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Einsteiger

Riester und die Reform der privaten Altersvorsorge

Die Riester-Rente sollte die Lücke in der gesetzlichen Rente schließen. Nach über zwanzig Jahren fällt die Bilanz gemischt aus: hohe Zulagen für Familien, aber oft hohe Kosten und magere Renditen. Die Politik plant deshalb eine Reform. Hier erfährst du, wie Riester funktioniert, was du mit einem bestehenden Vertrag tun kannst und was sich ändern soll.

Dein FahrplanSchritt 6 von 7: Fürs Alter vorsorgen

Auf einen Blick

  1. Riester fördert private Vorsorge mit Zulagen von 175 € pro Jahr für Erwachsene und bis zu 300 € pro Kind sowie einem möglichen Steuerabzug.
  2. Wegen der vorgeschriebenen Beitragsgarantie und hoher Kosten bringen viele Verträge wenig Rendite.
  3. Für Familien mit Kindern und Geringverdienende kann sich Riester trotzdem lohnen, weil die Zulagen im Verhältnis zum Eigenbeitrag hoch sind.
  4. Bestehende Verträge nicht vorschnell kündigen: Dann müssen alle Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden.
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Auf 1 € Eigenbeitrag kommen 4 € vom StaatAlleinerziehend, zwei Kinder: 960 € im Jahr im Vertrag
185 €775 €
  • Eigenbeitrag: 185 €
  • Zulagen vom Staat: 775 €

Grundzulage 175 € plus 2 × 300 € Kinderzulage.

Deine Strategie in drei Zügen

Dein nächster Zug

  1. 1

    Förderquote berechnen

    Setze Zulagen und Steuervorteil ins Verhältnis zum Eigenbeitrag.

  2. 2

    Vertrag prüfen

    Fordere Kosten und Vertragswert an.

  3. 3

    Nicht kündigen

    Lass teure Verträge eher ruhen und verfolge die Reform.

Schritt 6 von 7 im Finanz-Fahrplan: Fürs Alter vorsorgen.

Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 11 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen

So funktioniert Riester

Seit 2002 fördert der Staat private Altersvorsorgeverträge, die bestimmte Bedingungen erfüllen. Förderberechtigt sind vor allem Menschen, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, sowie Beamte. Ehepartner ohne eigene Förderberechtigung können über den Partner mittelbar gefördert werden.

FörderungBetrag
Grundzulage pro Jahr175 €
Kinderzulage pro Kind und Jahr (Geburt ab 2008)300 €
Kinderzulage pro Kind und Jahr (Geburt vor 2008)185 €
Berufseinsteigerbonus (einmalig, unter 25 Jahren)200 €
Sonderausgabenabzug inklusive Zulagenbis 2.100 €

Um die volle Zulage zu bekommen, musst du 4 % deines rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens einzahlen, abzüglich der Zulagen, mindestens aber 60 € im Jahr. Das Finanzamt prüft automatisch, ob der Steuerabzug günstiger ist als die Zulagen, und erstattet die Differenz.

Beispiel: Wer profitiert besonders?

Alleinerziehende Mutter, zwei Kinder (geboren nach 2008), 24.000 € Vorjahreseinkommen

Der Mindesteigenbeitrag beträgt 4 % von 24.000 € = 960 €, abzüglich Zulagen von 175 € + 2 × 300 € = 775 €. Sie zahlt also nur 185 € im Jahr selbst ein und erhält dafür 775 € Zulagen. Auf jeden eigenen Euro kommen rund 4 Euro vom Staat.

Für Alleinstehende ohne Kinder mit hohem Einkommen sieht die Rechnung anders aus: Sie zahlen deutlich mehr selbst ein, und der Vorteil hängt vor allem vom Steuerabzug ab.

Die Probleme von Riester

  • Beitragsgarantie: Zum Rentenbeginn müssen mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen. Um das zu garantieren, legen Anbieter einen großen Teil sicher und renditearm an.
  • Hohe Kosten: Abschluss- und Verwaltungskosten fressen bei vielen Verträgen einen großen Teil der Zulagen auf.
  • Verrentung: Höchstens 30 % des Kapitals können zu Rentenbeginn ausgezahlt werden, der Rest wird verrentet, oft mit vorsichtigen Annahmen zur Lebenserwartung.
  • Komplexität: Wer die Zulagen nicht jedes Jahr beantragt oder Änderungen nicht meldet, verliert Förderung.

Die Riester-Varianten

VarianteMerkmal
Rentenversicherung (klassisch)Garantiezins, oft hohe Kosten
Fondsgebundene RentenversicherungMehr Aktien möglich, Garantie über Umschichtungen
FondssparplanBei Fondsgesellschaften, Kapitalgarantie durch Anbieter
BanksparplanVariabler Zins, geringe Kosten, geringe Rendite
Wohn-RiesterFörderung für selbst genutzte Immobilien, nachgelagerte Besteuerung über ein Wohnförderkonto

Was tun mit einem bestehenden Vertrag?

  1. Zulagen prüfen: Bekommst du alle Zulagen? Ist ein Dauerzulagenantrag gestellt? Stimmt der Eigenbeitrag noch zu deinem Einkommen?
  2. Kosten und Garantien anfordern: Lass dir die Effektivkosten und den aktuellen Vertragswert nennen.
  3. Weiterzahlen, wenn die Förderquote hoch ist: Mit Kindern oder geringem Einkommen lohnt sich das oft.
  4. Ruhen lassen statt kündigen: Wer nicht mehr einzahlen möchte, stellt den Vertrag beitragsfrei. Die Förderung bleibt erhalten.
  5. Anbieterwechsel prüfen: Ein Wechsel ist möglich, kostet aber oft erneut Abschlussgebühren.

Nicht kündigen, ohne zu rechnen: Bei einer Kündigung gilt das als schädliche Verwendung. Alle Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden.

Die geplante Reform

Seit Jahren besteht politischer Konsens, dass die geförderte private Altersvorsorge reformiert werden muss. Im Gespräch sind vor allem geförderte Altersvorsorgedepots, in denen auch ETFs ohne volle Beitragsgarantie bespart werden können, eine einfachere und transparentere Förderung, niedrigere Kostenobergrenzen sowie eine sogenannte Frühstart-Rente, bei der der Staat für Kinder regelmäßig einen kleinen Betrag in ein Vorsorgedepot einzahlt. Stand prüfen: Gesetzgebungsverfahren, Inhalte und Starttermine der Reform sowie der Frühstart-Rente.

Für bestehende Riester-Verträge gilt in der Regel Bestandsschutz. Ob und wie sie in neue Produkte überführt werden können, hängt von der endgültigen Ausgestaltung ab.

Unsere Strategie bis zur Reform

Wer heute keinen Riester-Vertrag hat und keine hohen Kinderzulagen bekommt, wartet die Reform ab und spart solange flexibel in einen ETF-Sparplan. Wer einen Vertrag mit hoher Förderquote hat, zahlt mindestens den Mindesteigenbeitrag weiter. Wer einen teuren Vertrag mit geringer Förderung hat, prüft die Beitragsfreistellung. Den Gesamtüberblick bietet unser Ratgeber Altersvorsorge-Möglichkeiten.

Lohnt sich mein Vertrag noch? Eine Rechenhilfe

Um einen bestehenden Vertrag einzuschätzen, hilft eine einfache Förderquote: Teile die jährlichen Zulagen und die Steuerersparnis durch deinen Eigenbeitrag.

SituationFörderquoteEmpfehlung
Familie mit zwei Kindern, mittleres EinkommenSehr hochWeiterzahlen, Mindesteigenbeitrag prüfen
Geringverdiener ohne KinderHochMeist weiterzahlen
Alleinstehend, hohes Einkommen, teurer VertragNiedrig bis mittelKosten prüfen, Beitragsfreistellung erwägen
Kinder aus dem Kindergeldbezug herausSinkt deutlichNeu rechnen

Wichtig ist auch der Blick in die Zukunft: Fallen die Kinderzulagen weg, ändert sich die Rechnung. Prüfe deinen Vertrag deshalb alle paar Jahre.

Wohn-Riester: Für Immobilienkäufer

Mit Wohn-Riester kannst du die Förderung für eine selbst genutzte Immobilie nutzen, etwa zur Tilgung eines Kredits oder als Eigenkapital. Das geförderte Kapital wird auf einem fiktiven Wohnförderkonto erfasst und im Alter versteuert, entweder in Raten oder mit Rabatt auf einmal. Wer die Immobilie später nicht mehr selbst bewohnt, muss Regeln zur Reinvestition beachten. Für Familien mit Kaufplänen kann Wohn-Riester interessant sein. Lass dir die Bedingungen genau erklären.

Begriffe kurz erklärt

Zulage
Staatlicher Zuschuss, der direkt in den Riester-Vertrag fließt.
Mindesteigenbeitrag
4 % des Vorjahreseinkommens abzüglich Zulagen, mindestens 60 € pro Jahr.
Schädliche Verwendung
Verwendung des Kapitals außerhalb der Regeln, etwa durch Kündigung. Die Förderung muss zurückgezahlt werden.
Beitragsgarantie
Zusage, dass zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen vorhanden sind.
Beitragsfreistellung
Der Vertrag läuft ohne neue Einzahlungen weiter, die Förderung bleibt erhalten.

Häufige Fragen

Kann ich Riester mit einer bAV kombinieren?

Ja, beide Förderwege lassen sich parallel nutzen. Prüfe aber, ob sich bei deinem Einkommen beide Verträge mit ihren Kosten lohnen.

Kann ich den Riester-Anbieter wechseln?

Ja, ein Anbieterwechsel ist gesetzlich erlaubt. Der alte Anbieter darf eine Wechselgebühr verlangen, und beim neuen fallen oft erneut Abschlusskosten an. Rechne deshalb genau nach.

Wie erfahre ich, ob ich alle Zulagen bekommen habe?

Dein Anbieter schickt jährlich eine Bescheinigung mit den gutgeschriebenen Zulagen. Fehlen Zulagen, kannst du sie bis zu zwei Jahre rückwirkend beantragen.

Was passiert mit Riester bei Arbeitslosigkeit?

Wer Arbeitslosengeld bezieht, bleibt meist förderberechtigt. Der Mindesteigenbeitrag richtet sich dann nach den beitragspflichtigen Einnahmen. Melde Änderungen deinem Anbieter.

Wie viele Riester-Verträge gibt es?

Mehrere Millionen, die Zahl sinkt aber seit Jahren. Viele Verträge ruhen inzwischen beitragsfrei.

Bekomme ich Riester-Zulagen auch als Selbstständiger?

Nur, wenn du rentenversicherungspflichtig bist oder über einen förderberechtigten Ehepartner mittelbar gefördert wirst.

Lohnt sich ein neuer Riester-Vertrag noch?

Nur in Ausnahmefällen, etwa für Familien mit mehreren Kindern und kostengünstigem Tarif. Viele Anbieter haben das Neugeschäft eingestellt. Mit Blick auf die geplante Reform warten viele ab.

Wird Riester im Alter versteuert?

Ja, vollständig mit deinem persönlichen Steuersatz, weil die Beiträge gefördert wurden.

Wird Riester auf die Grundsicherung angerechnet?

Nur teilweise. Für Einkünfte aus freiwilliger Altersvorsorge gibt es einen Freibetrag bei der Grundsicherung im Alter.

Was passiert mit Riester im Todesfall?

Das Guthaben kann steuerunschädlich auf einen Riester-Vertrag des Ehepartners übertragen werden. Andere Erben müssen die Förderung zurückzahlen.

Muss ich die Zulage jedes Jahr beantragen?

Mit einem Dauerzulagenantrag beim Anbieter nicht. Änderungen wie Kinder oder ein neuer Familienstand musst du aber melden.

Quellen: Einkommensteuergesetz (§ 10a, §§ 79 ff.), Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz, Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen, Bundesfinanzministerium, Verbraucherzentrale. Beispiel vereinfacht. Keine Anlage- oder Steuerberatung.