Auf einen Blick
- Das KGV setzt den Kurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Es ist die bekannteste Kennzahl.
- KUV und KBV helfen, wenn ein Unternehmen keinen oder schwankenden Gewinn hat.
- Kennzahlen sind nur im Vergleich aussagekräftig: mit der Branche, mit dem Markt und mit der eigenen Vergangenheit.
- Eine niedrige Bewertung allein ist kein Kaufsignal. Oft gibt es gute Gründe, warum eine Aktie günstig ist.
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Kennzahlen sagen nur im Vergleich etwas: mit der Branche, dem Markt und der eigenen Geschichte.
Dein nächster Zug
- 1
Geschäft verstehen
Kläre, wie das Unternehmen sein Geld verdient.
- 2
Kennzahlen vergleichen
Setze KGV, KUV und KBV in Bezug zu Branche und Vergangenheit.
- 3
Begrenzen
Halte Einzelaktien bei höchstens 10 bis 20 % deines Depots.
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Warum der Kurs allein nichts sagt
Eine Aktie für 500 € kann günstiger sein als eine für 20 €. Entscheidend ist, wie viel Gewinn, Umsatz oder Vermögen hinter einer Aktie steckt. Bewertungskennzahlen setzen den Kurs deshalb ins Verhältnis zu einer Größe aus der Bilanz oder der Gewinn- und Verlustrechnung. So werden Unternehmen unterschiedlicher Größe vergleichbar.
Das KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis
Eine Aktie kostet 60 €, das Unternehmen verdient 4 € je Aktie. Das KGV beträgt 15. Anders gesagt: Du zahlst das Fünfzehnfache des aktuellen Jahresgewinns. Bliebe der Gewinn konstant, dauerte es 15 Jahre, bis der Kaufpreis „verdient“ ist.
Man unterscheidet das KGV auf Basis des vergangenen Jahres und das erwartete KGV auf Basis von Analystenschätzungen für das laufende oder nächste Jahr. Das erwartete KGV ist zukunftsgerichtet, aber auch unsicherer.
Grenzen: Schreibt ein Unternehmen Verluste, gibt es kein sinnvolles KGV. Einmaleffekte wie ein Verkauf von Firmenteilen können den Gewinn verzerren. Und wachstumsstarke Unternehmen haben fast immer ein hohes KGV.
Das KUV: Kurs-Umsatz-Verhältnis
Das KUV ist nützlich bei Unternehmen, die noch keinen oder einen stark schwankenden Gewinn haben, etwa junge Wachstumsfirmen. Umsatz lässt sich schwerer durch Bilanzierung beeinflussen als Gewinn. Der Nachteil: Umsatz ist nicht Gewinn. Ein Händler mit dünnen Margen hat naturgemäß ein niedrigeres KUV als ein Softwarehersteller mit hohen Margen.
Das KBV: Kurs-Buchwert-Verhältnis
Ein KBV unter 1 bedeutet, dass die Börse das Unternehmen niedriger bewertet als sein Eigenkapital in der Bilanz. Das KBV ist besonders bei Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen mit viel Sachvermögen aussagekräftig. Bei Technologie- oder Markenunternehmen, deren Wert vor allem in Wissen, Software und Marken steckt, ist es wenig hilfreich.
Weitere Kennzahlen
| Kennzahl | Berechnung | Aussage |
|---|---|---|
| Dividendenrendite | Dividende je Aktie ÷ Kurs | Laufende Ausschüttung im Verhältnis zum Preis |
| PEG-Ratio | KGV ÷ erwartetes Gewinnwachstum in Prozent | Setzt die Bewertung ins Verhältnis zum Wachstum |
| EV/EBITDA | Unternehmenswert inklusive Schulden ÷ operativer Gewinn vor Abschreibungen | Vergleich unabhängig von Verschuldung und Steuern |
| Shiller-KGV | Kurs ÷ inflationsbereinigter Durchschnittsgewinn der letzten 10 Jahre | Bewertung ganzer Märkte über Konjunkturzyklen |
| Eigenkapitalrendite | Gewinn ÷ Eigenkapital | Wie effizient ein Unternehmen mit dem Kapital wirtschaftet |
Kennzahlen richtig vergleichen
- Mit der Branche: Ein KGV von 25 kann für einen Softwarekonzern günstig und für einen Autobauer sehr teuer sein.
- Mit der eigenen Geschichte: Liegt das KGV weit über dem eigenen Durchschnitt der letzten zehn Jahre, ist viel Optimismus eingepreist.
- Mit dem Markt: Der breite Weltaktienmarkt hatte über lange Zeit oft ein KGV um die 15 bis 20. Abweichungen davon zeigen, ob ein Unternehmen eher teurer oder günstiger bewertet ist als der Durchschnitt.
Die Value-Falle
Eine Aktie mit KGV 6 wirkt wie ein Schnäppchen. Oft spiegelt die niedrige Bewertung aber reale Probleme: schrumpfende Märkte, hohe Schulden, drohende Regulierung oder ein Geschäftsmodell, das durch neue Technik bedroht ist. Solche Aktien nennt man Value-Fallen. Sie bleiben günstig oder werden noch günstiger. Prüfe deshalb immer, warum eine Aktie niedrig bewertet ist.
Umgekehrt kann eine Aktie mit hohem KGV lohnend sein, wenn die Gewinne über Jahre stark wachsen. Das PEG-Ratio hilft, Bewertung und Wachstum zusammen zu betrachten.
Checkliste: Eine Aktie in 20 Minuten einordnen
- Was macht das Unternehmen, und wie verdient es Geld?
- Wie hoch sind KGV, KUV und KBV, und wie liegen sie im Vergleich zur Branche?
- Sind Umsatz und Gewinn in den letzten fünf Jahren gewachsen?
- Wie hoch sind die Schulden im Verhältnis zum Gewinn?
- Warum könnte die Aktie günstig oder teuer sein?
- Passt die Aktie als kleiner Baustein in mein Portfolio?
Und was heißt das für ETF-Anleger?
Wer breit über ETFs investiert, muss einzelne Aktien nicht bewerten. Kennzahlen helfen trotzdem, das Marktumfeld einzuordnen: Ein sehr hohes Shiller-KGV des Gesamtmarkts deutet auf niedrigere Renditen in den folgenden zehn Jahren hin. Als Signal für den richtigen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt taugt es aber nicht. Mehr zur Auswahl von Einzelaktien steht im Ratgeber Aktien kaufen für Anfänger.
Beispiel: Zwei Unternehmen im Vergleich
| Kennzahl | Industriekonzern A | Softwarefirma B |
|---|---|---|
| KGV | 11 | 35 |
| KUV | 0,8 | 9 |
| KBV | 1,2 | 12 |
| Erwartetes Gewinnwachstum pro Jahr | 3 % | 20 % |
| PEG-Ratio | 3,7 | 1,75 |
Auf den ersten Blick wirkt A günstig und B teuer. Berücksichtigt man das erwartete Wachstum, kehrt sich das Bild um: Gemessen am PEG-Ratio ist B im Verhältnis zu seinem Wachstum günstiger. Ob das Wachstum tatsächlich eintritt, ist allerdings unsicher. Genau darin liegt das Risiko hoch bewerteter Aktien.
Wo du verlässliche Zahlen findest
- Geschäftsberichte: Die Primärquelle. Hier stehen Umsatz, Gewinn, Eigenkapital und Schulden.
- Investor-Relations-Seiten: Präsentationen und Quartalszahlen der Unternehmen.
- Finanzportale: Bequem, aber prüfe, ob die Daten aktuell sind und auf welchem Gewinn sie beruhen.
Begriffe kurz erklärt
- KGV
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie.
- KUV
- Kurs-Umsatz-Verhältnis: Börsenwert geteilt durch den Jahresumsatz.
- KBV
- Kurs-Buchwert-Verhältnis: Börsenwert geteilt durch das Eigenkapital laut Bilanz.
- Gewinn je Aktie
- Jahresgewinn geteilt durch die Zahl der Aktien.
- Value-Falle
- Aktie, die günstig aussieht, aber aus guten Gründen günstig bleibt oder weiter fällt.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich die Kennzahlen meiner Aktien prüfen?
Einmal im Quartal nach den Geschäftszahlen reicht. Tägliches Verfolgen führt eher zu unüberlegten Entscheidungen.
Was ist der Unterschied zwischen Gewinn und Cashflow?
Der Gewinn ist eine Buchgröße nach Bilanzregeln. Der Cashflow zeigt, wie viel Geld tatsächlich ins Unternehmen fließt. Bei der Bewertung lohnt ein Blick auf beides.
Sollte ich Analystenschätzungen vertrauen?
Sie sind eine nützliche Orientierung, liegen aber häufig daneben, besonders bei Wendepunkten. Nutze sie als eine Meinung unter mehreren.
Was sagt das Shiller-KGV über den Gesamtmarkt?
Ein hohes Shiller-KGV ging historisch mit niedrigeren Renditen in den folgenden zehn Jahren einher. Für kurzfristige Prognosen taugt es aber nicht.
Warum haben Banken oft ein niedriges KBV?
Weil Anleger ihre Risiken und die Qualität der Kredite in der Bilanz skeptisch sehen. Ein KBV unter 1 ist bei Banken nicht ungewöhnlich.
Welches KGV ist gut?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Entscheidend sind Branche, Wachstum und Risiko. Ein KGV deutlich unter dem Branchenschnitt ist ein Anlass, genauer hinzusehen, kein automatisches Kaufsignal.
Wo finde ich die Kennzahlen?
Auf Finanzportalen, in der App deines Brokers und in den Geschäftsberichten der Unternehmen. Prüfe, ob die Werte auf vergangenen oder erwarteten Gewinnen beruhen.
Ist eine hohe Dividendenrendite immer gut?
Nein. Sie kann entstehen, weil der Kurs stark gefallen ist. Ist die Dividende nicht durch den Gewinn gedeckt, droht eine Kürzung.
Reichen Kennzahlen für eine Kaufentscheidung?
Nein. Sie sind ein Werkzeug für einen ersten Überblick. Dazu gehören ein Verständnis des Geschäfts, der Konkurrenz und der Risiken.
Wie viel meines Depots sollte in Einzelaktien stecken?
Viele Anleger begrenzen Einzelaktien auf 10 bis 20 % des Depots. Der Kern bleibt ein breit gestreuter ETF.
Quellen: Benjamin Graham, „The Intelligent Investor“, Robert Shiller (CAPE-Daten), Deutsches Aktieninstitut. Beispiele vereinfacht. Keine Anlageberatung.