Auf einen Blick
- Finanzkrisen folgen oft dem gleichen Muster: billiges Geld, Euphorie, Überbewertung, ein Auslöser, Panik.
- Breit gestreute Aktienmärkte haben sich nach jeder großen Krise erholt – manchmal schnell, manchmal erst nach vielen Jahren.
- Wer in Krisen verkauft, macht Verluste endgültig. Wer weiter spart, kauft günstig nach.
- Ein Notgroschen und eine passende Aktienquote sind der beste Schutz für die eigenen Nerven.
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Das Muster hinter jeder Krise
Der Ökonom Hyman Minsky beschrieb, wie Stabilität selbst zur Ursache von Instabilität wird: In ruhigen Zeiten werden Anleger und Banken mutiger, nehmen mehr Kredit auf und zahlen immer höhere Preise. Irgendwann reicht ein Auslöser – eine Pleite, ein Zinsanstieg, eine schlechte Nachricht – und alle wollen gleichzeitig verkaufen. Die Preise fallen, Kredite platzen, Panik breitet sich aus. Dieses Muster findet sich in fast allen großen Krisen.
Frühe Blasen: Tulpen und Südsee
In den Niederlanden stiegen in den 1630er-Jahren die Preise für seltene Tulpenzwiebeln auf das Vielfache eines Jahreslohns, bevor sie 1637 abrupt einbrachen. Historiker streiten, wie groß der Schaden wirklich war, die Tulpenmanie gilt aber als Sinnbild für Spekulationsblasen. 1720 platzte in England die Südseeblase: Aktien der South Sea Company stiegen innerhalb weniger Monate auf ein Vielfaches und brachen dann zusammen. Auch Isaac Newton verlor dabei viel Geld.
1929: Der große Crash und die Weltwirtschaftskrise
In den 1920er-Jahren kauften viele Amerikaner Aktien auf Kredit. Im Oktober 1929 brachen die Kurse ein. Bis 1932 verlor der Dow Jones fast 90 % seines Werts. Banken gingen reihenweise pleite, die Arbeitslosigkeit stieg weltweit stark an. In Deutschland verschärfte die Krise die politische Lage dramatisch. Bis der Dow Jones seinen Höchststand von 1929 wieder erreichte, dauerte es nominal bis 1954. Rechnet man Dividenden und die damals fallenden Preise ein, war die Erholung für Anleger allerdings schneller.
Krisen im Überblick
| Krise | Zeitraum | Rückgang (ungefähr) | Auslöser |
|---|---|---|---|
| Weltwirtschaftskrise | 1929–1932 | Dow Jones fast −90 % | Spekulation auf Kredit, Bankenpleiten |
| Ölkrisen | 1973–1974 | Viele Börsen −40 bis −50 % | Ölpreisschock, Inflation |
| Schwarzer Montag | 19.10.1987 | Dow Jones −22 % an einem Tag | Computerhandel, Überbewertung |
| Dotcom-Blase | 2000–2002 | Nasdaq rund −78 % | Überbewertete Internetaktien |
| Globale Finanzkrise | 2007–2009 | Weltaktien rund −55 % | US-Immobilienkredite, Lehman-Pleite |
| Eurokrise | 2010–2012 | Starke Schwankungen in Europa | Staatsschulden einzelner Euroländer |
| Corona-Crash | Februar–März 2020 | Weltaktien rund −34 % | Pandemie, Lockdowns |
2000: Die Dotcom-Blase
Ende der 1990er-Jahre galt alles mit „.com“ im Namen als Zukunftswette. In Deutschland lockte der Neue Markt Millionen Kleinanleger an die Börse, oft mit Aktien von Unternehmen ohne Gewinne. Ab März 2000 brachen die Kurse ein. Der Neue Markt wurde 2003 geschlossen. Viele Anleger, die sich auf wenige Technologieaktien konzentriert hatten, verloren den Großteil ihres Einsatzes. Wer breit gestreut investiert und weiter gespart hatte, erholte sich dagegen innerhalb weniger Jahre.
2008: Die globale Finanzkrise
In den USA wurden massenhaft Immobilienkredite an Menschen mit geringer Bonität vergeben, gebündelt und weltweit an Banken verkauft. Als die Hauspreise fielen, wurden diese Papiere wertlos. Am 15. September 2008 ging die Investmentbank Lehman Brothers pleite. Das Vertrauen zwischen Banken brach zusammen. Staaten mussten Banken retten, die Notenbanken senkten die Zinsen drastisch. Breite Weltaktienindizes fielen um mehr als die Hälfte. Wer durchhielt, sah seinen Welt-ETF in Euro gerechnet nach einigen Jahren wieder auf dem alten Stand, mit laufender Sparrate deutlich früher.
2020: Der schnellste Crash
Im Februar und März 2020 fielen die Börsen wegen der Corona-Pandemie innerhalb weniger Wochen um rund ein Drittel. Notenbanken und Regierungen reagierten mit enormen Hilfspaketen. Schon nach wenigen Monaten waren viele Indizes wieder auf dem Vorkrisenniveau. Für viele Anleger war es eine wichtige Erfahrung: Wer in Panik verkauft hatte, verpasste die schnelle Erholung.
Was du aus Krisen lernen kannst
- Krisen sind normal: Rückgänge von 20 % und mehr kommen an den Aktienmärkten alle paar Jahre vor.
- Streuung rettet: Einzelaktien und Branchenwetten können ganz verloren gehen, ein breiter Welt-ETF hat sich bisher immer erholt.
- Kredit verstärkt Verluste: Wer auf Pump investiert, kann zum Verkauf gezwungen werden.
- Liquidität ist Freiheit: Ein Notgroschen verhindert Notverkäufe.
- Weitersparen lohnt: In Krisen kauft dein Sparplan günstig ein.
- Einlagensicherung kennen: Bankguthaben bis 100.000 € sind gesetzlich geschützt. Mehr unter Einlagensicherung.
2010 bis 2012: Die Eurokrise
Nach der Finanzkrise gerieten mehrere Euroländer, allen voran Griechenland, in Schwierigkeiten, ihre Schulden zu bedienen. Die Zinsen für ihre Staatsanleihen stiegen stark, Banken mit vielen solchen Anleihen gerieten unter Druck. Rettungsschirme, Sparprogramme und schließlich die Ankündigung der EZB im Juli 2012, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten, beruhigten die Lage. Für deutsche Sparer zeigte die Krise, wie eng Staaten, Banken und Währung zusammenhängen.
Begriffe kurz erklärt
- Blase
- Preise steigen weit über den fundamentalen Wert, getrieben von Erwartungen weiterer Preissteigerungen.
- Crash
- Sehr starker und schneller Kurseinbruch an den Börsen.
- Bärenmarkt
- Phase, in der die Kurse um mindestens 20 % vom Hoch gefallen sind.
- Bank Run
- Viele Kunden heben gleichzeitig ihr Geld ab, weil sie der Bank nicht mehr trauen.
- Minsky-Moment
- Der Zeitpunkt, an dem eine kreditgetriebene Euphorie plötzlich in Panik umschlägt.
Häufige Fragen
Was ist ein Bank Run?
Wenn viele Kunden gleichzeitig ihr Geld abheben wollen, weil sie der Bank nicht mehr trauen. Weil Banken das Geld verliehen haben, können sie nicht alle sofort auszahlen. Einlagensicherung und Notenbanken sollen solche Situationen verhindern.
Wer profitiert von Krisen?
Anleger mit Liquidität, die günstig kaufen können, und Schuldner, wenn die Inflation steigt. Wer gezwungen ist zu verkaufen, verliert dagegen am meisten.
Was hat die Finanzkrise für Sparer geändert?
Banken müssen heute mehr Eigenkapital vorhalten, und die Aufsicht ist strenger. Die Einlagensicherung wurde in der EU auf einheitlich 100.000 € pro Person und Bank festgelegt.
Was war die Asienkrise?
1997 brachen in mehreren asiatischen Ländern Währungen und Börsen ein, nachdem Kapital in großem Stil abgezogen wurde. Sie zeigte, wie schnell sich Krisen in einer vernetzten Welt ausbreiten.
Wie oft gibt es Bärenmärkte?
Rückgänge von 20 % und mehr kamen an den großen Aktienmärkten im Durchschnitt etwa alle paar Jahre vor. Sie sind Teil des normalen Börsengeschehens.
Kann man eine Krise vorhersagen?
Den Zeitpunkt praktisch nie. Viele haben Krisen vorhergesagt, aber meist viel zu früh oder zu spät. Besser ist eine Strategie, die jede Krise übersteht.
Soll ich vor einer erwarteten Krise verkaufen?
Meist nicht. Wer verkauft, muss auch den richtigen Wiedereinstieg finden. Beides gleichzeitig gelingt kaum jemandem dauerhaft.
Ist mein Geld auf dem Konto in einer Bankenkrise sicher?
Bis 100.000 € pro Person und Bank greift die gesetzliche Einlagensicherung. Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen und gehören dir.
Wie lange dauert es, bis sich ein Depot erholt?
Bei breiten Indizes reichte die Spanne von wenigen Monaten wie 2020 bis zu mehreren Jahren wie nach 2000 oder 2008. Wer weiter sparte, war meist schneller wieder im Plus.
Was ist mit Gold in Krisen?
Gold hat sich in vielen Krisen stabil gehalten oder ist gestiegen, aber nicht in allen. Als kleine Beimischung kann es ein Depot beruhigen. Mehr unter Gold als Geldanlage.
Quellen: Charles Kindleberger, „Manias, Panics, and Crashes“, Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, „This Time Is Different“ (2009), Hyman Minsky, Deutsche Bundesbank, MSCI. Werte gerundet. Keine Anlageberatung.