Auf einen Blick
- Grundregel: Versichere, was dich finanziell ruinieren könnte. Kleine Schäden zahlst du selbst.
- Meist überflüssig: Handy-, Glas-, Brillen-, Reisegepäck- und Sterbegeldversicherung sowie Garantieverlängerungen.
- Restschuld- und Kapitallebensversicherungen nicht vorschnell kündigen, sondern erst prüfen.
- Kündige erst, wenn wichtige Lücken wie Haftpflicht oder Berufsunfähigkeit geschlossen sind.
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Dein nächster Zug
- 1
Ordner durchgehen
Lege alle Policen mit Beitrag und Kündigungsfrist nebeneinander.
- 2
Lücken zuerst schließen
Haftpflicht und Berufsunfähigkeit haben Vorrang vor jedem Kleinkram.
- 3
Gezielt kündigen
Kündige Verträge für Schäden, die du selbst zahlen könntest, und investiere die Ersparnis.
Schritt 4 von 7 im Finanz-Fahrplan: Existenzrisiken absichern.
Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 10 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen
Die Grundregel: Existenz statt Kleinkram
Eine Versicherung lohnt sich, wenn ein Schaden so groß sein kann, dass du ihn nicht aus eigener Tasche bezahlen könntest. Eine Haftpflichtforderung über eine Million Euro oder der Verlust der Arbeitskraft gehören dazu. Ein kaputtes Handy, eine gesprungene Ceranfeldplatte oder ein verlorener Koffer gehören nicht dazu.
Versicherer kalkulieren so, dass sie im Schnitt mehr Beiträge einnehmen, als sie auszahlen. Bei kleinen Risiken fährst du deshalb fast immer besser, wenn du den Beitrag selbst zurücklegst. Dein Notgroschen ist die beste Versicherung für Kleinschäden.
Diese Versicherungen sind meist überflüssig
| Versicherung | Warum meist unnötig | Ausnahme |
|---|---|---|
| Handyversicherung | Hohe Beiträge, viele Ausschlüsse, oft hohe Selbstbeteiligung | Kaum eine |
| Glasversicherung | Schäden an Fenstern oder Ceranfeld sind selten und bezahlbar | Sehr große Glasflächen oder Wintergarten |
| Brillenversicherung | Beitrag und Selbstbeteiligung übersteigen meist den Nutzen | Keine |
| Reisegepäckversicherung | Viele Ausschlüsse, Diebstahl teils über die Hausrat abgedeckt | Teure Ausrüstung auf längeren Reisen |
| Garantieverlängerung | Gesetzliche Gewährleistung gilt ohnehin zwei Jahre | Keine |
| Sterbegeldversicherung | Oft zahlst du mehr ein, als später ausgezahlt wird | Ältere Menschen ohne andere Rücklagen |
| Insassenunfallversicherung | Mitfahrende sind über die Kfz-Haftpflicht abgesichert | Keine |
| Mietkautionsversicherung | Laufende Gebühren statt einmaliger Kaution, Geld ist weg | Kurzfristig fehlendes Kapital beim Umzug |
Prüfen statt kündigen: Die Grauzone
Einige Versicherungen sind nicht grundsätzlich überflüssig, werden aber oft unpassend verkauft. Hier lohnt sich ein genauer Blick, bevor du kündigst.
- Restschuldversicherung: Wird oft mit Ratenkrediten verkauft und ist teuer. Läuft der Kredit noch, prüfe die Kosten und die Bedingungen. Familien mit einem Hauptverdiener sind mit einer Risikolebensversicherung meist günstiger abgesichert.
- Private Unfallversicherung: Sie zahlt nur bei Unfällen, nicht bei Krankheit. Wer berufstätig ist, braucht zuerst eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Für Kinder, Selbstständige ohne BU oder Menschen, die keine BU bekommen, kann sie eine Ergänzung sein.
- Kapitallebensversicherung: Ältere Verträge haben oft einen hohen Garantiezins. Eine Kündigung bringt meist Verluste. Prüfe, ob eine Beitragsfreistellung die bessere Lösung ist.
- Reiserücktrittsversicherung: Bei teuren Reisen, die lange im Voraus gebucht werden, sinnvoll. Für den günstigen Kurztrip meist nicht.
- Rechtsschutzversicherung: Für manche Menschen wertvoll, etwa bei Streit mit dem Arbeitgeber. Prüfe genau, welche Bereiche abgedeckt sind und wie hoch die Selbstbeteiligung ist.
Was du dagegen wirklich brauchst
Bevor du kündigst, schau, ob die wichtigen Policen vorhanden sind. Erst schließen, dann aufräumen.
- Privathaftpflicht – für jeden, oft für weniger als 100 € im Jahr. Unser Haftpflicht-Vergleich zeigt, worauf es ankommt.
- Berufsunfähigkeitsversicherung – für alle, die von ihrem Arbeitseinkommen leben.
- Krankenversicherung – gesetzlich vorgeschrieben.
- Kfz-Haftpflicht – Pflicht für jedes Auto.
- Risikolebensversicherung – wenn Familie oder ein Kredit von deinem Einkommen abhängen.
Einen vollständigen Überblick gibt unser Ratgeber Welche Versicherungen brauche ich?
So viel kannst du sparen
Handyversicherung 9 € im Monat, Glasversicherung 6 €, Brillenversicherung 4 €, Reisegepäck 5 €, Sterbegeld 18 €: zusammen 42 € im Monat oder 504 € im Jahr. Fließt dieses Geld stattdessen 20 Jahre lang in einen ETF-Sparplan, kommen bei angenommenen 5 % Rendite pro Jahr rund 17.000 € zusammen.
So kündigst du richtig
- Verträge sammeln: Lege alle Policen mit Beitrag, Laufzeit und Kündigungsfrist nebeneinander.
- Fristen prüfen: Die meisten Verträge laufen ein Jahr und verlängern sich automatisch. Die Kündigungsfrist beträgt meist drei Monate vor Ablauf.
- Sonderkündigungsrecht nutzen: Nach einer Beitragserhöhung oder einem Schadensfall kannst du oft außerordentlich kündigen.
- Schriftlich kündigen: Per Brief, E-Mail oder über den Kündigungsbutton auf der Website des Versicherers. Bitte um eine schriftliche Bestätigung.
- Lastschrift prüfen: Kontrolliere nach dem Vertragsende, dass keine Beiträge mehr abgebucht werden.
Seit Juli 2022 müssen Anbieter, die Verträge online abschließen lassen, auch einen gut sichtbaren Kündigungsbutton anbieten. Das macht das Aufräumen deutlich leichter.
Typische Fallen beim Kündigen
- Bündelverträge: Wer mehrere Versicherungen in einem Paket hat, verliert beim Kündigen eines Teils manchmal einen Rabatt. Rechne nach, ob sich die Kündigung trotzdem lohnt.
- Zu früh kündigen: Eine neue Versicherung, etwa eine BU, sollte stehen, bevor du die alte kündigst. Sonst entsteht eine Lücke, und eine erneute Gesundheitsprüfung kann scheitern.
- Doppelversicherung übersehen: Manchmal ist ein Risiko schon über die Kreditkarte, den Automobilclub oder die Hausrat abgedeckt. Dann ist der Zusatzvertrag doppelt unnötig.
Der Versicherungs-Check in 30 Minuten
Nimm dir einmal im Jahr eine halbe Stunde Zeit und geh deinen Versicherungsordner mit diesen Fragen durch:
- Könnte ich den Schaden selbst bezahlen? Wenn ja, ist die Versicherung ein Kandidat für die Kündigung.
- Ist das Risiko schon woanders abgedeckt? Prüfe Kreditkarte, Hausrat, Automobilclub und Arbeitgeber.
- Passt der Vertrag noch zu meinem Leben? Nach Umzug, Heirat oder Jobwechsel ändern sich die Anforderungen.
- Ist der Beitrag marktgerecht? Ein Vergleich zeigt, ob du für die gleiche Leistung zu viel zahlst.
- Fehlt etwas Wichtiges? Haftpflicht und BU haben immer Vorrang vor Kleinkram.
Notiere dir das Ergebnis und die nächsten Kündigungstermine. So wird aus dem Aufräumen eine Routine, die jedes Jahr Geld spart.
Begriffe kurz erklärt
- Selbstbeteiligung
- Betrag, den du im Schadensfall selbst trägst, bevor die Versicherung zahlt.
- Sonderkündigungsrecht
- Recht, einen Vertrag außerhalb der normalen Frist zu kündigen, etwa nach einer Beitragserhöhung.
- Beitragsfreistellung
- Der Vertrag läuft ohne weitere Beiträge weiter, die Leistung sinkt entsprechend.
- Gewährleistung
- Gesetzliche Pflicht des Händlers, für Mängel einzustehen, die beim Kauf schon vorhanden waren. Sie gilt zwei Jahre.
- Restschuldversicherung
- Versicherung, die die Raten eines Kredits übernimmt, etwa bei Tod, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit.
Häufige Fragen
Sind Pflegezusatzversicherungen unnötig?
Nicht pauschal. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Kosten. Ob eine Zusatzversicherung sinnvoll ist, hängt von Alter, Vermögen und Familie ab und sollte genau geprüft werden.
Ist ein Schutzbrief für das Auto nötig?
Oft nicht, wenn du bereits Mitglied in einem Automobilclub bist oder deine Kfz-Versicherung einen Schutzbrief enthält. Prüfe, ob du doppelt zahlst.
Ist eine Fahrradversicherung sinnvoll?
Bei teuren Rädern und E-Bikes kann sie sich lohnen. Prüfe aber zuerst, ob deine Hausratversicherung Fahrraddiebstahl gegen einen kleinen Aufpreis abdeckt. Das ist oft günstiger.
Ist eine Hausratversicherung unnötig?
Nicht grundsätzlich. Wer wertvolle Möbel, Technik oder Fahrräder besitzt, kann einen Brand oder Einbruch kaum selbst bezahlen. Wer nur wenig besitzt, etwa Studierende im WG-Zimmer, braucht sie oft nicht.
Kann ich eine Restschuldversicherung kündigen, wenn der Kredit noch läuft?
Meist ja. Ein Teil des Einmalbeitrags wird dann erstattet. Prüfe vorher im Kreditvertrag, ob die Bank die Versicherung zur Bedingung gemacht hat.
Brauchen Kinder eine Unfallversicherung?
Kinder sind in Kita und Schule gesetzlich unfallversichert, in der Freizeit aber nicht. Eine Kinderinvaliditätsversicherung, die auch bei Krankheit zahlt, ist die bessere, aber teurere Lösung.
Wann ist eine Reiserücktrittsversicherung sinnvoll?
Bei teuren und lange im Voraus gebuchten Reisen, etwa einer Fernreise mit Familie. Schau, ob deine Kreditkarte diesen Schutz bereits enthält.
Was mache ich mit einer alten Kapitallebensversicherung?
Nicht vorschnell kündigen. Lass dir den Rückkaufswert und die Leistung bei Beitragsfreistellung nennen und vergleiche beides mit dem Weiterführen.
Muss ich eine Kündigung begründen?
Nein, bei einer ordentlichen Kündigung zum Vertragsende brauchst du keinen Grund. Nur für eine Sonderkündigung nennst du den Anlass.
Quellen: Verbraucherzentrale, Bund der Versicherten, Stiftung Warentest Finanztest, Versicherungsvertragsgesetz, Bürgerliches Gesetzbuch (§ 312k Kündigungsbutton, § 438 Gewährleistung). Beispiel gerundet. Keine Versicherungsberatung.