktor-Investing
- Performance hinterherlaufen: Wer den Faktor kauft, der zuletzt am besten lief, kauft oft zu spät.
- Zu früh aufgeben: Drei schlechte Jahre sind bei Faktoren normal und kein Beweis, dass sie nicht mehr funktionieren.
- Zu viele Einzelfaktoren: Mehrere sich überschneidende ETFs machen das Depot unübersichtlich.
- Kosten unterschätzen: Hohe laufende Kosten und Umschichtungen können die Prämie auffressen.
Begriffe kurz erklärt
- Faktorprämie
- Mehrrendite eines Faktors gegenüber dem Gesamtmarkt über lange Zeiträume.
- Smart Beta
- Indexstrategien, die Aktien nicht nur nach Börsenwert gewichten, sondern nach Faktoren.
- Small Caps
- Aktien kleiner börsennotierter Unternehmen.
- Kurs-Buchwert-Verhältnis
- Börsenwert geteilt durch das bilanzielle Eigenkapital. Niedrige Werte deuten auf eine günstige Bewertung hin.
- Tracking Error
- Maß dafür, wie stark ein Portfolio vom Vergleichsindex abweicht.
Häufige Fragen
Wie lange sollte ich einen Faktor-ETF halten?
Mindestens zehn bis fünfzehn Jahre. Kürzere Zeiträume sind zu stark vom Zufall geprägt, um eine Prämie verlässlich zu ernten.
Gibt es Faktor-ETFs auch für Anleihen?
Ja, etwa mit Fokus auf Laufzeit oder Bonität. Für Privatanleger sind sie aber kaum nötig, ein einfacher Anleihen-ETF reicht meist.
Was ist der Unterschied zwischen Value und Growth?
Value-Aktien sind im Verhältnis zu Gewinn oder Buchwert günstig bewertet, Growth-Aktien teuer, weil hohes Wachstum erwartet wird. Ein Welt-ETF enthält beides.
Sind Small Caps in einem Welt-ETF enthalten?
Im MSCI World und FTSE All-World kaum, sie enthalten vor allem große und mittlere Unternehmen. Für Small Caps braucht es einen eigenen ETF oder einen Index wie den MSCI ACWI IMI.
Ist ein Welt-ETF nicht schon genug?
Für die meisten Anleger ja. Faktoren sind ein optionaler Zusatz für Menschen, die sich mit den Risiken auseinandersetzen und lange dabeibleiben.
Sind Dividenden-ETFs Faktor-ETFs?
Teilweise, sie haben oft eine Value-Neigung. Dividendenrendite allein ist aber kein gut belegter eigenständiger Faktor.
Sind die Prämien nach ihrer Veröffentlichung kleiner geworden?
Studien deuten darauf hin, dass manche Prämien nach ihrer Entdeckung kleiner wurden, weil mehr Geld in diese Strategien fließt. Ganz verschwunden sind sie bisher nicht.
Wie viele Faktoren sollte ich kombinieren?
Weniger ist mehr. Ein bis zwei Faktoren oder ein Multifaktor-ETF reichen. Mehr Bausteine erhöhen vor allem den Aufwand.
Gibt es Faktor-ETFs als Sparplan?
Ja, viele Broker bieten Sparpläne auf gängige Faktor-ETFs an. Prüfe die Auswahl im Depot-Vergleich.
Quellen: Fama und French, „The Cross-Section of Expected Stock Returns“ (1992) und „Common Risk Factors“ (1993), Carhart (1997), McLean und Pontiff, „Does Academic Research Destroy Stock Return Predictability?“ (2016), MSCI Factor Indexes. Keine Anlageberatung.