Auf einen Blick
- 1923 erlebte Deutschland eine der schlimmsten Hyperinflationen der Geschichte. Ersparnisse wurden vollständig vernichtet.
- Seit der Währungsreform 1948 lag die Inflation meist zwischen 0 und 7 % pro Jahr.
- Höhepunkte gab es in den Ölkrisen der 1970er-Jahre und 2022, als die Inflation auf 6,9 % stieg.
- Auch moderate Inflation halbiert die Kaufkraft über Jahrzehnte. Langfristiges Vermögen gehört deshalb nicht nur aufs Konto.
Buchtipps
AnzeigeInflation: Der Untergang des Geldes in der Weimarer Republik
Anschaulich erzählt, wie die Hyperinflation von 1923 Ersparnisse vernichtete und das Land prägte.
Bei Amazon ansehen*Der Aufstieg des Geldes
Eine packend erzählte Geschichte des Geldes von den ersten Münzen bis zu den Finanzkrisen der Gegenwart.
Bei Amazon ansehen*
* Affiliate-Link zu Amazon. Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.
Spitzen: Ölkrisen, Wiedervereinigung und der Energiepreisschock 2022.
Dein nächster Zug
- 1
Real rechnen
Plane mit 2 bis 3 % Inflation pro Jahr.
- 2
Zins vergleichen
Sorge dafür, dass dein Tagesgeld möglichst die Inflation ausgleicht.
- 3
Sachwerte nutzen
Lege langfristiges Geld in einem breiten Aktien-ETF an.
Grundwissen für alle Schritte im Finanz-Fahrplan.
Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 12 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen
1923: Die Hyperinflation
Das Deutsche Reich finanzierte den Ersten Weltkrieg zu einem großen Teil mit Krediten und der Notenpresse. Nach dem Krieg kamen Reparationsforderungen hinzu. Als 1923 das Ruhrgebiet besetzt wurde und die Regierung den passiven Widerstand mit gedrucktem Geld finanzierte, geriet die Lage außer Kontrolle. Im Herbst 1923 verdoppelten sich die Preise teilweise innerhalb weniger Tage. Im November kostete ein US-Dollar 4,2 Billionen Mark. Ein Brot kostete Milliarden.
Mit der Einführung der Rentenmark im November 1923 und der Reichsmark 1924 wurde die Währung stabilisiert. Die Mittelschicht hatte jedoch ihre Ersparnisse verloren. Wer dagegen Sachwerte wie Häuser, Land oder Unternehmensanteile besaß, kam deutlich besser durch die Krise. Schuldner profitierten, weil ihre Kredite wertlos wurden.
1948: Währungsreform und D-Mark
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Reichsmark erneut wertlos. Die Nationalsozialisten hatten den Krieg mit Geld finanziert, dessen Wert durch Preisstopps nur verdeckt wurde. Am 20. Juni 1948 wurde in den Westzonen die D-Mark eingeführt. Sparguthaben wurden stark abgewertet, viele verloren erneut einen großen Teil ihres Geldvermögens. Die neue Währung wurde aber zum Fundament des Wirtschaftswunders.
Die Inflation in Zahlen
| Jahr | Inflationsrate (ungefähr) | Hintergrund |
|---|---|---|
| 1973 / 1974 | rund 7 % | Erste Ölkrise |
| 1981 | rund 6 % | Zweite Ölkrise |
| 1992 | rund 5 % | Boom nach der Wiedervereinigung |
| 2002 | rund 1,4 % | Euro-Bargeld eingeführt |
| 2009 | rund 0,3 % | Finanzkrise |
| 2020 | rund 0,5 % | Corona, Mehrwertsteuersenkung |
| 2022 | 6,9 % | Energiepreisschock nach dem Angriff auf die Ukraine |
| 2023 | 5,9 % | Nachwirkungen der Energiekrise |
| 2024 | 2,2 % | Normalisierung |
Werte vor 1991 beziehen sich auf Westdeutschland. Aktuelle Jahreswerte bei Destatis ergänzen.
Die Bundesbank als Hüterin der Stabilität
Aus den Erfahrungen von 1923 und 1948 zog die Bundesrepublik eine klare Lehre: Die Notenbank muss unabhängig von der Regierung sein. Die 1957 gegründete Bundesbank verfolgte konsequent das Ziel stabiler Preise. Die D-Mark wurde zu einer der stabilsten Währungen der Welt. Dieses Modell prägte auch die Europäische Zentralbank, deren vorrangiges Ziel ebenfalls Preisstabilität ist. Mehr dazu unter Zentralbanken erklärt.
Der „Teuro“: Gefühlte und gemessene Inflation
Nach der Einführung des Euro-Bargelds 2002 hatten viele Menschen das Gefühl, alles sei viel teurer geworden. Gemessen lag die Inflation aber bei rund 1,4 %. Der Grund für den Unterschied: Einige häufig gekaufte Dinge wie Restaurantbesuche oder Kaffee wurden tatsächlich teurer, während andere Waren günstiger wurden. Was wir oft kaufen, prägt unser Gefühl stärker als die Gesamtrechnung. Das gilt bis heute, wie der Ratgeber Inflation einfach erklärt zeigt.
Die Inflationswelle 2022
Nach Jahren mit sehr niedriger Inflation stiegen die Preise ab 2021 deutlich. Zuerst sorgten Lieferengpässe nach der Pandemie für steigende Preise, dann trieb der russische Angriff auf die Ukraine die Energiepreise in die Höhe. Im Herbst 2022 lag die monatliche Inflationsrate zeitweise über 8 %. Die EZB reagierte ab Juli 2022 mit kräftigen Zinserhöhungen. Für Sparer waren diese Jahre teuer: Bei niedrigen Zinsen verloren Guthaben auf Giro- und Sparkonten real deutlich an Wert.
Was 100 Jahre Inflation bedeuten
Bei einer durchschnittlichen Inflation von 2 % pro Jahr hat ein Euro nach 35 Jahren nur noch rund 50 Cent Kaufkraft. Wer also mit 30 Jahren 10.000 € auf ein unverzinstes Konto legt, kann sich mit 65 davon nur noch Dinge im Wert von etwa 5.000 € heute kaufen. Ein breit gestreuter Aktien-ETF hat in der Vergangenheit über solche Zeiträume dagegen deutlich mehr als die Inflation erwirtschaftet.
Was du daraus lernen kannst
- Geldvermögen allein ist riskant: Sowohl 1923 als auch 1948 verloren Sparer am meisten.
- Sachwerte schützen langfristig: Unternehmensbeteiligungen und Immobilien haben Krisen besser überstanden.
- Moderate Inflation ist der Normalfall: Plane mit 2 bis 3 % pro Jahr. Mehr unter Kaufkraftverlust.
- Den Realzins im Blick behalten: Nur was nach Inflation und Steuern übrig bleibt, zählt. Siehe Realzins.
- Breit aufstellen: Eine Mischung aus Notgroschen, Aktien-ETF und gegebenenfalls Gold oder Immobilien ist robust.
Preise im Wandel: Ein Blick in den Einkaufskorb
Wie stark sich Preise über Jahrzehnte verändern, zeigt der Blick auf alltägliche Dinge. Ein Brötchen, eine Kinokarte oder ein Liter Benzin kosteten in den 1970er-Jahren in D-Mark nur einen Bruchteil dessen, was heute in Euro dafür fällig ist. Gleichzeitig sind die Löhne gestiegen, oft stärker als die Preise. Die Kaufkraft der meisten Menschen ist deshalb langfristig gewachsen. Entscheidend ist der Vergleich: Wer sein Geld nur auf dem Konto ließ, verlor real, wer es in Unternehmensbeteiligungen anlegte, gewann.
Die Lohn-Preis-Spirale
In den 1970er-Jahren trieben steigende Ölpreise die Inflation. Gewerkschaften forderten höhere Löhne, um die Kaufkraft zu sichern. Unternehmen gaben die höheren Kosten über Preise weiter. Die Inflation verfestigte sich. Erst eine konsequent straffe Geldpolitik der Bundesbank brachte die Preise wieder unter Kontrolle, verbunden mit höherer Arbeitslosigkeit. Diese Erfahrung erklärt, warum Notenbanken bei steigender Inflation heute schnell und entschlossen reagieren. Mehr dazu unter Leitzins.
Begriffe kurz erklärt
- Hyperinflation
- Extrem schnelle Geldentwertung, oft mehr als 50 % Preissteigerung pro Monat.
- Verbraucherpreisindex
- Maßstab des Statistischen Bundesamts für die Preisentwicklung eines typischen Warenkorbs.
- Rentenmark
- Übergangswährung ab November 1923, die die Hyperinflation beendete.
- Gefühlte Inflation
- Wahrgenommene Preissteigerung, geprägt von häufig gekauften Waren.
- Preisstabilität
- Ziel der Notenbank, für die Eurozone definiert als 2 % Inflation auf mittlere Sicht.
Häufige Fragen
Gab es in Deutschland auch Deflation?
Ja, etwa in der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre, als die Preise deutlich fielen. In jüngerer Zeit gab es nur kurze Phasen mit leicht sinkenden Preisen, etwa 2009 und 2020. Dauerhafte Deflation gilt als gefährlich, weil sie Investitionen und Konsum bremst.
Warum strebt die EZB 2 % und nicht 0 % Inflation an?
Ein kleiner Puffer schützt vor Deflation und gibt der Geldpolitik Spielraum, die Zinsen in Krisen zu senken. Zudem überschätzt die Statistik die Inflation leicht, etwa weil Qualitätsverbesserungen schwer zu erfassen sind.
Wie wird die Inflation gemessen?
Das Statistische Bundesamt erfasst jeden Monat die Preise von Hunderten Waren und Dienstleistungen in einem typischen Warenkorb und berechnet daraus den Verbraucherpreisindex.
Kann sich 1923 wiederholen?
Unter den heutigen Bedingungen mit unabhängiger Zentralbank, Verbot der Staatsfinanzierung durch die Notenbank und stabilen Institutionen ist das sehr unwahrscheinlich.
War die D-Mark wirklich so stabil?
Im internationalen Vergleich ja. Auch die D-Mark verlor über die Jahrzehnte aber deutlich an Kaufkraft, nur langsamer als viele andere Währungen.
Ist der Euro weniger stabil als die D-Mark?
In den ersten zwei Jahrzehnten lag die Inflation im Euroraum im Schnitt sogar niedriger als in vielen Jahrzehnten der D-Mark. Die Jahre 2022 und 2023 waren eine Ausnahme.
Wo finde ich historische Inflationsdaten?
Beim Statistischen Bundesamt und bei der Deutschen Bundesbank. Dort gibt es lange Zeitreihen zum Verbraucherpreisindex.
Wie schütze ich mich heute am besten?
Mit einer Mischung aus gut verzinstem Tagesgeld für kurzfristiges Geld und renditestärkeren Anlagen für langfristiges Vermögen. Mehr unter Inflationsschutz.
Quellen: Statistisches Bundesamt (Verbraucherpreisindex), Deutsche Bundesbank (Zeitreihen, Geldmuseum), Carl-Ludwig Holtfrerich, „Die deutsche Inflation 1914–1923“. Werte gerundet. Keine Anlageberatung.