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Zinseszins: So arbeitet dein Geld für dich

Beim Zinseszins bringen nicht nur deine Einzahlungen Erträge, sondern auch die Erträge selbst. Am Anfang wirkt der Effekt unscheinbar, über Jahrzehnte wird er zur stärksten Kraft beim Vermögensaufbau.

Dein FahrplanSchritt 5 von 7: Investieren

Auf einen Blick

  1. Zinseszins heißt: Erträge werden wieder angelegt und bringen selbst Erträge.
  2. Das Vermögen wächst dadurch nicht gleichmäßig, sondern immer schneller.
  3. Der wichtigste Faktor ist die Zeit – früh anfangen schlägt viel einzahlen.
  4. Der Effekt wirkt auch umgekehrt: bei Kosten, Schulden und Inflation.
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Dein nächster Zug

  1. 1

    Früh beginnen

    Starte heute, auch mit kleinen Beträgen. Zeit ist der stärkste Hebel.

  2. 2

    Erträge reinvestieren

    Wähle thesaurierende Fonds oder lege Ausschüttungen wieder an.

  3. 3

    Kosten senken

    Niedrige laufende Kosten wirken ebenfalls mit Zinseszins.

Schritt 5 von 7 im Finanz-Fahrplan: Investieren.

Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 12 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen

Das Prinzip

Legst du 10.000 € zu 5 % an, bekommst du im ersten Jahr 500 € Zinsen. Lässt du sie auf dem Konto, rechnet die Bank im zweiten Jahr mit 10.500 € – und zahlt 525 € Zinsen. Im dritten Jahr sind es schon 551 €. Die Zinsen wachsen jedes Jahr ein Stück, weil sie auf einen größeren Betrag berechnet werden.

Bei Aktien und ETFs funktioniert das ähnlich: Kursgewinne und wieder angelegte Dividenden vergrößern die Basis, auf der künftige Gewinne entstehen. Bei thesaurierenden ETFs passiert das automatisch.

Endkapital = Startkapital × (1 + Zinssatz)JahreBei gleichbleibendem Zinssatz und ohne weitere Einzahlungen.

Zinsen mit und ohne Zinseszins

JahreOhne ZinseszinsMit ZinseszinsUnterschied
1015.000 €16.289 €1.289 €
2020.000 €26.533 €6.533 €
3025.000 €43.219 €18.219 €
4030.000 €70.400 €40.400 €

10.000 € Startkapital zu 5 % pro Jahr, ohne Steuern und Kosten.

In den ersten zehn Jahren ist der Unterschied überschaubar. Nach 40 Jahren hat der Zinseszins mehr gebracht als die einfachen Zinsen zusammen. Genau deshalb ist Geduld bei der Geldanlage so wichtig.

Die 72er-Regel

Wie lange dauert es, bis sich dein Geld verdoppelt? Eine einfache Faustregel: 72 geteilt durch den Zinssatz ergibt ungefähr die Anzahl der Jahre.

  • Bei 2 % verdoppelt sich das Geld in etwa 36 Jahren.
  • Bei 4 % in etwa 18 Jahren.
  • Bei 6 % in etwa 12 Jahren.
  • Bei 8 % in etwa 9 Jahren.

Die Regel funktioniert auch umgekehrt: Bei 3 % Inflation halbiert sich die Kaufkraft deines Geldes in etwa 24 Jahren.

Warum früh anfangen so viel ausmacht

Anna und Ben

Anna investiert ab 25 jeden Monat 100 € – aber nur zehn Jahre lang. Danach zahlt sie nichts mehr ein und lässt das Geld bis 67 liegen. Insgesamt zahlt sie 12.000 € ein.

Ben beginnt erst mit 35, spart dann aber 32 Jahre lang jeden Monat 100 € bis 67. Er zahlt 38.400 € ein.

Bei angenommenen 6 % pro Jahr hat Anna mit 67 rund 104.900 €, Ben rund 112.000 €. Ben hat mehr als dreimal so viel eingezahlt, kommt aber nur auf ein etwas höheres Ergebnis. Annas Vorsprung: zehn Jahre mehr Zeit für den Zinseszins.

Die Lehre daraus ist nicht, dass man nach zehn Jahren aufhören sollte – sondern dass jedes Jahr, das du früher beginnst, enorm viel wert ist.

Was den Zinseszins bestimmt

  • Zeit: Der wichtigste Faktor. Die Kurve wird mit jedem Jahr steiler.
  • Rendite: Ein oder zwei Prozentpunkte Unterschied machen über Jahrzehnte einen großen Unterschied.
  • Regelmäßige Einzahlungen: Jeder neue Betrag beginnt seinen eigenen Zinseszins-Kreislauf.
  • Wiederanlage: Nur wer Erträge im Depot lässt, profitiert vollständig.

Wenn der Zinseszins gegen dich arbeitet

Der Effekt wirkt nicht nur bei Erträgen, sondern auch bei Kosten, Schulden und Inflation:

  • Kosten: 10.000 € wachsen bei 6 % Bruttorendite und 0,2 % Kosten in 30 Jahren auf rund 54.300 €. Bei 1,5 % Kosten sind es nur rund 37.500 € – fast 17.000 € weniger.
  • Schulden: Wer Zinsen auf dem Dispo nicht tilgt, zahlt Zinsen auf Zinsen. Kreditkarten-Teilzahlung ist das Paradebeispiel.
  • Inflation: Sie wirkt wie ein umgekehrter Zinseszins auf dein Erspartes. Mehr dazu im Ratgeber Kaufkraftverlust berechnen.
Keine Garantie

Bei Aktien und ETFs ist die Rendite nicht fest. Die Rechenbeispiele mit konstanter Rendite zeigen das Prinzip, nicht die tatsächliche Entwicklung. In manchen Jahren fallen die Kurse, in anderen steigen sie stark.

Wie oft wird verzinst?

Neben Zinssatz und Laufzeit spielt eine Rolle, wie oft die Zinsen gutgeschrieben werden. Werden sie monatlich statt jährlich gutgeschrieben, verzinsen sie sich schon im Laufe des Jahres mit. Der tatsächliche Ertrag pro Jahr ist dadurch etwas höher als der Nominalzins.

Beispiel

Ein Tagesgeld mit 3 % Nominalzins und monatlicher Zinsgutschrift bringt effektiv rund 3,04 % pro Jahr. Bei 10.000 € sind das etwa 304 € statt 300 €. Der Unterschied ist klein, wächst über viele Jahre aber mit.

Bei Krediten wirkt derselbe Effekt gegen dich. Deshalb ist für den Vergleich von Krediten der effektive Jahreszins maßgeblich, nicht der Sollzins.

Zinseszins in der Entnahmephase

Auch wenn du im Ruhestand Geld aus dem Depot entnimmst, arbeitet der Zinseszins weiter – auf dem Teil, der noch angelegt ist. Deshalb reicht ein Vermögen oft länger als die einfache Rechnung „Kapital geteilt durch Jahresbedarf“ vermuten lässt.

Beispiel

Wer 200.000 € hat und jedes Jahr 12.000 € entnimmt, käme ohne Erträge rund 17 Jahre aus. Bringt das verbleibende Vermögen 4 % pro Jahr, reicht es etwa 28 Jahre. Vereinfachte Rechnung ohne Steuern und Inflation.

Wichtig ist dabei die Reihenfolge der Renditen: Ein Börsencrash direkt zu Beginn der Entnahmephase wirkt stärker als einer viele Jahre später. Viele halten deshalb im Ruhestand einen Puffer in sicheren Anlagen.

So nutzt du den Zinseszins für dich

  1. Früh anfangen: Schon kleine Beträge haben dann Jahrzehnte Zeit zu wachsen.
  2. Erträge wieder anlegen: Thesaurierende ETFs erledigen das automatisch.
  3. Kosten senken: Jeder Zehntelprozentpunkt weniger Kosten bleibt im Depot und wächst mit.
  4. Nicht unterbrechen: Wer in Krisen verkauft und später wieder einsteigt, verpasst oft die stärksten Erholungstage.
  5. Teure Schulden zuerst tilgen: Dort wirkt der Zinseszins mit voller Kraft gegen dich.

Begriffe kurz erklärt

Nominalzins
Der vereinbarte Zinssatz pro Jahr, ohne Berücksichtigung der Zinsgutschriften im Jahr.
Effektivzins
Der tatsächliche Ertrag oder die tatsächlichen Kosten pro Jahr, einschließlich Zinseszinseffekt und Gebühren.
Thesaurierung
Automatische Wiederanlage von Erträgen.
Rendite
Gesamtertrag einer Geldanlage in Prozent pro Jahr.
72er-Regel
Faustformel: 72 geteilt durch den Zinssatz ergibt ungefähr die Jahre bis zur Verdopplung.

Zinseszins und Inflation zusammen denken

Die Beispiele oben rechnen in nominalen Euro. Was du dir am Ende davon kaufen kannst, hängt aber auch von der Inflation ab. Wer real rechnen will, zieht die Inflation von der Rendite ab.

Beispiel

10.000 € wachsen bei 6 % pro Jahr in 30 Jahren auf rund 57.400 €. Bei 2 % Inflation entspricht das in heutiger Kaufkraft rund 31.700 € – immer noch mehr als das Dreifache des eingesetzten Betrags, aber deutlich weniger, als die nominale Zahl vermuten lässt.

Für die Planung von Zielen wie der Altersvorsorge ist die reale Rechnung die ehrlichere. Sie zeigt auch, warum Geld auf dem Girokonto ohne Zinsen über Jahrzehnte so viel an Wert verliert.

Häufige Fragen

Gibt es den Zinseszins auch beim Sparbuch?

Ja, die Zinsen werden in der Regel einmal im Jahr gutgeschrieben und dann mitverzinst. Weil Sparbuchzinsen meist sehr niedrig sind, ist der Effekt allerdings gering und liegt oft unter der Inflation.

Wie genau ist die 72er-Regel?

Für Zinssätze zwischen etwa 2 und 10 % ist sie recht genau. Bei 6 % ergibt sie 12 Jahre, tatsächlich sind es knapp 11,9 Jahre.

Gibt es den Zinseszins auch beim Tagesgeld?

Ja. Die Zinsen werden meist monatlich oder quartalsweise gutgeschrieben und dann mitverzinst. Bei den üblichen Tagesgeldzinsen ist der Effekt aber gering.

Wirkt der Zinseszins auch bei ausschüttenden ETFs?

Nur, wenn du die Ausschüttungen selbst wieder anlegst. Bei thesaurierenden ETFs geschieht das automatisch.

Mindern Steuern den Zinseszins?

Ja, denn versteuerte Erträge stehen nicht mehr zur Wiederanlage zur Verfügung. Bei Aktien-ETFs wird ein großer Teil der Steuer aber erst beim Verkauf fällig, sodass der Zinseszins lange auf dem vollen Betrag wirkt.

Quellen: Eigene Berechnungen (jährliche bzw. monatliche Verzinsung, gerundet), Verbraucherzentrale. Keine Anlageberatung.