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Rürup-Rente: Für wen sie sich lohnt

Die Rürup-Rente, offiziell Basisrente, ist vor allem für Selbstständige und Gutverdienende interessant: Die Beiträge lassen sich fast vollständig von der Steuer absetzen. Dafür ist das Geld bis zur Rente fest gebunden und kann nur als lebenslange Rente ausgezahlt werden. Hier erfährst du, wie die Basisrente funktioniert und wann sie sich rechnet.

Dein FahrplanSchritt 6 von 7: Fürs Alter vorsorgen

Auf einen Blick

  1. Beiträge zur Rürup-Rente sind seit 2023 bis zum Höchstbetrag zu 100 % als Sonderausgaben absetzbar.
  2. Im Alter wird die Rente wie die gesetzliche Rente nach dem Besteuerungsanteil des Rentenjahrgangs versteuert.
  3. Keine Kapitalauszahlung, nicht kündbar, nicht beleihbar und nur eingeschränkt vererbbar.
  4. Sie lohnt sich vor allem bei hohem Steuersatz heute, niedrigem Steuersatz im Alter und einem kostengünstigen Tarif.
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10.000 € einzahlen, 5.800 € selbst tragenSelbstständige mit 42 % Grenzsteuersatz
5.800 €4.200 €
  • Netto selbst getragen: 5.800 €
  • Steuerersparnis: 4.200 €

Ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Im Alter wird die Rente versteuert.

Deine Strategie in drei Zügen

Dein nächster Zug

  1. 1

    Steuersatz prüfen

    Lohnt sich der Abzug bei deinem Grenzsteuersatz?

  2. 2

    Günstigen Tarif wählen

    Achte auf Nettotarife mit ETFs und niedrigen Kosten.

  3. 3

    Flexibel einzahlen

    Nutze den Höchstbetrag in guten Jahren gezielt.

Schritt 6 von 7 im Finanz-Fahrplan: Fürs Alter vorsorgen.

Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 11 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen

Was ist die Rürup-Rente?

Die Basisrente wurde 2005 eingeführt und nach dem Ökonomen Bert Rürup benannt. Sie ist die erste von drei Schichten der Altersvorsorge, gemeinsam mit der gesetzlichen Rente und berufsständischen Versorgungswerken. Damit folgt sie denselben Regeln: Die Beiträge sind steuerlich begünstigt, die Rente wird später versteuert.

Ursprünglich war sie als Altersvorsorge für Selbstständige gedacht, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Abschließen kann sie aber jeder, auch Angestellte und Beamte.

Der Steuervorteil in der Ansparphase

Beiträge zur Basisrente gelten als Sonderausgaben für die Altersvorsorge. Seit 2023 sind sie bis zum Höchstbetrag vollständig absetzbar. Der Höchstbetrag ist an den Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung gekoppelt und lag 2025 bei 29.344 € für Alleinstehende und dem Doppelten für Ehepaare. Höchstbetrag 2026 einsetzen.

Wichtig für Angestellte: Auf den Höchstbetrag werden die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung angerechnet, inklusive des Arbeitgeberanteils. Für Angestellte mit hohem Einkommen bleibt deshalb weniger Spielraum als für Selbstständige.

Rechenbeispiel

Eine Selbstständige mit einem Grenzsteuersatz von 42 % zahlt 10.000 € im Jahr in eine Basisrente. Sie kann die vollen 10.000 € absetzen und spart rund 4.200 € Einkommensteuer, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Netto kostet sie die Einzahlung also nur rund 5.800 €.

Die Besteuerung im Alter

Die Rente aus der Basisrente wird wie die gesetzliche Rente nachgelagert besteuert. Der steuerpflichtige Anteil hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab: Wer 2026 in Rente geht, versteuert 84 %. Der Anteil steigt für spätere Jahrgänge schrittweise auf 100 %. Wer in den 2040er-Jahren in Rente geht, versteuert also fast die gesamte Rente.

Ob sich die Basisrente lohnt, entscheidet vor allem der Unterschied zwischen dem Steuersatz heute und im Alter. Liegt der Steuersatz in der Rente deutlich niedriger, bleibt ein echter Vorteil. Sind beide ähnlich hoch, schrumpft der Vorteil auf die Steuerstundung.

Die Einschränkungen

RegelWas das bedeutet
Nur lebenslange RenteKeine Auszahlung des Kapitals auf einmal, außer bei Kleinbetragsrenten
Frühester Beginn mit 62Gilt für Verträge ab 2012
Nicht kündbarDu kannst nur die Beiträge stoppen, nicht an das Geld
Nicht beleihbar, nicht übertragbarDas Kapital ist fest für die Rente bestimmt
Eingeschränkt vererbbarNur Ehepartner und kindergeldberechtigte Kinder können über eine Hinterbliebenenrente profitieren

Ein Vorteil dieser Strenge: Das angesparte Kapital ist im Fall einer Privatinsolvenz und beim Bezug von Bürgergeld weitgehend geschützt. Für Selbstständige mit unternehmerischem Risiko kann das ein wichtiges Argument sein.

Klassisch, fondsgebunden oder mit ETFs?

Basisrenten gibt es als klassische Versicherung mit Garantiezins, als fondsgebundene Versicherung und als Fondssparplan bei Fondsgesellschaften. Wegen der langen Laufzeit sind fondsgebundene Varianten mit kostengünstigen ETFs für die meisten interessanter. Entscheidend sind die Kosten: Wie bei der ETF-Rentenversicherung machen Abschluss- und Verwaltungskosten oft den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Vertrag aus. Nettotarife ohne Provision sind deutlich günstiger.

Für wen sich die Rürup-Rente lohnt

  • Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherung mit gutem Einkommen und einem Grenzsteuersatz über 35 %.
  • Gutverdienende kurz vor der Rente, die in wenigen Jahren hohe Beiträge steuerlich geltend machen und mit niedrigerem Steuersatz im Alter rechnen.
  • Menschen mit Abfindung: Eine Einzahlung im selben Jahr kann die Steuerlast deutlich senken.
  • Weniger geeignet für Geringverdienende, junge Menschen mit unsicherer Lebensplanung und alle, die Flexibilität brauchen.

Rürup oder ETF-Depot?

Ein eigenes ETF-Depot ist flexibler, vererbbar und kostengünstig, bietet aber keinen Steuerabzug. Die Basisrente bringt heute einen spürbaren Steuervorteil, bindet das Geld aber dauerhaft. Viele Selbstständige kombinieren beides: Ein Teil fließt in die Basisrente, um die Steuerlast zu senken, der Rest bleibt flexibel im Depot. Den Überblick über alle Bausteine gibt unser Ratgeber Altersvorsorge-Möglichkeiten.

Beispielrechnung über die gesamte Laufzeit

Selbstständiger, 45 Jahre, zahlt 20 Jahre lang 6.000 € pro Jahr

Bei einem Grenzsteuersatz von 40 % spart er jedes Jahr rund 2.400 € Steuern. Netto kostet ihn die Einzahlung also 3.600 € pro Jahr, zusammen 72.000 €. Bei einem kostengünstigen ETF-Tarif und 5 % Rendite nach Kosten wächst das Kapital auf rund 198.000 €. Bei einem Rentenfaktor von 30 ergibt das eine monatliche Rente von rund 590 €. Rentenbeginn ist 2046, dann sind 94 % der Rente steuerpflichtig.

Liegt sein Steuersatz im Alter bei 25 %, bleiben ihm netto rund 450 € im Monat, vor Kranken- und Pflegeversicherung, falls er freiwillig versichert ist. Er bräuchte rund 13 Jahre Rentenbezug, um seinen Nettoaufwand von 72.000 € zurückzubekommen, ohne Zinsen.

Die Rechnung zeigt: Die Rürup-Rente lohnt sich vor allem, wenn der Steuervorteil heute groß ist und du lange Rente beziehst.

Typische Fehler

  • Nur auf den Steuervorteil schauen: Auch die spätere Besteuerung und die Kosten gehören in die Rechnung.
  • Zu hohe Beiträge vereinbaren: Plane mit flexiblen Beiträgen, damit schwache Jahre den Vertrag nicht gefährden.
  • Teuren Tarif wählen: Abschlusskosten von mehreren Tausend Euro zehren einen großen Teil des Steuervorteils auf.

Begriffe kurz erklärt

Basisrente
Offizieller Name der Rürup-Rente, staatlich geförderte private Rentenversicherung der ersten Schicht.
Sonderausgaben
Private Ausgaben, die das zu versteuernde Einkommen mindern, etwa Vorsorgeaufwendungen.
Besteuerungsanteil
Prozentsatz der Rente, der versteuert werden muss, abhängig vom Jahr des Rentenbeginns.
Grenzsteuersatz
Steuersatz auf den zuletzt verdienten Euro. Er bestimmt die Steuerersparnis durch Sonderausgaben.
Hinterbliebenenrente
Rente für Ehepartner oder Kinder nach dem Tod des Versicherten.

Häufige Fragen

Kann ich in einem Jahr besonders viel einzahlen?

Ja, bis zum Höchstbetrag. Das ist interessant in Jahren mit hohem Einkommen, etwa bei einer Abfindung oder einem sehr guten Geschäftsjahr. So senkst du die Steuerlast gezielt.

Gibt es bei Rürup eine Beitragsgarantie?

Nein, eine Garantie ist nicht vorgeschrieben. Viele fondsgebundene Tarife verzichten darauf, was langfristig höhere Renditechancen ermöglicht.

Wird die Rürup-Rente auf die Grundsicherung angerechnet?

Für Einkünfte aus freiwilliger Altersvorsorge gilt ein Freibetrag bei der Grundsicherung im Alter. Darüber hinaus wird die Rente angerechnet.

Kann ich den Rentenbeginn verschieben?

Bei vielen Tarifen ja. Ein späterer Beginn erhöht die monatliche Rente. Prüfe die Bedingungen deines Vertrags.

Kann ich Beiträge flexibel zahlen?

Bei vielen Tarifen ja. Du kannst laufend einzahlen, Zuzahlungen leisten oder pausieren. Das ist für Selbstständige mit schwankendem Einkommen praktisch.

Was passiert bei meinem Tod vor Rentenbeginn?

Ohne vereinbarte Hinterbliebenenleistung verfällt das Kapital zugunsten der Versichertengemeinschaft. Mit Hinterbliebenenschutz erhalten Ehepartner oder Kinder eine Rente.

Kann ich einen Rürup-Vertrag wechseln?

Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter ist meist nur eingeschränkt oder mit Kosten möglich. Wähle deshalb von Anfang an einen kostengünstigen Tarif.

Muss ich auf die Rürup-Rente Krankenkassenbeiträge zahlen?

Pflichtversicherte Rentner zahlen auf private Renten wie die Rürup-Rente in der Regel keine Beiträge. Freiwillig Versicherte müssen dagegen auf alle Einkünfte Beiträge zahlen.

Lohnt sich Rürup für Beamte?

Selten. Beamte zahlen zwar nicht in die Rentenversicherung ein, ihr Höchstbetrag wird aber um einen fiktiven Beitrag gekürzt. Zudem ist ihre Versorgung im Alter meist gut.

Quellen: Einkommensteuergesetz (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 b, § 10 Abs. 3, § 22 Nr. 1), Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz, Bundesfinanzministerium, Verbraucherzentrale. Rechenbeispiel vereinfacht. Keine Steuer- oder Anlageberatung.