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Geldschöpfung: Wie Banken Geld erschaffen

Viele glauben, Banken verleihen das Geld ihrer Sparer weiter. Tatsächlich entsteht der größte Teil unseres Geldes, wenn eine Bank einen Kredit vergibt. Das klingt nach Zauberei, folgt aber klaren Regeln und hat Grenzen. Hier erfährst du, wie Geld wirklich entsteht, wer es steuert und was das für Inflation und deine Ersparnisse bedeutet.

Dein FahrplanGrundwissen für alle 7 Schritte

Auf einen Blick

  1. Es gibt zwei Arten von Geld: Zentralbankgeld (Bargeld und Guthaben der Banken bei der Zentralbank) und Buchgeld auf deinem Konto.
  2. Geschäftsbanken schaffen Buchgeld, indem sie Kredite vergeben. Wird ein Kredit getilgt, verschwindet das Geld wieder.
  3. Begrenzt wird die Geldschöpfung durch Eigenkapitalregeln, Liquiditätsbedarf, die Nachfrage nach Krediten und den Leitzins.
  4. Die Zentralbank steuert vor allem über den Zins, nicht über eine feste Geldmenge.
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So entsteht BuchgeldVom Kredit zum Guthaben und zurück
1Bank gibtKredit2Neues Geldentsteht3Geldwandert4Tilgung:Geld weg

Begrenzt wird das durch Eigenkapitalregeln, Kreditnachfrage und den Leitzins.

Deine Strategie in drei Zügen

Dein nächster Zug

  1. 1

    Mechanismus kennen

    Neues Geld entsteht vor allem durch Kredite der Banken.

  2. 2

    Guthaben schützen

    Halte pro Bank höchstens 100.000 € an Einlagen.

  3. 3

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Zwei Arten von Geld

GeldartWer schafft es?Wer nutzt es?
BargeldZentralbankAlle
Zentralbankguthaben (Reserven)ZentralbankBanken untereinander und mit der Zentralbank
Buchgeld (Giralgeld)GeschäftsbankenUnternehmen und Haushalte auf ihren Konten

Der Großteil des Geldes, mit dem wir täglich bezahlen, ist Buchgeld. Im Euroraum macht Bargeld nur rund 15 % der Geldmenge M1 aus, also des Bargelds plus der täglich fälligen Einlagen.

Wie eine Bank Geld schafft

Angenommen, du nimmst bei deiner Bank einen Kredit über 10.000 € auf. Die Bank prüft deine Bonität und schreibt dir 10.000 € auf deinem Girokonto gut. Sie nimmt dieses Geld nicht von einem anderen Konto weg. Sie bucht einfach zwei Positionen in ihre Bilanz: Auf der Aktivseite steht deine Kreditforderung, auf der Passivseite dein neues Guthaben.

Die Bilanz der Bank nach dem Kredit

Aktiva: Kreditforderung an dich +10.000 €. Passiva: Guthaben auf deinem Girokonto +10.000 €. In diesem Moment ist neues Geld entstanden, das es vorher nicht gab.

Zahlst du den Kredit zurück, läuft der Vorgang umgekehrt: Dein Guthaben und die Forderung der Bank sinken. Das Geld wird vernichtet. Die Geldmenge in einer Volkswirtschaft wächst also, solange mehr Kredite vergeben als getilgt werden.

Die Deutsche Bundesbank hat diesen Mechanismus 2017 in einem viel beachteten Monatsbericht ausführlich beschrieben. Er entspricht dem heutigen Stand der Wissenschaft.

Der Mythos vom Weiterverleihen

In vielen Lehrbüchern stand lange das Bild: Sparer zahlen ein, die Bank verleiht das Geld weiter, und über einen Multiplikator entsteht mehr Geld. Dieses Bild ist zu einfach. Banken brauchen keine Spareinlagen, um Kredite zu vergeben. Sie brauchen aber Zentralbankgeld, sobald das neu geschaffene Buchgeld an eine andere Bank überwiesen wird oder Kunden Bargeld abheben. Dieses Zentralbankgeld besorgen sie sich am Geldmarkt oder bei der Zentralbank – zum Leitzins.

Die Grenzen der Geldschöpfung

  • Eigenkapital: Banken müssen jeden Kredit mit einem Mindestanteil eigenem Kapital unterlegen. Mehr Kredite erfordern mehr Eigenkapital.
  • Liquidität: Fließt Geld zu anderen Banken ab, braucht die Bank Zentralbankgeld. Regeln wie die Liquiditätsdeckungsquote schreiben Reserven vor.
  • Mindestreserve: Im Euroraum müssen Banken 1 % bestimmter Einlagen als Guthaben bei der Zentralbank halten.
  • Zins: Je höher der Leitzins, desto teurer wird Zentralbankgeld und desto teurer werden Kredite.
  • Nachfrage: Ohne Unternehmen und Haushalte, die Kredite wollen und Bonität haben, entsteht kein Geld.
  • Risiko: Fallen Kredite aus, trägt die Bank den Verlust aus ihrem Eigenkapital.

Die Rolle der Zentralbank

Die Europäische Zentralbank steuert die Geldschöpfung vor allem indirekt über die Leitzinsen. Senkt sie die Zinsen, werden Kredite günstiger, und die Geldmenge wächst eher. Erhöht sie die Zinsen, bremst sie die Kreditvergabe. Ihr Ziel ist dabei nicht eine bestimmte Geldmenge, sondern eine Inflationsrate von 2 % auf mittlere Sicht.

In Krisen hat die EZB zusätzlich große Mengen Anleihen gekauft. Dabei schafft sie direkt Zentralbankgeld: Sie bezahlt die Anleihen mit neuem Guthaben, das bei den Banken landet. Diese Programme heißen Anleihekaufprogramme oder umgangssprachlich „Quantitative Easing“. Seit 2023 baut die EZB die Bestände schrittweise ab.

Und der Staat?

Der Staat schafft im Euroraum kein Geld selbst. Er finanziert sich über Steuern und über Anleihen, die er an Banken, Versicherungen, Fonds und Privatleute verkauft. Die EZB darf Staaten nicht direkt finanzieren. Das verbietet der EU-Vertrag. Anleihen darf sie nur am Markt kaufen, nicht direkt vom Staat.

Geldmenge und Inflation

Wächst die Geldmenge dauerhaft schneller als die Wirtschaftsleistung, steigen auf lange Sicht die Preise. Kurzfristig ist der Zusammenhang aber lose. Nach 2008 wuchs das Zentralbankgeld durch Anleihekäufe stark, die Inflation blieb trotzdem jahrelang niedrig, weil das Geld vor allem bei Banken blieb und wenig neue Kredite entstanden. 2021 und 2022 trafen dagegen eine hohe Geldmenge, Lieferengpässe und ein Energiepreisschock zusammen. Mehr dazu unter Inflation verstehen.

Was das für deine Ersparnisse bedeutet

  • Guthaben ist eine Forderung: Dein Geld auf dem Konto ist rechtlich ein Kredit an deine Bank. Deshalb ist die Einlagensicherung bis 100.000 € so wichtig.
  • Inflation ist wahrscheinlicher als Deflation: In einem System mit wachsender Kreditmenge verliert Geld über die Zeit an Kaufkraft.
  • Langfristig investieren: Wer Vermögen erhalten will, sollte es nicht nur als Buchgeld halten.

Ein Euro auf Wanderschaft

Was passiert mit dem neu geschaffenen Geld? Angenommen, du nutzt deinen Kredit über 10.000 €, um ein gebrauchtes Auto zu kaufen. Du überweist das Geld an den Händler, der sein Konto bei einer anderen Bank hat. Deine Bank muss dafür Zentralbankgeld an die Bank des Händlers übertragen. Das Buchgeld existiert weiter, nur auf einem anderen Konto.

Der Händler zahlt davon Löhne und Lieferanten. Das Geld wandert durch die Wirtschaft, bis du deinen Kredit Monat für Monat tilgst. Mit jeder Rate verschwindet ein Teil des einst geschaffenen Geldes wieder. Über alle Banken und Kredite hinweg entsteht so ein ständiger Strom aus neuem und vernichtetem Geld.

Wenn Geldschöpfung schiefgeht

Vergeben Banken zu leichtfertig Kredite, etwa für überteuerte Immobilien, wächst die Geldmenge schnell, und die Preise von Vermögenswerten steigen. Fallen die Kredite später aus, müssen Banken Verluste tragen, vergeben weniger neue Kredite, und die Geldmenge schrumpft. Genau das geschah in der Finanzkrise ab 2007. Deshalb gibt es heute strengere Eigenkapital- und Liquiditätsregeln und eine stärkere Bankenaufsicht.

Begriffe kurz erklärt

Zentralbankgeld
Bargeld und Guthaben von Banken bei der Zentralbank. Nur die Zentralbank kann es schaffen.
Buchgeld
Guthaben auf Konten bei Geschäftsbanken. Entsteht durch Kreditvergabe.
Mindestreserve
Pflichtguthaben, das Banken bei der Zentralbank halten müssen, im Euroraum 1 % bestimmter Einlagen.
Geldmenge M1, M3
Verschieden weit gefasste Messgrößen der Geldmenge, von Bargeld und Sichteinlagen bis zu kurzfristigen Wertpapieren.
Quantitative Easing
Kauf von Wertpapieren durch die Zentralbank, um Zinsen zu senken und Geld in die Wirtschaft zu bringen.

Häufige Fragen

Schaffen auch Nichtbanken Geld?

Nein. Versicherungen, Fonds oder Unternehmen können Geld nur verleihen, das bereits existiert. Neues Buchgeld entsteht nur bei Banken, Zentralbankgeld nur bei der Zentralbank.

Können Banken unbegrenzt Geld schaffen?

Nein. Eigenkapitalregeln, Liquiditätsanforderungen, der Zins und die Nachfrage nach Krediten setzen klare Grenzen.

Druckt die EZB Geld, wenn sie Anleihen kauft?

Nicht wörtlich. Sie schafft elektronisches Zentralbankgeld, das als Guthaben bei den Banken landet. Bargeld wird nur ausgegeben, wenn Menschen es abheben.

Was ist die Vollgeld-Idee?

Ein Vorschlag, nach dem nur noch die Zentralbank Geld schaffen dürfte. In der Schweiz wurde eine entsprechende Initiative 2018 per Volksabstimmung abgelehnt.

Verschwindet Geld wirklich, wenn ein Kredit getilgt wird?

Ja. Mit der Tilgung sinken Forderung und Guthaben gleichzeitig. Die Geldmenge wird kleiner.

Warum ist das für Sparer wichtig?

Weil es erklärt, warum Inflation in unserem System der Normalfall ist und warum Bankguthaben eine Forderung gegen eine Bank ist, die geschützt sein sollte.

Quellen: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017 („Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess“), Bank of England, Quarterly Bulletin 2014 Q1, Europäische Zentralbank, Vertrag über die Arbeitsweise der EU (Art. 123). Keine Anlageberatung.