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Immobilien als Geldanlage: Lohnt sich Betongold?

Eine vermietete Wohnung kann ein solider Baustein für den Vermögensaufbau sein – wenn Kaufpreis, Miete und Finanzierung zusammenpassen. Hier erfährst du, wie du rechnest, welche Kosten oft unterschätzt werden und welche Risiken du kennen solltest.

Dein FahrplanSchritt 5 von 7: Investieren

Auf einen Blick

  1. Entscheidend ist die Nettomietrendite – nach Kaufnebenkosten und nicht umlagefähigen Kosten.
  2. Kaufnebenkosten machen je nach Bundesland oft 10 % und mehr des Kaufpreises aus.
  3. Ein Kredit kann die Rendite auf dein Eigenkapital erhöhen, aber auch das Risiko.
  4. Nach zehn Jahren Haltedauer ist der Verkaufsgewinn einer vermieteten Immobilie steuerfrei.
  5. Eine Immobilie konzentriert viel Vermögen auf ein einziges Objekt – das ist das größte Risiko.
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Brutto- und NettomietrenditeWohnung für 300.000 €, 900 € Kaltmiete
Bruttomietrendite3,6 %Nettomietrenditenach Kostenrund 2,8 %

Netto: 10 % Kaufnebenkosten und 1.500 € nicht umlegbare Kosten im Jahr eingerechnet.

Deine Strategie in drei Zügen

Dein nächster Zug

  1. 1

    Ehrlich rechnen

    Berechne die Mietrendite nach allen Kosten, nicht nur brutto.

  2. 2

    Finanzierung prüfen

    Plane Eigenkapital, Zinsbindung und eine Rücklage für Reparaturen ein.

  3. 3

    Alternativen abwägen

    Vergleiche mit breit gestreuten Anlagen wie Aktien- oder Immobilien-ETFs.

Schritt 5 von 7 im Finanz-Fahrplan: Investieren.

Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 13 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen

Selbst nutzen oder vermieten?

Bei der Immobilie als Geldanlage geht es um eine Kapitalanlage: Du kaufst eine Wohnung oder ein Haus, um es zu vermieten. Die Mieteinnahmen sollen Finanzierung und Kosten decken, langfristig soll Vermögen entstehen. Davon zu unterscheiden ist die selbst genutzte Immobilie: Sie bringt keine Miete, spart aber Miete und kann im Alter die Wohnkosten senken. Sie ist eher eine Konsum- und Lebensentscheidung als eine reine Geldanlage.

Kaufnebenkosten: Der unterschätzte Posten

PostenHöhe
Grunderwerbsteuer3,5 bis 6,5 % je nach Bundesland
Notar und Grundbuchrund 1,5 bis 2 %
Makler (falls beauftragt)häufig bis zu rund 3,57 % für den Käufer

Zusammen kommen schnell 10 % und mehr des Kaufpreises zusammen. Diese Kosten sind verloren, sie erhöhen nicht den Wert der Immobilie. Banken finanzieren sie in der Regel nicht oder nur zu höheren Zinsen – sie sollten aus Eigenkapital bezahlt werden.

So berechnest du die Mietrendite

Bruttomietrendite = Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis × 100Grober erster Filter, ohne Nebenkosten.
Nettomietrendite = (Jahreskaltmiete − nicht umlagefähige Kosten) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten) × 100Die aussagekräftigere Kennzahl.
Beispiel

Eine Wohnung kostet 300.000 €, die Kaltmiete beträgt 900 € im Monat, also 10.800 € im Jahr. Die Bruttomietrendite liegt bei 3,6 %.

Mit 10 % Kaufnebenkosten steigen die Gesamtkosten auf 330.000 €. Für Verwaltung, Instandhaltungsrücklage und Mietausfallrisiko setzt der Käufer 1.500 € im Jahr an, die er nicht auf den Mieter umlegen kann. Die Nettomietrendite beträgt damit (10.800 − 1.500) ÷ 330.000 = 2,8 %.

Eine weitere verbreitete Kennzahl ist der Kaufpreisfaktor: Kaufpreis geteilt durch Jahreskaltmiete. Im Beispiel liegt er bei knapp 28 – die Wohnung kostet also fast 28 Jahresmieten. Je niedriger der Faktor, desto günstiger ist die Immobilie im Verhältnis zur Miete.

Zum Mietrendite-Rechner

Laufende Kosten und Risiken

  • Instandhaltung: Dach, Heizung, Fenster und Leitungen müssen irgendwann erneuert werden. Bei Eigentumswohnungen fließt ein Teil über das Hausgeld in die Rücklage der Eigentümergemeinschaft.
  • Nicht umlagefähige Kosten: Verwaltungskosten und Instandhaltung trägt der Vermieter, nicht der Mieter.
  • Leerstand und Mietausfall: Zwischen zwei Mietern kann die Wohnung leer stehen, und nicht jeder Mieter zahlt zuverlässig.
  • Regulierung: Mietpreisbremse, Kappungsgrenzen und energetische Vorgaben beeinflussen Einnahmen und Kosten.
  • Klumpenrisiko: Ein großer Teil deines Vermögens steckt in einem einzigen Objekt an einem Ort.

Finanzierung und Hebeleffekt

Die meisten Kapitalanleger finanzieren einen großen Teil des Kaufpreises mit einem Kredit. Liegt die Rendite der Immobilie über dem Kreditzins, steigt die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital – das nennt man Hebeleffekt. Liegt sie darunter, wirkt der Hebel umgekehrt und kostet Geld.

In Zeiten niedriger Zinsen war der Hebel ein starkes Argument für vermietete Immobilien. Mit gestiegenen Bauzinsen ist die Rechnung deutlich knapper geworden. Achte auf eine lange Zinsbindung, damit eine spätere Anschlussfinanzierung nicht zur bösen Überraschung wird, und rechne verschiedene Zinsszenarien durch.

Cashflow im Blick behalten

Viele Kapitalanlagen bringen in den ersten Jahren keinen Überschuss, sondern kosten monatlich Geld aus eigener Tasche. Plane einen ausreichenden Puffer ein, damit Leerstand oder Reparaturen dich nicht in Schwierigkeiten bringen.

Steuern bei vermieteten Immobilien

  • Mieteinnahmen versteuerst du mit deinem persönlichen Steuersatz.
  • Abziehbar sind unter anderem Kreditzinsen, Verwaltungskosten, Reparaturen und die Abschreibung.
  • Abschreibung (AfA): Der Gebäudeanteil des Kaufpreises wird über die Jahre abgeschrieben, bei Wohngebäuden in der Regel mit 2 % pro Jahr, bei Neubauten ab 2023 mit 3 %. Der Grundstücksanteil wird nicht abgeschrieben.
  • Verkauf: Gewinne aus dem Verkauf einer vermieteten Immobilie sind nach zehn Jahren Haltedauer steuerfrei.

Weil Steuerfragen bei Immobilien schnell komplex werden, lohnt sich vor dem Kauf ein Gespräch mit einer Steuerberatung.

Alternativen: REITs und Immobilien-ETFs

Wer an Immobilien beteiligt sein möchte, ohne selbst zu vermieten, kann über REITs (börsennotierte Immobiliengesellschaften) oder Immobilien-ETFs investieren. Das geht schon mit kleinen Beträgen, ist breit gestreut und jederzeit handelbar. Dafür schwanken die Kurse ähnlich wie bei Aktien und reagieren empfindlich auf Zinsänderungen.

Checkliste vor dem Kauf

  • Nettomietrendite und Kaufpreisfaktor berechnet?
  • Kaufnebenkosten aus Eigenkapital gedeckt?
  • Lage, Zustand und Energieeffizienz geprüft, Gutachter beauftragt?
  • Bei Eigentumswohnungen: Protokolle der Eigentümerversammlung und Höhe der Rücklage gelesen?
  • Finanzierung mit langer Zinsbindung und Zinsszenarien durchgerechnet?
  • Puffer für Leerstand und Reparaturen eingeplant?
  • Notgroschen und übrige Altersvorsorge bleiben unangetastet?

Besonderheiten bei Eigentumswohnungen

Wer eine Eigentumswohnung kauft, wird Mitglied einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Über gemeinsame Angelegenheiten wie Dach, Fassade oder Heizung entscheidet die Eigentümerversammlung. Das hat Folgen für dich als Kapitalanleger:

  • Hausgeld: Jeden Monat zahlst du ein Hausgeld für Verwaltung, Gemeinschaftskosten und die Rücklage. Ein Teil davon ist auf den Mieter umlegbar, ein Teil nicht.
  • Erhaltungsrücklage: Eine zu niedrige Rücklage kann bei anstehenden Sanierungen zu hohen Sonderumlagen führen.
  • Protokolle lesen: Die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen zeigen, welche Maßnahmen geplant sind und ob es Streit gibt.
  • Teilungserklärung: Sie regelt, was zu deiner Wohnung gehört und welche Rechte und Pflichten du hast.

Und die eigene Wohnung?

Viele Menschen fragen sich nicht, ob sie eine Wohnung vermieten sollen, sondern ob sie selbst kaufen oder weiter mieten sollen. Diese Entscheidung hängt von Kaufpreis, Miete, Zinsen, Eigenkapital und der Frage ab, wie lange du am Ort bleiben möchtest. Als Faustregel gilt: Je höher der Kaufpreisfaktor im Verhältnis zur Miete, desto eher lohnt sich Mieten und das Investieren der Differenz. Ein eigener Ratgeber mit Rechner zum Vergleich „Mieten oder kaufen“ ist in Vorbereitung.

Lage, Lage, Lage – und was sonst zählt

  • Mikrolage: Lärm, Nachbarschaft, Infrastruktur, Anbindung.
  • Makrolage: Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung der Region.
  • Zustand und Energieeffizienz: Ein schlechter Energieausweis kann künftig hohe Sanierungskosten bedeuten.
  • Vermietbarkeit: Grundriss, Größe und Ausstattung bestimmen, wie leicht sich Mieter finden lassen.

Begriffe kurz erklärt

Kaufpreisfaktor
Kaufpreis geteilt durch Jahreskaltmiete.
Mietrendite
Jahresmiete im Verhältnis zum Kaufpreis, brutto oder nach Kosten netto.
Hausgeld
Monatliche Zahlung von Wohnungseigentümern an die Gemeinschaft.
AfA
Absetzung für Abnutzung: steuerliche Abschreibung des Gebäudewerts.
Zinsbindung
Zeitraum, in dem der Kreditzins fest vereinbart ist.
Leverage
Hebeleffekt durch den Einsatz von Fremdkapital.

Häufige Fragen

Sollte ich die erste Immobilie über eine GmbH kaufen?

Für die meisten Privatanleger mit einer oder wenigen Wohnungen nicht. Eine Gesellschaft bringt zusätzliche Kosten und Pflichten mit sich. Ab einem größeren Bestand kann sie steuerlich interessant sein – hier ist eine Steuerberatung unverzichtbar.

Wie viel Eigenkapital brauche ich?

Mindestens die Kaufnebenkosten, besser zusätzlich 10 bis 20 % des Kaufpreises. Mehr Eigenkapital bedeutet meist bessere Zinsen und weniger Risiko.

Was ist eine gute Mietrendite?

Das hängt von Lage und Zinsniveau sowie von Zustand und Entwicklungspotenzial ab. Wichtig ist, dass die Nettorendite deutlich über dem Kreditzins liegt und der Cashflow tragbar ist.

Sind Immobilien sicherer als Aktien?

Sie schwanken weniger sichtbar, weil es keinen täglichen Kurs gibt. Dafür sind sie kaum teilbar, schwer schnell zu verkaufen und konzentrieren das Vermögen. Die Preise können ebenfalls fallen, wie in Deutschland 2023.

Quellen: Grunderwerbsteuergesetze der Länder, § 7 EStG (Abschreibung), § 23 EStG (Spekulationsfrist), §§ 656a ff. BGB (Maklerkosten), Statistisches Bundesamt (Häuserpreisindex). Beispiel stark vereinfacht. Keine Anlage- oder Steuerberatung.