Auf einen Blick
- Die BU zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst.
- Häufigste Ursachen sind psychische Erkrankungen und Erkrankungen von Rücken und Gelenken – nicht Unfälle.
- Die BU-Rente sollte etwa 70 bis 80 % deines Nettoeinkommens abdecken und bis zum Rentenbeginn laufen.
- Je jünger und gesünder du beim Abschluss bist, desto günstiger und leichter bekommst du sie.
Buchtipps
AnzeigeDas einzige Buch, das Sie über Finanzen lesen sollten
Locker geschrieben von den Finanzfluss-Gründern: Budget, Notgroschen, ETFs und Altersvorsorge in einem Buch.
Bei Amazon ansehen*Madame Moneypenny
Praxisnah und ermutigend: wie du Budget, Notgroschen und Geldanlage selbst in die Hand nimmst.
Bei Amazon ansehen*
* Affiliate-Link zu Amazon. Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.
Faustregel: 70 bis 80 % des Nettoeinkommens, bis zum Rentenbeginn.
Dein nächster Zug
- 1
Gesundheit dokumentieren
Sammle Arztberichte, bevor du Gesundheitsfragen beantwortest.
- 2
Rente bemessen
Sichere rund 70 bis 80 % deines Nettoeinkommens ab.
- 3
Früh abschließen
Je jünger und gesünder du bist, desto günstiger der Beitrag.
Schritt 4 von 7 im Finanz-Fahrplan: Existenzrisiken absichern.
Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 12 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen
Warum die BU so wichtig ist
Stell dir vor, du kannst wegen einer Krankheit dauerhaft nicht mehr in deinem Beruf arbeiten. Miete, Lebenshaltung und vielleicht ein Kredit laufen weiter, dein Einkommen aber nicht. Die gesetzliche Absicherung hilft nur begrenzt: Die Erwerbsminderungsrente gibt es in voller Höhe nur, wenn du weniger als drei Stunden täglich irgendeine Arbeit ausüben kannst – nicht nur deinen bisherigen Beruf. Und selbst die volle Erwerbsminderungsrente liegt meist deutlich unter dem bisherigen Einkommen.
Einen gesetzlichen Berufsschutz, wie es ihn früher gab, haben nur noch Menschen, die vor 1961 geboren sind. Die Lücke zwischen bisherigem Einkommen und staatlicher Leistung kann existenzbedrohend sein. Genau hier setzt die private Berufsunfähigkeitsversicherung an.
Warum Menschen berufsunfähig werden
Viele denken bei Berufsunfähigkeit an Unfälle. Tatsächlich sind sie nur für einen kleinen Teil der Fälle verantwortlich. Nach Angaben der Versicherer sind psychische Erkrankungen wie Depressionen und Burn-out die häufigste Ursache, gefolgt von Erkrankungen des Bewegungsapparats sowie Krebs. Das betrifft Bürojobs genauso wie körperliche Berufe.
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Als Faustregel sollte die BU-Rente etwa 70 bis 80 % deines Nettoeinkommens abdecken. Bedenke dabei: Die BU-Rente aus einem privaten Vertrag ist nur mit einem Ertragsanteil steuerpflichtig, du musst aber weiter Krankenversicherung zahlen und möchtest idealerweise auch noch für das Alter vorsorgen können.
Lea verdient 2.600 € netto. Eine BU-Rente von 1.800 bis 2.000 € im Monat würde ihren Lebensstandard im Ernstfall weitgehend sichern. Wer weniger versichert, hat später im Leistungsfall eine Lücke; die Nachversicherungsgarantie hilft, die Rente bei steigendem Einkommen anzupassen.
Worauf es im Vertrag ankommt
- Verzicht auf abstrakte Verweisung: Der Versicherer darf dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch noch ausüben könntest.
- Laufzeit bis zum Rentenbeginn: Idealerweise bis 65 oder 67. Kürzere Laufzeiten sind günstiger, lassen aber eine Lücke.
- Nachversicherungsgarantie: Erhöhung der Rente ohne neue Gesundheitsprüfung bei Ereignissen wie Heirat, Geburt oder Gehaltssprung.
- Prognosezeitraum von sechs Monaten: Die Leistung beginnt, wenn die Berufsunfähigkeit voraussichtlich sechs Monate andauert.
- Rückwirkende Leistung: Auch bei verspäteter Meldung zahlt der Versicherer ab Beginn der Berufsunfähigkeit.
- Leistungsdynamik: Die Rente steigt im Leistungsfall jährlich, um die Inflation auszugleichen.
- Weltweiter Schutz und Verzicht auf Arztanordnungsklauseln.
Die Gesundheitsfragen
Vor dem Abschluss fragt der Versicherer nach deiner Gesundheit, meist für die letzten drei bis zehn Jahre. Beantworte alle Fragen vollständig und ehrlich, auch scheinbar harmlose Behandlungen. Verschwiegene Erkrankungen können dazu führen, dass der Versicherer im Leistungsfall vom Vertrag zurücktritt.
Bei Vorerkrankungen kann ein unabhängiger Berater anonym bei mehreren Versicherern anfragen, zu welchen Bedingungen sie dich versichern würden. So vermeidest du Ablehnungen, die bei späteren Anträgen abgefragt werden.
Hol dir vor dem Antrag deine Patientenakte oder eine Auflistung der abgerechneten Leistungen bei deiner Krankenkasse. So vermeidest du, Behandlungen zu vergessen.
Was kostet eine BU?
Der Beitrag hängt von Beruf, Eintrittsalter, Gesundheit, Rentenhöhe und Laufzeit ab. Für körperlich arbeitende Menschen ist er deutlich höher als für Bürojobs. Auch Hobbys wie Motorsport oder Klettern können eine Rolle spielen. Je früher du abschließt, desto günstiger ist der Beitrag – oft schon in der Ausbildung oder im Studium.
Achte auf den Unterschied zwischen Brutto- und Zahlbeitrag: Viele Versicherer verrechnen Überschüsse und verlangen zunächst einen niedrigeren Zahlbeitrag. Dieser kann steigen, maximal bis zum Bruttobeitrag.
Wenn keine BU möglich ist
- Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Leistet erst, wenn du kaum noch irgendeine Tätigkeit ausüben kannst.
- Grundfähigkeitsversicherung: Zahlt beim Verlust bestimmter Fähigkeiten wie Sehen, Gehen oder Greifen. Psychische Erkrankungen sind meist nicht oder nur eingeschränkt abgedeckt.
- Dread-Disease-Versicherung: Zahlt eine Einmalsumme bei bestimmten schweren Krankheiten.
- Mehr Vermögen aufbauen: Ein großer Notgroschen und Vermögen können einen Teil des Risikos abfedern, aber selten vollständig.
Der Leistungsfall: So läuft der Antrag
- Frühzeitig melden: Informiere den Versicherer, sobald absehbar ist, dass du länger nicht arbeiten kannst.
- Unterlagen zusammenstellen: Arztberichte, Befunde, eine genaue Beschreibung deines Berufsalltags mit Tätigkeiten und Zeitanteilen.
- Fragebogen ausfüllen: Der Versicherer schickt umfangreiche Fragebögen. Nimm dir Zeit und lass dich bei Bedarf unterstützen, etwa von einem spezialisierten Berater oder Fachanwalt.
- Prüfung abwarten: Der Versicherer prüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, und holt eventuell Gutachten ein.
- Entscheidung: Bei Anerkennung zahlt er die vereinbarte Rente. Bei Ablehnung kannst du Widerspruch einlegen und dich an den Versicherungsombudsmann wenden.
Die genaue Beschreibung deines Berufs ist entscheidend. Der Versicherer prüft, ob du deine zuletzt ausgeübte Tätigkeit zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst – nicht, ob du theoretisch irgendeine Arbeit machen könntest.
Weitere Details im Vertrag
- Beitragsbefreiung: Im Leistungsfall musst du keine Beiträge mehr zahlen. Bei einer BU als Zusatzversicherung zu einer Rentenversicherung werden auch deren Beiträge übernommen.
- Karenzzeit: Manche günstigeren Tarife zahlen erst nach einer Wartezeit von einigen Monaten. Dein Notgroschen muss diese Zeit überbrücken.
- Umorganisation bei Selbstständigen: Bei Selbstständigen kann der Versicherer prüfen, ob sich der Betrieb so umorganisieren lässt, dass sie weiterarbeiten können. Gute Verträge begrenzen das.
- Zeitlich befristete Anerkennung: Manche Versicherer erkennen die BU nur befristet an. Achte auf Verträge, die das einschränken.
BU je nach Berufsgruppe
| Berufsgruppe | Beitragsniveau | Hinweis |
|---|---|---|
| Akademiker, Büroberufe | eher niedrig | Hohe BU-Rente zu moderatem Beitrag möglich |
| Handwerk, Pflege, körperliche Arbeit | eher hoch | Früh abschließen, Alternativen prüfen |
| Studierende, Azubis | oft günstig | Nachversicherungsgarantie für spätere Erhöhung wichtig |
| Selbstständige | je nach Tätigkeit | Auf Verzicht auf Umorganisation achten |
Begriffe kurz erklärt
- Berufsunfähigkeit
- Du kannst deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich dauerhaft zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben.
- Abstrakte Verweisung
- Recht des Versicherers, dich auf einen anderen Beruf zu verweisen. Gute Verträge verzichten darauf.
- Nachversicherungsgarantie
- Erhöhung der BU-Rente ohne neue Gesundheitsprüfung.
- Karenzzeit
- Wartezeit, bevor die Leistung beginnt.
- Leistungsdynamik
- Jährliche Erhöhung der Rente im Leistungsfall.
- Ertragsanteil
- Steuerpflichtiger Teil einer privaten BU-Rente, abhängig von der Restlaufzeit.
Häufige Fragen
Bis zu welchem Alter kann ich eine BU abschließen?
Viele Versicherer nehmen Antragsteller bis etwa Mitte 50 an. Mit steigendem Alter werden die Beiträge aber deutlich höher und Vorerkrankungen häufiger. Je früher, desto besser.
Wie lange dauert die Prüfung im Leistungsfall?
Oft mehrere Monate, abhängig von der Komplexität und der Vollständigkeit der Unterlagen. Ein gut vorbereiteter Antrag beschleunigt die Prüfung.
Brauche ich eine BU, wenn ich im Büro arbeite?
Ja. Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit sind psychische Erkrankungen und Rückenleiden, die Büroangestellte ebenso treffen. Der Beitrag ist für Bürojobs meist günstiger.
Lohnt sich eine BU für Studierende?
Oft ja, weil das Eintrittsalter niedrig und der Gesundheitszustand meist gut ist. Viele Versicherer bieten spezielle Einstiegstarife mit Nachversicherungsgarantie.
Was ist mit einer BU über den Arbeitgeber?
Manche Arbeitgeber bieten eine BU als betriebliche Absicherung an, teils mit vereinfachten Gesundheitsfragen. Prüfe, was bei einem Jobwechsel passiert und ob die Bedingungen mit privaten Verträgen mithalten.
Quellen: Deutsche Rentenversicherung (Erwerbsminderungsrente), Versicherungsvertragsgesetz (§§ 172 ff. Berufsunfähigkeitsversicherung, § 19 Anzeigepflicht), § 22 EStG (Ertragsanteil), Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest. Keine Versicherungsberatung.