Auf einen Blick
- Realzins = Nominalzins minus Inflationsrate (vereinfacht).
- Ist der Realzins negativ, verliert dein Geld trotz Zinsen an Kaufkraft.
- Steuern auf Zinsen drücken den Realzins zusätzlich, sobald der Sparerpauschbetrag ausgeschöpft ist.
- Langfristig haben in Deutschland vor allem Aktien einen deutlich positiven Realzins gebracht.
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Realzins nach Steuern: 1,84 % − 2,2 % = rund −0,36 %. Das Geld wächst, verliert aber an Kaufkraft.
Dein nächster Zug
- 1
Realzins prüfen
Zieh von deinem Zins Steuern und Inflation ab.
- 2
Besser parken
Wechsle das Tagesgeld, wenn andere Banken deutlich mehr zahlen.
- 3
Langfristig investieren
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Nominalzins und Realzins
Der Nominalzins ist der Zins, den dir die Bank nennt, etwa 2,5 % auf dem Tagesgeld. Er sagt aber nichts darüber, was du dir von deinem Geld später kaufen kannst. Das zeigt der Realzins: Er zieht die Inflation ab und misst den Zuwachs an Kaufkraft.
Bei kleinen Werten reicht die einfache Subtraktion. Die genaue Formel heißt Fisher-Gleichung, nach dem Ökonomen Irving Fisher.
Drei Beispiele aus den letzten Jahren
| Zeitraum | Typischer Tagesgeldzins | Inflation in Deutschland | Realzins (vereinfacht) |
|---|---|---|---|
| Niedrigzinsphase, etwa 2016 bis 2021 | rund 0 bis 0,3 % | rund 0,5 bis 3 % | deutlich negativ |
| 2022 | unter 1 % | 6,9 % | rund −6 % |
| 2024 | rund 3 % (Spitzenangebote) | 2,2 % | leicht positiv |
Die Niedrigzinsjahre und die Inflationswelle 2022 haben Sparern auf Giro- und Sparkonten real viel Geld gekostet. Wer 10.000 € Anfang 2022 auf einem unverzinsten Konto liegen hatte, konnte sich Ende 2023 davon nur noch Waren im Wert von rund 8.800 € kaufen.
Steuern: Der vergessene Faktor
Zinsen über dem Sparerpauschbetrag von 1.000 € werden mit rund 26,4 % Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag belastet. Die Inflation wird dagegen nicht berücksichtigt. Besteuert wird also auch der Teil des Zinses, der nur den Kaufkraftverlust ausgleicht.
Tagesgeld 2,5 %, Inflation 2,2 %, Freibetrag bereits ausgeschöpft. Nach Steuern bleiben 2,5 % × (1 − 0,264) = rund 1,84 %. Der Realzins nach Steuern beträgt damit etwa 1,84 % − 2,2 % = −0,36 %. Das Geld wächst nominal, verliert aber an Kaufkraft.
Warum der Realzins so wichtig ist
Für dein Vermögen zählt nicht, wie viele Euro auf dem Konto stehen, sondern was du dir davon leisten kannst. Ein negativer Realzins wirkt wie eine schleichende Steuer: Er ist nicht auf dem Kontoauszug sichtbar, verringert aber Jahr für Jahr deine Kaufkraft. Über lange Zeiträume summiert sich das erheblich, wie unser Ratgeber zum Kaufkraftverlust zeigt.
Für den Staat und für Kreditnehmer hat ein negativer Realzins dagegen Vorteile: Der reale Wert ihrer Schulden sinkt. Ökonomen sprechen von finanzieller Repression, wenn Staaten über lange Zeit niedrige Zinsen bei höherer Inflation zulassen.
Welche Anlagen einen positiven Realzins bringen
| Anlage | Langfristiger Realertrag | Bemerkung |
|---|---|---|
| Girokonto | Negativ | Nur für das tägliche Geld |
| Tagesgeld, Festgeld | Um null, je nach Phase | Für Notgroschen und kurzfristige Ziele |
| Staatsanleihen | Leicht positiv bis null | Stabilisierend, aber zinsempfindlich |
| Aktien weltweit | Historisch rund 5 % pro Jahr | Starke Schwankungen, langer Atem nötig |
| Gold | Langfristig leicht positiv | Keine laufenden Erträge, schwankt stark |
Die Zahlen sind langfristige Durchschnitte aus der Vergangenheit und keine Garantie. Sie zeigen aber das Prinzip: Wer Kaufkraft vermehren will, muss Schwankungen in Kauf nehmen. Einen Überblick über alle Möglichkeiten gibt Geldanlage-Möglichkeiten im Vergleich.
Was der Realzins für deine Strategie bedeutet
- Notgroschen trotzdem auf Tagesgeld: Für Geld, das jederzeit verfügbar sein muss, ist Sicherheit wichtiger als Realzins. Wähle aber eine Bank mit gutem Zins.
- Mittelfristiges Geld auf Festgeld: Für Ziele in zwei bis fünf Jahren kann Festgeld den Realzins verbessern.
- Langfristiges Geld investieren: Alles, was du mehr als zehn Jahre nicht brauchst, gehört in renditestärkere Anlagen wie einen breiten Aktien-ETF.
- Freibetrag nutzen: Ein richtig eingestellter Freistellungsauftrag schützt die ersten 1.000 € Zinsen vor Steuern.
Realzins und Zentralbanken
Der Realzins ist auch für die Geldpolitik zentral. Liegt der Leitzins unter der Inflation, ist die Geldpolitik expansiv: Kredite sind real günstig, das stützt die Wirtschaft, kann aber die Inflation anheizen. Liegt der Leitzins über der Inflation, bremst die Zentralbank. Mehr dazu unter Leitzins und Zentralbanken erklärt.
Realzins über Jahrzehnte: Der Zinseszins der Kaufkraft
Kleine Unterschiede beim Realzins wirken über lange Zeiträume enorm, weil sie sich wie der Zinseszins aufschichten. Die Tabelle zeigt, was aus 10.000 € Kaufkraft nach 30 Jahren wird, je nach realem Ertrag pro Jahr.
| Realzins pro Jahr | Kaufkraft nach 30 Jahren | Typische Anlage |
|---|---|---|
| −2 % | rund 5.450 € | Girokonto bei 2 % Inflation |
| 0 % | 10.000 € | Tagesgeld in guten Phasen |
| +1 % | rund 13.500 € | Sichere Anleihen, Festgeld |
| +5 % | rund 43.200 € | Breit gestreute Aktien, historischer Schnitt |
Die Spanne reicht also von fast halbierter bis mehr als vervierfachter Kaufkraft. Genau deshalb ist die Frage, wo langfristiges Geld liegt, so wichtig. Wie stark der Zinseszins wirkt, zeigt unser Ratgeber Zinseszins.
Typische Denkfehler beim Realzins
- Nur auf den Nominalzins schauen: 4 % klingen gut, bei 5 % Inflation sind sie ein Verlust.
- Steuern vergessen: Über dem Freibetrag wird auch der Teil besteuert, der nur die Inflation ausgleicht.
- Kurzfristige Werte verallgemeinern: Ein Jahr mit positivem Realzins sagt wenig über die nächsten zehn Jahre.
- Sicherheit mit Werterhalt verwechseln: Ein Konto ohne Kursschwankungen ist nominal sicher, real aber nicht.
Begriffe kurz erklärt
- Nominalzins
- Der vereinbarte Zins ohne Berücksichtigung der Inflation.
- Realzins
- Zins nach Abzug der Inflation. Zeigt den Zuwachs an Kaufkraft.
- Fisher-Gleichung
- Genaue Formel für den Zusammenhang zwischen Nominalzins, Realzins und Inflation.
- Finanzielle Repression
- Politik dauerhaft negativer Realzinsen, die Schuldner entlastet und Sparer belastet.
- Verbraucherpreisindex
- Maß für die Preisentwicklung eines typischen Warenkorbs. Grundlage der Inflationsrate.
Häufige Fragen
Gibt es Realzins auch bei Krediten?
Ja. Für Kreditnehmer ist ein niedriger oder negativer Realzins günstig, weil die Inflation den realen Wert der Schulden verringert. Deshalb profitieren Immobilienkäufer mit festem Zins von höherer Inflation.
Wie wirkt sich der Realzins auf Aktienkurse aus?
Steigende Realzinsen machen sichere Anlagen attraktiver und drücken oft die Bewertungen von Aktien. Sinkende Realzinsen wirken umgekehrt. Langfristig zählen aber vor allem die Gewinne der Unternehmen.
Was ist der neutrale Zins?
Ein theoretischer Zins, bei dem die Geldpolitik die Wirtschaft weder bremst noch antreibt. Liegt der reale Leitzins darüber, wirkt die Politik bremsend, darunter anregend. Er lässt sich nur schätzen.
Wie hoch war der Realzins historisch?
Für sichere Anlagen lag er langfristig im Schnitt leicht über null, mit langen Phasen darunter. Für breit gestreute Aktien lag er historisch bei rund 5 % pro Jahr, mit großen Schwankungen.
Hilft ein höherer Zins bei einer anderen Bank?
Ja, oft deutlich. Zwischen dem schlechtesten und dem besten Tagesgeldangebot liegen häufig mehrere Prozentpunkte. Das kann den Realzins von negativ auf positiv drehen.
Wie berechne ich den Realzins für mein Tagesgeld?
Nimm den aktuellen Zins deiner Bank, ziehe gegebenenfalls Steuern ab und subtrahiere die aktuelle Inflationsrate. Das Ergebnis zeigt, ob dein Geld real wächst oder schrumpft.
Woher weiß ich die aktuelle Inflationsrate?
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht sie monatlich. Eine erste Schätzung kommt Ende des Monats, der endgültige Wert etwa zwei Wochen später.
Ist meine persönliche Inflation dieselbe?
Nicht unbedingt. Wer viel für Energie oder Lebensmittel ausgibt, war in den letzten Jahren stärker betroffen als der Durchschnitt.
Kann der Realzins dauerhaft negativ sein?
Über mehrere Jahre ja, wie die Niedrigzinsphase gezeigt hat. Für sichere Anlagen ist ein Realzins um null historisch nicht ungewöhnlich.
Gibt es Anlagen mit garantiertem Realzins?
Inflationsindexierte Staatsanleihen gleichen die Inflation aus. Ihr Kurs schwankt aber mit dem Zinsniveau. Mehr dazu im Ratgeber Inflationsschutz.
Warum zahlen Banken nicht einfach mehr Zinsen?
Der Zins hängt vor allem vom Leitzins der EZB ab. Banken geben ihn meist nur teilweise und verzögert weiter. Wechseln lohnt sich deshalb.
Quellen: Statistisches Bundesamt (Verbraucherpreisindex), Deutsche Bundesbank (Zinsstatistik), Irving Fisher, „The Theory of Interest“ (1930). Historische Renditen gerundet. Keine Anlageberatung.