Auf einen Blick
- Altersvorsorge in Deutschland ruht auf drei Schichten: Basisversorgung, betriebliche und geförderte Vorsorge, private Vorsorge.
- Die gesetzliche Rente ersetzt nur einen Teil des letzten Einkommens. Von der Bruttorente gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung sowie gegebenenfalls Steuern ab.
- Je früher du anfängst, desto stärker wirkt der Zinseszins – und desto kleiner sind die nötigen Monatsbeträge.
- Für die meisten Angestellten sind ein bezuschusster Betriebsrentenvertrag und ein ETF-Sparplan eine solide Kombination.
- Prüfe jedes Produkt auf Kosten und Flexibilität, bevor du dich jahrzehntelang bindest.
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Dein nächster Zug
- 1
Lücke kennen
Berechne, wie viel dir im Alter voraussichtlich fehlt.
- 2
Förderungen nutzen
Prüfe Arbeitgeberzuschüsse zur bAV und staatliche Zulagen.
- 3
Privat ergänzen
Schließe die verbleibende Lücke mit einem langfristigen ETF-Sparplan.
Schritt 6 von 7 im Finanz-Fahrplan: Fürs Alter vorsorgen.
Ausführlicher Ratgeber11 Min. Lesezeit · 14 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen
Warum private Vorsorge nötig ist
Die gesetzliche Rente funktioniert im Umlageverfahren: Die Beiträge der heutigen Beschäftigten finanzieren die Renten der heutigen Rentner. Weil die Menschen länger leben und geburtenstarke Jahrgänge in Rente gehen, kommen auf jeden Rentner immer weniger Beitragszahler. Die Politik reagiert darauf mit einer Mischung aus höheren Beiträgen, Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt, einem späteren Renteneintritt und einem begrenzten Rentenniveau.
Für dich bedeutet das: Die gesetzliche Rente bleibt ein wichtiges Fundament, doch für den gewohnten Lebensstandard wird sie bei den meisten nicht reichen. Je früher du die Lücke kennst, desto entspannter kannst du sie schließen.
Das 3-Schichten-Modell
| Schicht | Bausteine | Besonderheit |
|---|---|---|
| 1. Basisversorgung | Gesetzliche Rente, Rürup-Rente (Basisrente), berufsständische Versorgungswerke | Lebenslange Rente, kaum Flexibilität, steuerlich gefördert |
| 2. Zusatzversorgung | Betriebliche Altersvorsorge, Riester-Rente | Zuschüsse vom Arbeitgeber bzw. Staat, im Alter steuer- und teils beitragspflichtig |
| 3. Private Vorsorge | ETF-Sparplan, private Rentenversicherung, Immobilien | Keine Förderung, aber volle Flexibilität |
Die Schichten unterscheiden sich vor allem darin, wie stark sie gefördert werden und wie flexibel sie sind. Grundsätzlich gilt: Je mehr Förderung, desto weniger Flexibilität. Eine Rürup-Rente bringt hohe Steuervorteile, ist aber nicht kündbar. Ein ETF-Sparplan bekommt keine Förderung, lässt sich aber jederzeit anpassen oder auflösen.
Die gesetzliche Rente
Angestellte zahlen automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Wie hoch deine Rente voraussichtlich wird, steht in der Renteninformation, die du ab 27 Jahren jährlich von der Deutschen Rentenversicherung bekommst, sofern du mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt hast.
Das sogenannte Rentenniveau liegt derzeit bei rund 48 %. Diese Zahl beschreibt allerdings das Verhältnis einer Standardrente nach 45 Beitragsjahren zum Durchschnittsverdienst – nicht deine persönliche Rente im Verhältnis zu deinem Nettogehalt. Wer weniger Beitragsjahre hat oder über dem Durchschnitt verdient, landet oft deutlich darunter.
So liest du deine Renteninformation
- Rente wegen voller Erwerbsminderung: So viel würdest du heute bekommen, wenn du gar nicht mehr arbeiten könntest – meist deutlich weniger als erwartet.
- Bisher erreichte Rentenanwartschaft: Die Rente, die du ohne weitere Beiträge bekämst.
- Hochgerechnete Rente: Die Rente, wenn du bis zur Regelaltersgrenze weiter wie bisher einzahlst. Die Hochrechnung berücksichtigt keine Inflation und keine Abzüge.
Von der Bruttorente gehen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab, je nach Kasse und Kinderzahl rund 12 bis 13 % (Stand 2026). Ob Steuern anfallen, hängt von deinem Rentenbeginn und deinen sonstigen Einkünften ab. Der steuerpflichtige Anteil der Rente steigt für jeden neuen Rentnerjahrgang.
Die Regelaltersgrenze steigt schrittweise auf 67 Jahre. Für alle, die 1964 oder später geboren sind, gilt sie vollständig. Wer früher in Rente gehen möchte, muss in der Regel Abschläge in Kauf nehmen – 0,3 % pro Monat, den er früher geht.
So berechnest du deine Rentenlücke
- Bedarf schätzen: Viele rechnen mit 70 bis 80 % des heutigen Nettoeinkommens. Wer im Alter mietfrei wohnt, braucht weniger; wer viel reisen möchte, mehr.
- Nettorente ermitteln: Hochgerechnete Rente aus der Renteninformation minus Kranken- und Pflegeversicherung und gegebenenfalls Steuern.
- Inflation berücksichtigen: Die Hochrechnung ist in heutigen Euro, aber ohne künftige Rentenanpassungen. Rechne vereinfacht beides in heutiger Kaufkraft.
- Weitere Einkünfte abziehen: Betriebsrenten, Mieteinnahmen oder bestehende Verträge verringern die Lücke.
Anna verdient heute 2.500 € netto. Im Alter rechnet sie mit 80 % ihres heutigen Bedarfs, also 2.000 €. Laut Renteninformation erwartet sie umgerechnet rund 1.400 € netto. Ihre Lücke beträgt damit 600 € pro Monat – in heutiger Kaufkraft.
Um diese Lücke 25 Jahre lang aus eigenem Vermögen zu schließen, braucht sie zum Rentenbeginn ohne weitere Zinsen 180.000 € (600 € × 12 × 25). Bringt das Vermögen in der Rentenphase noch Rendite, reicht weniger – bei 3 % pro Jahr etwa 125.000 €.
Betriebliche Altersvorsorge
Bei der Entgeltumwandlung zahlst du einen Teil deines Bruttogehalts in einen Betriebsrentenvertrag ein. Das spart Steuern und Sozialabgaben in der Ansparphase. Spart dein Arbeitgeber dadurch selbst Sozialabgaben, muss er in der Regel mindestens 15 % des umgewandelten Betrags dazugeben – viele Arbeitgeber zahlen freiwillig mehr.
Es gibt fünf sogenannte Durchführungswege, etwa die Direktversicherung, die Pensionskasse oder die Unterstützungskasse. Für dich als Angestellten ist vor allem wichtig, welche Kosten der Vertrag hat, wie das Geld angelegt wird und was bei einem Jobwechsel passiert. Meist kannst du den Vertrag zum neuen Arbeitgeber mitnehmen oder beitragsfrei stellen.
Im Alter sind die Auszahlungen steuerpflichtig, und es fallen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an – für Betriebsrenten gilt dabei ein Freibetrag. Ob sich eine bAV lohnt, hängt daher stark von der Höhe des Arbeitgeberzuschusses und den Kosten des Vertrags ab.
Je höher der Arbeitgeberzuschuss, desto eher lohnt sich die bAV. Frag in der Personalabteilung nach, wie viel dein Arbeitgeber dazugibt und welche Kosten der angebotene Vertrag hat.
Riester und Rürup
Die Riester-Rente wird mit Zulagen und Steuervorteilen gefördert. Besonders attraktiv ist sie für Familien mit Kindern und Geringverdiener, weil die Zulagen im Verhältnis zum Eigenbeitrag hoch sind. Viele Verträge leiden aber unter hohen Kosten und niedrigen Renditen, weil die eingezahlten Beiträge zum Rentenbeginn garantiert sein müssen.
Die Rürup-Rente (Basisrente) bietet hohe Steuervorteile in der Ansparphase und richtet sich vor allem an Selbstständige und Gutverdiener mit hoher Steuerlast. Sie ist nicht kündbar, nur eingeschränkt vererbbar und wird ausschließlich als lebenslange Rente ausgezahlt.
Stand prüfen: Die Bundesregierung plant eine Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Vor Veröffentlichung den aktuellen Gesetzesstand ergänzen.
Private Vorsorge mit ETFs
Ein ETF-Sparplan auf einen weltweiten Aktienindex ist für viele die flexibelste Form der Altersvorsorge: niedrige Kosten, breite Streuung, jederzeit verfügbar. Dafür gibt es keine Förderung, und die Schwankungen musst du aushalten.
Ab einem Alter von etwa 50 bis 55 Jahren ist es sinnvoll, den Aktienanteil schrittweise zu senken, damit ein Börsencrash kurz vor Rentenbeginn nicht den Plan durchkreuzt. In der Rentenphase kannst du das Depot über einen Entnahmeplan schrittweise auflösen.
Wer ab 25 jeden Monat 150 € anlegt, zahlt bis 67 insgesamt 75.600 € ein. Bei angenommenen 6 % Rendite pro Jahr können daraus rund 325.000 € werden. Wer erst mit 40 beginnt, braucht für dasselbe Ziel rund 410 € im Monat. Vor Steuern und Kosten, ohne Garantie.
Besonderheiten für Selbstständige und Beamte
Selbstständige sind meist nicht pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung – Ausnahmen gelten etwa für Handwerker, Lehrer oder Künstler über die Künstlersozialkasse. Für alle anderen gilt: Die Altersvorsorge liegt vollständig in der eigenen Verantwortung. Bewährt hat sich eine Kombination aus Rürup-Rente für den Steuervorteil, einem ETF-Sparplan für Flexibilität und einem ausreichend großen Notgroschen, der auch schwache Geschäftsjahre überbrückt. Freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung sind ebenfalls möglich. Stand prüfen: Eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige ist politisch in Diskussion.
Beamte erhalten eine Pension, die in der Regel deutlich höher ausfällt als eine durchschnittliche gesetzliche Rente. Sie ist allerdings voll steuerpflichtig, und Beamte müssen sich im Alter weiterhin privat krankenversichern. Eine Lücke entsteht vor allem bei Teilzeit, späterem Einstieg oder Wechsel aus der Privatwirtschaft.
Die Rentenphase planen
Altersvorsorge endet nicht mit dem Renteneintritt. In der Auszahlungsphase stellen sich neue Fragen: Wie viel kannst du jedes Jahr entnehmen, ohne dass das Geld zu früh aufgebraucht ist? Eine verbreitete Orientierung ist die 4-Prozent-Regel: Im ersten Rentenjahr werden 4 % des Vermögens entnommen, danach wird der Betrag an die Inflation angepasst. Historisch reichte das in den meisten Fällen für 30 Jahre. Weil niemand weiß, wie lange er lebt und wie sich die Märkte entwickeln, ist eine flexible Entnahme, die in schlechten Börsenjahren etwas geringer ausfällt, oft robuster.
Viele kombinieren deshalb drei Töpfe: Geld für die nächsten ein bis zwei Jahre auf Tagesgeld, Geld für die mittlere Frist in Anleihen und den Rest langfristig in Aktien. So musst du in einem Crash keine Aktien verkaufen, um deinen Alltag zu bezahlen.
Welche Kombination passt zu wem?
| Situation | Sinnvolle Bausteine |
|---|---|
| Angestellt, Arbeitgeber zahlt bAV-Zuschuss | bAV bis zur Höhe des Zuschusses, darüber hinaus ETF-Sparplan |
| Familie mit mehreren Kindern | Geförderte Vorsorge (Stand prüfen), ETF-Sparplan |
| Selbstständig ohne Pflichtversicherung | Rürup-Rente und ETF-Sparplan, Rücklagen für schlechte Jahre |
| Berufseinsteiger | Erst Notgroschen, dann ETF-Sparplan; bAV prüfen, sobald möglich |
| Kurz vor der Rente | Aktienanteil senken, Entnahmeplan vorbereiten, Rentenbeginn durchrechnen |
Was du in welchem Alter tun solltest
- 20 bis 30: Notgroschen aufbauen, ETF-Sparplan starten, bAV-Angebot des Arbeitgebers prüfen, Berufsunfähigkeit absichern. Kleine Beträge haben jetzt die größte Wirkung.
- 30 bis 45: Sparrate mit dem Einkommen steigern, Rentenlücke berechnen, bei Familie an Risikoleben und eine faire Verteilung der Vorsorge zwischen den Partnern denken.
- 45 bis 55: Kassensturz machen, Lücken schließen, die Renteninformation genau prüfen und Versicherungszeiten klären.
- Ab 55: Aktienanteil schrittweise senken, Rentenbeginn und mögliche Abschläge durchrechnen, Auszahlungsstrategie planen.
Typische Fehler
- Zu spät anfangen: Zehn Jahre Verzögerung kosten oft mehr, als spätere Höchstbeiträge ausgleichen können.
- Kosten ignorieren: 1 % mehr Kosten pro Jahr kann über 30 Jahre ein Viertel des Endvermögens auffressen.
- Unflexible Verträge zu früh abschließen: Wer mit 25 einen Vertrag für 40 Jahre unterschreibt, sollte wissen, was er tut.
- Die Partnerin oder den Partner vergessen: Wer Kinder betreut, baut weniger Rente auf. Das sollte das Paar gemeinsam ausgleichen.
Begriffe kurz erklärt
- Entgeltpunkte
- Grundlage der gesetzlichen Rente. Wer ein Jahr lang genau das Durchschnittsentgelt verdient, erhält einen Entgeltpunkt.
- Aktueller Rentenwert
- Der Euro-Betrag, den ein Entgeltpunkt als Monatsrente bringt. Er wird jährlich angepasst.
- Regelaltersgrenze
- Alter, ab dem du ohne Abschläge in Rente gehen kannst – für Jahrgänge ab 1964 mit 67 Jahren.
- Entgeltumwandlung
- Teile des Bruttogehalts fließen direkt in die betriebliche Altersvorsorge.
- Nachgelagerte Besteuerung
- Beiträge sind in der Ansparphase steuerlich begünstigt, die Auszahlung wird im Alter versteuert.
- Erwerbsminderungsrente
- Gesetzliche Rente bei stark eingeschränkter Arbeitsfähigkeit. Fällt meist deutlich niedriger aus als das bisherige Einkommen.
Häufige Fragen
Ab wann sollte ich mit der Altersvorsorge anfangen?
So früh wie möglich, sobald dein Notgroschen steht. Wer mit 25 statt mit 40 beginnt, braucht wegen des Zinseszinses deutlich kleinere Monatsbeträge für dasselbe Ziel.
Reicht die gesetzliche Rente nicht?
Für die meisten nicht, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Wie groß deine Lücke ist, zeigt die Rechnung oben.
Wo finde ich meine Renteninformation?
Sie kommt jährlich per Post, sobald du 27 bist und mindestens fünf Beitragsjahre hast. Du kannst sie auch online bei der Deutschen Rentenversicherung abrufen.
Was passiert mit meiner Betriebsrente bei einem Jobwechsel?
Ansprüche aus Entgeltumwandlung gehören dir sofort. Du kannst den Vertrag in der Regel zum neuen Arbeitgeber mitnehmen, privat weiterführen oder beitragsfrei ruhen lassen. Ansprüche aus reinen Arbeitgeberbeiträgen sind nach einer gesetzlichen Mindestfrist unverfallbar.
Zählt Kindererziehung für die Rente?
Ja. Für Kinder, die ab 1992 geboren wurden, werden bis zu drei Jahre Kindererziehungszeit angerechnet, als hätte der erziehende Elternteil in dieser Zeit durchschnittlich verdient. Für ältere Kinder gelten andere Regeln. Prüfe in deinem Versicherungsverlauf, ob die Zeiten erfasst sind.
Ist eine Immobilie eine gute Altersvorsorge?
Eine abbezahlte selbstgenutzte Immobilie senkt die Wohnkosten im Alter deutlich. Sie bindet aber viel Kapital und ist schwer teilbar. Mehr dazu im Ratgeber zu Geldanlage-Möglichkeiten.
Quellen: Deutsche Rentenversicherung (Renteninformation, Regelaltersgrenze, Abschläge, Rentenniveau), Betriebsrentengesetz (§ 1a Arbeitgeberzuschuss), Verbraucherzentrale. Beispiele stark vereinfacht, mit monatlicher Verzinsung. Keine Anlage- oder Rentenberatung.