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Goldstandard und Bretton Woods: Warum unser Geld ungedeckt ist

Über Jahrhunderte galt: Hinter gutem Geld steht Gold. Heute ist kein Euro und kein Dollar mehr in Gold eintauschbar. Wie kam es dazu? Hier erfährst du, wie der Goldstandard funktionierte, warum er in Krisen versagte, was das System von Bretton Woods war und warum es 1971 zusammenbrach.

Dein FahrplanGrundwissen für alle 7 Schritte

Auf einen Blick

  1. Beim Goldstandard war eine Währung zu einem festen Preis in Gold umtauschbar. Die Geldmenge hing an den Goldreserven.
  2. Der klassische Goldstandard brachte stabile Preise auf lange Sicht, aber auch Deflation und harte Krisen.
  3. Das Bretton-Woods-System band ab 1944 die Währungen an den Dollar und den Dollar an Gold: 35 Dollar je Feinunze.
  4. Am 15. August 1971 beendeten die USA die Goldeinlösung. Seitdem leben wir mit ungedecktem Geld, dem Fiatgeld.
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Vom Gold zum FiatgeldWichtige Jahre der Golddeckung
1821Goldstandardin England1873Goldmark1944BrettonWoods1971Ende derEinlösung1973FlexibleKurse

Unter Bretton Woods galten 35 Dollar je Feinunze Gold.

Deine Strategie in drei Zügen

Dein nächster Zug

  1. 1

    Fiatgeld einordnen

    Unser Geld ist durch Vertrauen gedeckt, nicht durch Gold.

  2. 2

    Inflation einplanen

    Rechne mit langsamem Kaufkraftverlust über die Jahrzehnte.

  3. 3

    Gold dosieren

    Nutze Gold höchstens als kleine Beimischung, nicht als ganze Strategie.

Grundwissen für alle Schritte im Finanz-Fahrplan.

Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 11 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen

Das Prinzip des Goldstandards

Unter einem Goldstandard legt ein Staat fest, wie viel Gold eine Einheit seiner Währung wert ist. Jeder kann seine Banknoten bei der Zentralbank in Gold umtauschen. Die Zentralbank darf deshalb nur so viel Geld ausgeben, wie sie mit Gold decken kann – oder zumindest einen festen Anteil davon.

Weil alle wichtigen Währungen an Gold gebunden waren, standen auch die Wechselkurse fest. Ein britisches Pfund entsprach einer bestimmten Menge Gold, eine Mark einer anderen. Der Handel zwischen Ländern wurde dadurch planbar.

Der klassische Goldstandard bis 1914

Großbritannien nutzte seit dem 18. Jahrhundert faktisch einen Goldstandard, gesetzlich ab 1821. Nach der Reichsgründung führte Deutschland 1871 bis 1873 die Goldmark ein, viele andere Länder folgten. Bis zum Ersten Weltkrieg funktionierte das System recht stabil. Die Preise schwankten, blieben aber über Jahrzehnte im Mittel weitgehend gleich.

Der Mechanismus regelte Ungleichgewichte automatisch: Importierte ein Land mehr, als es exportierte, floss Gold ab. Die Geldmenge schrumpfte, Preise und Löhne sanken, bis das Land wieder wettbewerbsfähig war. Was in der Theorie elegant klingt, bedeutete in der Praxis Arbeitslosigkeit und sinkende Löhne.

Krieg, Weltwirtschaftskrise und das Ende des Goldstandards

Im Ersten Weltkrieg setzten die meisten Länder die Goldeinlösung aus, um den Krieg mit frisch gedrucktem Geld zu finanzieren. Nach dem Krieg versuchte man eine Rückkehr, oft zu überhöhten Kursen. In der Weltwirtschaftskrise ab 1929 zeigte sich die Schwäche des Systems: Wer am Gold festhielt, konnte die Geldmenge nicht ausweiten, um die Wirtschaft zu stützen. Großbritannien gab den Goldstandard 1931 auf, die USA werteten 1934 den Dollar gegenüber Gold ab. Studien zeigen: Länder, die den Goldstandard früher verließen, erholten sich schneller.

Bretton Woods 1944

Noch während des Zweiten Weltkriegs trafen sich im Juli 1944 Vertreter von 44 Staaten im Ort Bretton Woods in den USA. Sie wollten eine stabile Weltwährungsordnung für die Nachkriegszeit schaffen. Das Ergebnis:

  • Der US-Dollar wurde zur Leitwährung. Die USA verpflichteten sich, Dollar von ausländischen Zentralbanken jederzeit zu 35 Dollar pro Feinunze in Gold umzutauschen.
  • Alle anderen Währungen wurden zu festen Kursen an den Dollar gebunden. Die D-Mark lag lange bei 4,20 DM je Dollar.
  • Zur Stabilisierung wurden der Internationale Währungsfonds und die Weltbank gegründet.

Das System trug das Wirtschaftswunder mit: feste Wechselkurse, freier Handel, kräftiges Wachstum.

Warum Bretton Woods scheiterte

Das System hatte einen eingebauten Widerspruch, das sogenannte Triffin-Dilemma: Die Welt brauchte immer mehr Dollar für Handel und Reserven. Die USA lieferten sie durch Defizite. Je mehr Dollar es gab, desto weniger glaubhaft wurde das Versprechen, alle in Gold umzutauschen. In den 1960er-Jahren finanzierten die USA zudem den Vietnamkrieg und Sozialprogramme, die Inflation stieg. Länder wie Frankreich tauschten zunehmend Dollar in Gold.

Am 15. August 1971 verkündete US-Präsident Richard Nixon, dass die USA ausländischen Zentralbanken kein Gold mehr gegen Dollar aushändigen. Nach einem kurzen Rettungsversuch gaben die großen Länder 1973 die festen Wechselkurse auf. Seitdem bilden sich die Kurse am Markt.

Die wichtigsten Daten

JahrEreignis
1821Großbritannien führt den Goldstandard gesetzlich ein
1871 bis 1873Goldmark im Deutschen Reich
1914Aussetzung der Goldeinlösung im Ersten Weltkrieg
1931Großbritannien verlässt den Goldstandard
1944Bretton-Woods-Abkommen, 35 Dollar je Unze
1971Ende der Goldeinlösung des Dollars
1973Übergang zu flexiblen Wechselkursen

Fiatgeld: Wovon hängt sein Wert ab?

Heute ist Geld Fiatgeld, von lateinisch „fiat“, es werde. Es hat keinen eigenen Materialwert und ist nicht in Gold eintauschbar. Sein Wert beruht auf drei Dingen: dass der Staat es als gesetzliches Zahlungsmittel festlegt und Steuern darin verlangt, dass Menschen darauf vertrauen, es auch morgen gegen Waren tauschen zu können, und dass eine unabhängige Zentralbank die Geldmenge so steuert, dass die Preise stabil bleiben.

Der Vorteil: Zentralbanken können in Krisen reagieren, etwa die Zinsen senken oder Banken mit Liquidität versorgen. Der Nachteil: Die Disziplin hängt an Institutionen statt an einem Metall. Wie die Zentralbanken das heute machen, erklärt Zentralbanken erklärt.

Brauchen wir den Goldstandard zurück?

Befürworter argumentieren, Gold würde Staaten zur Haushaltsdisziplin zwingen und Inflation verhindern. Die meisten Ökonomen halten eine Rückkehr für keine gute Idee: Die Goldmenge wächst unabhängig vom Bedarf der Wirtschaft, Krisen könnten nicht abgefedert werden, und Länder mit großen Goldminen hätten unverhältnismäßigen Einfluss. Zentralbanken halten trotzdem weiter Gold als Reserve. Die Bundesbank besitzt rund 3.350 Tonnen, die zweitgrößten Goldreserven der Welt.

Was das für dich bedeutet

Fiatgeld verliert über die Zeit an Kaufkraft, wenn auch meist langsam. Wer Vermögen langfristig erhalten will, sollte es deshalb nicht nur auf dem Konto lassen, sondern in Sachwerte wie Aktien investieren. Gold kann als kleine Beimischung sinnvoll sein. Mehr dazu unter Gold als Geldanlage und Inflationsschutz.

Begriffe kurz erklärt

Goldstandard
Währungsordnung, bei der Geld zu einem festen Preis in Gold umtauschbar ist.
Leitwährung
Währung, an der sich andere Währungen orientieren und in der Reserven gehalten werden.
Triffin-Dilemma
Widerspruch, dass eine Leitwährung für die Welt immer mehr Geld liefern muss und dadurch ihre Deckung untergräbt.
Fiatgeld
Geld ohne Warendeckung, dessen Wert auf Vertrauen und staatlicher Festlegung beruht.
Feinunze
Gewichtseinheit für Edelmetalle, rund 31,1 Gramm.

Häufige Fragen

Was ist der Internationale Währungsfonds heute?

Der IWF überwacht die Weltwirtschaft, berät Mitgliedsländer und vergibt in Krisen Kredite gegen Reformauflagen. Er hat heute rund 190 Mitglieder.

Warum durften Amerikaner in den 1930ern kein Gold besitzen?

1933 verpflichtete die US-Regierung Bürger, ihr Gold an die Zentralbank abzugeben, um die Geldmenge ausweiten zu können. Das Verbot des privaten Goldbesitzes galt bis 1974.

Was war der Smithsonian-Vertrag?

Ein Rettungsversuch im Dezember 1971: Der Dollar wurde gegenüber Gold und anderen Währungen abgewertet, die festen Kurse sollten bleiben. Er hielt nur bis 1973.

Ist der Euro durch Gold gedeckt?

Nein. Die Zentralbanken des Euroraums halten zwar Goldreserven, der Euro ist aber nicht in Gold eintauschbar.

Wo liegt das deutsche Gold?

Gut die Hälfte in Frankfurt, große Teile in New York und ein kleinerer Teil in London. Die Bundesbank hat bis 2017 einen Teil aus Paris und New York zurückgeholt.

Wie viel ist der Goldpreis seit 1971 gestiegen?

Von 35 Dollar je Unze auf ein Vielfaches davon. Ein großer Teil davon spiegelt die Inflation des Dollars wider.

Ist Bitcoin ein neuer Goldstandard?

Bitcoin hat wie Gold eine begrenzte Menge. Als Grundlage einer Währungsordnung fehlen ihm aber Stabilität und breite Akzeptanz.

Gab es nach 1971 weitere feste Wechselkurse?

Ja, in Europa. Das Europäische Währungssystem verband ab 1979 die Kurse vieler EG-Währungen und war ein Vorläufer des Euro.

Quellen: Deutsche Bundesbank (Goldreserven, Geldmuseum), Internationaler Währungsfonds, Barry Eichengreen, „Golden Fetters“ (1992), Robert Triffin, „Gold and the Dollar Crisis“ (1960). Keine Anlageberatung.