Auf einen Blick
- Die EZB ist für die Geldpolitik im Euroraum zuständig. Ihr Hauptziel ist Preisstabilität: 2 % Inflation auf mittlere Sicht.
- Entschieden wird im EZB-Rat aus Direktorium und den Präsidentinnen und Präsidenten der nationalen Zentralbanken.
- Die Bundesbank ist Teil des Eurosystems: Sie setzt die Geldpolitik in Deutschland um, versorgt mit Bargeld und beaufsichtigt Banken.
- Zinsentscheidungen wirken auf Spar- und Kreditzinsen, auf Anleihe- und Aktienkurse und auf den Euro-Wechselkurs.
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Zinsentscheidungen wirken auch auf Anleihe- und Aktienkurse und den Euro-Kurs.
Dein nächster Zug
- 1
Entscheidungen verfolgen
Behalte die Termine des EZB-Rats im Blick.
- 2
Sparzinsen anpassen
Vergleiche nach Zinsänderungen dein Tagesgeld.
- 3
Ruhig bleiben
Schichte dein Depot nicht nach Zinsprognosen um.
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Was ist eine Zentralbank?
Eine Zentralbank ist die Bank der Banken und des Staates. Sie gibt das Bargeld aus, versorgt Geschäftsbanken mit Zentralbankgeld, setzt die Leitzinsen und wacht über die Stabilität des Finanzsystems. Normale Bürger haben bei ihr kein Konto. Die Wirkung ihrer Entscheidungen kommt über die Geschäftsbanken bei dir an.
Die Europäische Zentralbank
Die EZB mit Sitz in Frankfurt am Main gibt es seit 1998. Seit 1999 verantwortet sie die Geldpolitik für alle Länder, die den Euro eingeführt haben. Gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken dieser Länder bildet sie das Eurosystem. Stand prüfen: aktuelle Zahl der Euro-Länder.
Die EZB ist unabhängig: Regierungen dürfen ihr keine Weisungen erteilen. Diese Unabhängigkeit ist im EU-Vertrag verankert und eine Lehre aus Zeiten, in denen Regierungen sich über die Notenpresse finanzierten.
Das Ziel: Preisstabilität
Das vorrangige Ziel der EZB ist Preisstabilität. Seit ihrer Strategieüberprüfung 2021 strebt sie eine Inflation von 2 % auf mittlere Sicht an, und zwar symmetrisch: Abweichungen nach oben sind genauso unerwünscht wie nach unten. Nachrangig soll sie die allgemeine Wirtschaftspolitik in der EU unterstützen, soweit das die Preisstabilität nicht gefährdet.
Anders die US-Notenbank Federal Reserve: Sie hat ein doppeltes Mandat aus stabilen Preisen und maximaler Beschäftigung.
Wer entscheidet?
| Gremium | Zusammensetzung | Aufgabe |
|---|---|---|
| EZB-Rat | 6 Mitglieder des Direktoriums und die Präsidentinnen und Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Euroraums | Beschließt die Geldpolitik, etwa die Leitzinsen |
| Direktorium | Präsidentin oder Präsident, Vize und 4 weitere Mitglieder | Führt die laufenden Geschäfte, setzt Beschlüsse um |
| Erweiterter Rat | Präsidentin oder Präsident, Vize und alle EU-Zentralbankchefs | Beratende Aufgaben, Vorbereitung neuer Euro-Länder |
Der EZB-Rat trifft sich zu geldpolitischen Sitzungen etwa alle sechs Wochen. Nach jeder Sitzung erklärt die Präsidentin oder der Präsident die Entscheidung auf einer Pressekonferenz. Diese Termine werden an den Finanzmärkten genau beobachtet.
Die Werkzeuge der Geldpolitik
- Leitzinsen: Die EZB setzt drei Leitzinsen: den Zins für die Einlagefazilität, den Hauptrefinanzierungssatz und den Spitzenrefinanzierungssatz. Wichtigster Steuerungszins ist derzeit der Einlagesatz. Mehr dazu unter Leitzins.
- Anleihekäufe: In Krisen kauft die EZB Staats- und Unternehmensanleihen, um langfristige Zinsen zu senken.
- Langfristige Kredite an Banken: Sie sollen sicherstellen, dass Banken weiter Kredite an Unternehmen und Haushalte vergeben.
- Mindestreserve: Banken müssen 1 % bestimmter Einlagen bei der Zentralbank halten.
- Kommunikation: Was die EZB über künftige Zinsen sagt, wirkt oft schon, bevor sie handelt.
Was die Bundesbank heute macht
Mit dem Euro hat die Bundesbank die Hoheit über die Geldpolitik an die EZB abgegeben. Sie ist aber weiterhin wichtig:
- Mitentscheidung: Ihr Präsident sitzt im EZB-Rat.
- Bargeld: Sie bringt Euro-Banknoten und -Münzen in Deutschland in Umlauf und prüft Falschgeld.
- Bankenaufsicht: Gemeinsam mit der BaFin beaufsichtigt sie Banken, große Institute unter Führung der EZB.
- Zahlungsverkehr: Sie betreibt Systeme für Überweisungen zwischen Banken.
- Goldreserven: Sie verwaltet die deutschen Goldreserven von rund 3.350 Tonnen.
- Statistik und Forschung: Sie veröffentlicht Daten zu Zinsen, Geldmenge und Finanzstabilität.
Wie Zentralbank-Entscheidungen bei dir ankommen
| Bereich | Leitzins steigt | Leitzins sinkt |
|---|---|---|
| Tagesgeld und Festgeld | Zinsen steigen, oft verzögert | Zinsen sinken, oft schnell |
| Dispo und Ratenkredite | Werden teurer | Werden günstiger |
| Baufinanzierung | Meist teurer, abhängig von langfristigen Zinsen | Meist günstiger |
| Anleihen im Depot | Kurse fallen | Kurse steigen |
| Aktien | Oft Druck auf Bewertungen | Oft Rückenwind |
Was das für deine Strategie heißt
- Nicht spekulieren: Zinsentscheidungen sind meist schon in den Kursen eingepreist. Dein Depot nach Zinsprognosen umzuschichten, bringt selten etwas.
- Sparzinsen prüfen: Nach Zinssenkungen senken viele Banken die Tagesgeldzinsen schnell. Ein Vergleich lohnt sich dann besonders.
- Kredite absichern: Wer eine Baufinanzierung plant, sichert sich mit einer langen Zinsbindung gegen Zinsanstiege ab.
- Langfristig denken: Für einen breit gestreuten ETF-Sparplan über Jahrzehnte spielen einzelne Zinsentscheidungen kaum eine Rolle.
Vom Leitzins zu deinem Konto: Die Übertragung
Ökonomen nennen den Weg, auf dem eine Zinsentscheidung in der Wirtschaft ankommt, den Transmissionsmechanismus. Vereinfacht läuft er so:
- Die EZB ändert den Zins, zu dem Banken Geld bei ihr anlegen oder leihen können.
- Die Zinsen am Geldmarkt, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen, folgen fast sofort.
- Banken passen ihre Konditionen für Kredite und Einlagen an, meist innerhalb von Wochen bis Monaten.
- Unternehmen und Haushalte leihen weniger oder mehr, investieren und konsumieren entsprechend.
- Nachfrage, Löhne und schließlich die Preise reagieren. Bis die volle Wirkung auf die Inflation eintritt, vergehen oft ein bis zwei Jahre.
Deshalb schaut die EZB bei ihren Entscheidungen nicht nur auf die aktuelle Inflation, sondern auf ihre Prognose für die kommenden Jahre.
Kritik an den Zentralbanken
- Niedrigzinsphase: Kritiker werfen der EZB vor, mit jahrelangen Nullzinsen Sparer belastet und Vermögenspreise aufgebläht zu haben.
- Staatsfinanzierung durch die Hintertür: Die umfangreichen Anleihekäufe haben hoch verschuldeten Staaten günstige Zinsen ermöglicht.
- Zu späte Reaktion 2022: Die EZB hat den Inflationsanstieg unterschätzt und die Zinsen erst spät erhöht.
Befürworter halten dagegen, dass die Maßnahmen Krisen wie die Eurokrise und die Pandemie abgefedert und Massenarbeitslosigkeit verhindert haben.
Begriffe kurz erklärt
- Eurosystem
- Die EZB und die nationalen Zentralbanken der Länder mit dem Euro.
- EZB-Rat
- Oberstes Entscheidungsgremium der EZB für die Geldpolitik.
- Einlagefazilität
- Möglichkeit für Banken, Geld über Nacht bei der Zentralbank anzulegen. Ihr Zins ist der wichtigste Leitzins.
- Preisstabilität
- Nach der EZB-Definition eine Inflation von 2 % auf mittlere Sicht.
- Unabhängigkeit
- Zentralbanken entscheiden frei von politischen Weisungen.
Häufige Fragen
Wie oft ändert die EZB die Zinsen?
Das hängt von der Lage ab. Es gibt lange Phasen ohne Änderung und Phasen mit Zinsschritten in fast jeder Sitzung, wie 2022 und 2023.
Warum heben Banken die Sparzinsen langsamer an als die Kreditzinsen?
Banken verdienen an der Differenz zwischen Kredit- und Sparzinsen. Viele Kunden wechseln selten, deshalb haben Banken wenig Druck, Zinserhöhungen schnell weiterzugeben. Ein Vergleich lohnt sich.
Kann die EZB pleitegehen?
Nicht im üblichen Sinn, weil sie selbst Geld schaffen kann. Sie kann Verluste machen und hat das in den letzten Jahren auch getan. Ihre Handlungsfähigkeit ist dadurch nicht eingeschränkt.
Warum hat die EZB 2022 so spät reagiert?
Sie hielt den Inflationsanstieg zunächst für vorübergehend, weil er vor allem von Energiepreisen und Lieferengpässen getrieben war. Ab Juli 2022 erhöhte sie die Zinsen dann in schneller Folge.
Wie erfahre ich von Zinsentscheidungen?
Die Termine der geldpolitischen Sitzungen stehen auf der Website der EZB. Die Entscheidung wird am Sitzungstag veröffentlicht.
Wer bestimmt die EZB-Präsidentin?
Der Europäische Rat ernennt sie auf Empfehlung des Rates der EU nach Anhörung des Europäischen Parlaments und des EZB-Rats. Die Amtszeit beträgt acht Jahre ohne Wiederwahl.
Was ist der Unterschied zur Fed?
Die Fed ist die Zentralbank der USA. Sie hat neben stabilen Preisen auch hohe Beschäftigung als Ziel. Ihre Entscheidungen wirken über den Dollar und die Börsen auch stark auf Europa.
Quellen: Europäische Zentralbank (Geldpolitische Strategie 2021), Deutsche Bundesbank, Vertrag über die Arbeitsweise der EU (Art. 127, 130, 283), Federal Reserve. Keine Anlageberatung.