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Fortgeschritten

ETF-Rentenversicherung und Nettotarife: Lohnt sich das?

Eine fondsgebundene Rentenversicherung mit ETFs verspricht das Beste aus zwei Welten: Rendite vom Aktienmarkt und Steuervorteile einer Versicherung. Ob sich das rechnet, hängt fast ausschließlich an den Kosten. Hier erfährst du, wie solche Verträge funktionieren, warum Nettotarife den Unterschied machen und wann ein eigenes Depot besser ist.

Dein FahrplanSchritt 6 von 7: Fürs Alter vorsorgen

Auf einen Blick

  1. Eine ETF-Rentenversicherung ist eine fondsgebundene Rentenversicherung, die in ETFs investiert.
  2. Steuervorteile: keine Steuer in der Ansparphase, Fondswechsel steuerfrei, bei Auszahlung nach 12 Jahren und ab 62 oft nur die Hälfte des Ertrags steuerpflichtig.
  3. Klassische Tarife mit Provision fressen die Vorteile oft auf. Nettotarife ohne Provision sind deutlich günstiger.
  4. Für die meisten Sparer ist ein eigenes ETF-Depot die einfachere und flexiblere Basis.
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300 € im Monat über 30 JahreWas die Kosten am Ende ausmachen
Eingezahlt108.000 €Eigenes Depot0,2 % Kosten290.000 €Nettotarif0,7 % Kosten264.000 €

Annahme: 6 % Rendite vor Kosten, vor Steuern. Die Versicherung kann bei der Auszahlung steuerlich aufholen.

Deine Strategie in drei Zügen

Dein nächster Zug

  1. 1

    Kosten prüfen

    Lass dir die Effektivkosten nennen. Unter 1 % pro Jahr ist das Ziel.

  2. 2

    Ehrlich vergleichen

    Stelle Nettotarif und eigenes Depot nach Steuern gegenüber.

  3. 3

    Nur ergänzen

    Nutze die Versicherung höchstens zusätzlich zu einem flexiblen ETF-Depot.

Schritt 6 von 7 im Finanz-Fahrplan: Fürs Alter vorsorgen.

Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 11 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen

So funktioniert eine ETF-Rentenversicherung

Du zahlst monatlich oder einmalig Beiträge in einen Versicherungsvertrag. Der Versicherer legt das Geld in ETFs an, die du aus einer Liste auswählst. Am Ende der Ansparphase kannst du wählen: lebenslange Rente oder Auszahlung des Kapitals auf einen Schlag. Im Kern ist es also ein ETF-Depot in einer Versicherungshülle.

Die Hülle bringt zwei Dinge: Steuervorteile und die Möglichkeit, das Kapital in eine garantierte lebenslange Rente umzuwandeln. Sie kostet aber auch Geld – und genau hier trennt sich ein guter von einem schlechten Vertrag.

Die Steuervorteile im Detail

  • Ansparphase: Erträge im Vertrag werden nicht jährlich besteuert. Es gibt keine Vorabpauschale und keine Steuer auf Ausschüttungen.
  • Fondswechsel: Du kannst innerhalb des Vertrags ETFs tauschen, ohne dass Steuern anfallen. Im Depot wäre ein Verkauf steuerpflichtig.
  • Kapitalauszahlung: Läuft der Vertrag mindestens 12 Jahre und bist du bei Auszahlung mindestens 62, ist nur die Hälfte des Ertrags mit deinem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Zusätzlich gibt es eine Teilfreistellung auf den Ertrag.
  • Verrentung: Wählst du die lebenslange Rente, wird nur der sogenannte Ertragsanteil besteuert. Bei Rentenbeginn mit 67 sind das 17 % der Rente.

Stand prüfen: Höhe der Teilfreistellung bei fondsgebundenen Versicherungen und Kombination mit dem Halbeinkünfteverfahren.

Kosten: Der entscheidende Punkt

Klassische Tarife enthalten Abschluss- und Vertriebskosten, die oft über die ersten fünf Jahre verteilt werden und bei langen Verträgen mehrere Tausend Euro ausmachen können. Dazu kommen laufende Verwaltungskosten des Versicherers und die Kosten der ETFs selbst.

KostenartKlassischer TarifNettotarif
Abschlusskosten / ProvisionOft 2,5 % der Beitragssumme oder mehrKeine, dafür ggf. Honorar
Laufende Vertragskosten0,5 bis 1,5 % pro Jahr0,2 bis 0,6 % pro Jahr
ETF-Kosten (TER)0,1 bis 0,3 %0,1 bis 0,3 %
Effektivkosten gesamtoft 1,5 bis 2,5 %oft 0,4 bis 0,9 %

Die Effektivkosten findest du im Produktinformationsblatt. Sie zeigen, um wie viel Prozentpunkte die Kosten deine Rendite pro Jahr mindern. Schon 1 Prozentpunkt Unterschied macht über 30 Jahre bei 300 € Monatsbeitrag rund 50.000 € weniger Endkapital aus.

Was sind Nettotarife?

Nettotarife sind Versicherungen ohne eingerechnete Provision. Du schließt sie direkt beim Versicherer oder über eine Honorarberaterin oder einen Honorarberater ab, den du für die Beratung separat bezahlst. Weil die hohen Abschlusskosten wegfallen, arbeitet fast dein gesamter Beitrag von Anfang an für dich. Auch eine vorzeitige Kündigung ist bei Nettotarifen meist deutlich weniger verlustreich.

Der Rentenfaktor

Der Rentenfaktor gibt an, wie viel monatliche Rente du für je 10.000 € Kapital bekommst. Ein Faktor von 30 bedeutet: 300.000 € Kapital ergeben 900 € Rente im Monat. Achte darauf, ob der Faktor garantiert ist oder nur rechnerisch. Viele Versicherer garantieren nur einen Teil und behalten sich vor, den Rest zu senken.

Wann lohnt sich die Verrentung?

Bei einem Rentenfaktor von 30 musst du rund 28 Jahre Rente beziehen, um dein eingezahltes Kapital zurückzubekommen – ohne Zinsen. Bei Rentenbeginn mit 67 wärst du dann 95. Die Verrentung ist also vor allem eine Versicherung gegen ein sehr langes Leben, keine Renditequelle.

ETF-Rentenversicherung oder eigenes Depot?

Eigenes ETF-DepotETF-Rentenversicherung (Nettotarif)
KostenSehr niedrigNiedrig bis mittel
FlexibilitätJederzeit verfügbarGebunden, Zugriff mit Nachteilen
Steuern AnsparphaseVorabpauschale, AusschüttungenKeine
Steuern AuszahlungAbgeltungsteuer auf GewinneHalber Ertrag mit persönlichem Steuersatz
Lebenslange RenteNein, Entnahme selbst planenJa, wenn gewünscht

Ein Nettotarif kann sich lohnen für Menschen mit hohem Steuersatz heute und im Alter, die sehr lange sparen, oft umschichten wollen und die Option auf eine lebenslange Rente schätzen. Für alle anderen ist ein eigenes ETF-Depot die einfachere und flexiblere Lösung.

Checkliste vor dem Abschluss

  1. Effektivkosten unter 1 % pro Jahr?
  2. Keine oder nur geringe Abschlusskosten?
  3. Große Auswahl an breit gestreuten ETFs, kostenloser Fondswechsel?
  4. Garantierter Rentenfaktor in angemessener Höhe?
  5. Beitragspausen, Zuzahlungen und Teilentnahmen möglich?
  6. Ist dein Notgroschen gesichert und die Basis-Altersvorsorge geregelt?

Rechenbeispiel: Nettotarif gegen Depot

300 € im Monat über 30 Jahre, 6 % Rendite vor Kosten

Eigenes Depot: Bei 0,2 % Fondskosten wachsen die Einzahlungen von 108.000 € auf rund 290.000 €. Beim Verkauf werden die Gewinne mit Abgeltungsteuer belastet, unter Berücksichtigung der Teilfreistellung.

Nettotarif: Bei 0,7 % Effektivkosten wachsen sie auf rund 264.000 €. Bei Auszahlung ab 62 nach mindestens 12 Jahren wird nur die Hälfte des Ertrags mit dem persönlichen Steuersatz versteuert.

Welche Variante nach Steuern vorne liegt, hängt vor allem vom Steuersatz im Alter ab. Bei einem niedrigen Steuersatz im Ruhestand kann der Nettotarif die höheren Kosten ausgleichen, bei einem hohen eher nicht.

Fallen bei klassischen Tarifen

  • Kostenintensive Fondsauswahl: Neben ETFs werden oft teure aktive Fonds angeboten.
  • Garantien: Beitragsgarantien kosten Rendite, weil ein Teil des Geldes sicher angelegt werden muss.
  • Frühe Kündigung: In den ersten Jahren ist der Rückkaufswert oft deutlich niedriger als die eingezahlten Beiträge.

Begriffe kurz erklärt

Fondsgebundene Rentenversicherung
Rentenversicherung, bei der die Beiträge in Investmentfonds oder ETFs angelegt werden.
Nettotarif
Versicherungstarif ohne eingerechnete Provision, oft über Honorarberatung abgeschlossen.
Effektivkosten
Minderung der Rendite durch alle Kosten in Prozentpunkten pro Jahr.
Halbeinkünfteverfahren
Nur die Hälfte des Ertrags wird besteuert, wenn der Vertrag 12 Jahre lief und die Auszahlung ab 62 erfolgt.
Ertragsanteil
Steuerpflichtiger Teil einer privaten Rente. Er hängt vom Alter bei Rentenbeginn ab.

Häufige Fragen

Gibt es Nettotarife auch in der betrieblichen Altersvorsorge?

Selten. Die meisten Direktversicherungen enthalten Vertriebskosten. Manche Arbeitgeber bieten aber kostengünstige Tarife mit hohem Aktienanteil an. Frag gezielt nach den Effektivkosten.

Kann ich meinen alten Vertrag in einen Nettotarif umwandeln?

Meist nicht direkt. Prüfe die Kosten des alten Vertrags und ob eine Beitragsfreistellung sinnvoll ist. Bereits gezahlte Abschlusskosten sind verloren, deshalb ist ein Wechsel nicht automatisch besser.

Was kostet eine Honorarberatung?

Honorarberater rechnen nach Stunden oder pauschal ab. Für eine Altersvorsorgeberatung sind einige Hundert Euro üblich. Das ist oft weniger als die Provision eines klassischen Tarifs.

Was passiert im Todesfall?

In der Ansparphase wird meist das Fondsguthaben an die Hinterbliebenen ausgezahlt. In der Rentenphase hängt es von der vereinbarten Rentengarantiezeit ab.

Ist eine Rürup-Rente dasselbe?

Nein. Die Rürup-Rente ist eine staatlich geförderte Basisrente mit Steuerabzug in der Ansparphase, aber ohne Kapitalauszahlung. Die ETF-Rentenversicherung ist eine private Rentenversicherung ohne Steuerabzug beim Einzahlen.

Kann ich während der Laufzeit an mein Geld?

Teilweise. Viele Tarife erlauben Teilentnahmen oder Policendarlehen. Dabei fallen aber Steuern an, und die Vorteile der späteren Auszahlung können verloren gehen.

Quellen: Einkommensteuergesetz (§ 20 Abs. 1 Nr. 6, § 22 Nr. 1 Satz 3), Investmentsteuergesetz (§ 20), Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest Finanztest, Bund der Versicherten. Rechenbeispiele vereinfacht. Keine Anlage- oder Steuerberatung.