Auf einen Blick
- Rentenlücke = benötigtes Nettoeinkommen im Alter minus erwartete Nettorente.
- Die Werte aus der Renteninformation sind Bruttowerte. Kranken- und Pflegeversicherung und gegebenenfalls Steuern gehen noch ab.
- Rechne alles in heutiger Kaufkraft, sonst unterschätzt du die Inflation.
- Aus der Lücke ergibt sich das nötige Kapital – und daraus die monatliche Sparrate.
Buchtipps
AnzeigeDas einzige Buch, das Sie über Finanzen lesen sollten
Locker geschrieben von den Finanzfluss-Gründern: Budget, Notgroschen, ETFs und Altersvorsorge in einem Buch.
Bei Amazon ansehen*Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs
Der Klassiker zum passiven Investieren: warum breit gestreute Indexfonds auf lange Sicht so schwer zu schlagen sind.
Bei Amazon ansehen*
* Affiliate-Link zu Amazon. Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.
- Heutiges Nettoeinkommen
- Gesetzliche Rente netto
- Rentenlücke
Beispiel Markus, 37 Jahre: Ihm fehlen im Alter 660 € im Monat, in heutiger Kaufkraft.
Dein nächster Zug
- 1
Renteninfo holen
Nimm deine letzte Renteninformation zur Hand.
- 2
Bedarf schätzen
Schätze deine Ausgaben im Ruhestand und rechne die Inflation ein.
- 3
Sparrate ableiten
Rechne aus, welche monatliche Sparrate die Lücke schließt.
Schritt 6 von 7 im Finanz-Fahrplan: Fürs Alter vorsorgen.
Ausführlicher Ratgeber7 Min. Lesezeit · 11 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen
Schritt 1: Bedarf im Alter schätzen
Wie viel Geld du im Ruhestand brauchst, hängt von deinem Lebensstil ab. Eine verbreitete Faustregel lautet: 70 bis 80 % des heutigen Nettoeinkommens. Manche Ausgaben fallen weg, etwa Fahrtkosten zur Arbeit oder die Sparrate für die Altersvorsorge. Andere steigen, etwa für Gesundheit, Reisen oder Hobbys.
Genauer wird es, wenn du deine heutigen Ausgaben durchgehst und überlegst, was sich im Alter ändert:
- Wohnst du mietfrei in einer abbezahlten Immobilie? Dann sinkt der Bedarf deutlich.
- Sind die Kinder aus dem Haus? Dann fallen viele Kosten weg.
- Planst du viele Reisen oder teure Hobbys? Dann steigt der Bedarf.
Schritt 2: Nettorente ermitteln
Deine voraussichtliche gesetzliche Rente steht in der Renteninformation, die du ab 27 Jahren jährlich bekommst. Nimm den Wert für die hochgerechnete Rente bei Erreichen der Regelaltersgrenze. Das ist ein Bruttobetrag. Davon gehen ab:
- Kranken- und Pflegeversicherung: Je nach Kasse und Kinderzahl rund 12 bis 13 % der Bruttorente (Stand 2026).
- Einkommensteuer: Steuerpflichtig ist ein Anteil der Rente, der vom Jahr des Rentenbeginns abhängt und für jeden neuen Rentnerjahrgang steigt. Ob tatsächlich Steuer anfällt, hängt von deinen gesamten Einkünften und dem Grundfreibetrag ab.
Hinzu kommen weitere Renten, etwa aus einer betrieblichen Altersvorsorge oder aus bestehenden Verträgen. Auch diese sind meist nicht vollständig netto.
Prüfe, ob alle Zeiten erfasst sind – Ausbildung, Studium, Kindererziehung, Arbeitslosigkeit. Fehlende Zeiten kannst du bei der Deutschen Rentenversicherung nachmelden. Das kann die Rente erhöhen.
Schritt 3: Inflation berücksichtigen
Die Renteninformation rechnet in heutigen Werten, aber ohne künftige Rentenanpassungen. Gleichzeitig werden auch deine Ausgaben in der Zukunft steigen. Am einfachsten ist es, alles in heutiger Kaufkraft zu rechnen: Bedarf in heutigen Euro, Rente in heutigen Euro. So vermeidest du, Zahlen aus verschiedenen Jahrzehnten zu vermischen.
Wer stattdessen in künftigen Euro rechnen möchte, muss Bedarf und Rente mit einer angenommenen Inflations- und Rentensteigerungsrate hochrechnen. Bei 2 % Inflation brauchst du in 30 Jahren für die Kaufkraft von heute 2.000 € rund 3.620 €.
Schritt 4: Lücke und Kapitalbedarf ausrechnen
Die Lücke musst du über viele Jahre aus eigenem Vermögen schließen. Wie viel Kapital du dafür zum Rentenbeginn brauchst, hängt davon ab, wie lange die Rentenphase dauert und ob das Kapital in dieser Zeit noch Rendite bringt.
Das komplette Rechenbeispiel
Bedarf: 80 % von 2.800 € = 2.240 € im Monat.
Rente: Laut Renteninformation 1.900 € brutto. Abzüglich rund 12,5 % für Kranken- und Pflegeversicherung und einer geschätzten Steuer von 80 € bleiben rund 1.580 € netto.
Rentenlücke: 2.240 € − 1.580 € = 660 € im Monat, in heutiger Kaufkraft.
Kapitalbedarf: Für 25 Jahre Rentenphase und angenommene 2 % reale Rendite in dieser Zeit braucht Markus zum Rentenbeginn rund 156.000 € in heutiger Kaufkraft.
Sparrate: Bis 67 bleiben ihm 30 Jahre. Bei angenommenen 4 % realer Rendite pro Jahr (etwa 6 % nominal minus 2 % Inflation) muss er dafür rund 230 € im Monat anlegen – und diesen Betrag jedes Jahr mit der Inflation erhöhen.
Stark vereinfachte Rechnung ohne Steuern auf Kapitalerträge. Keine Garantie für Renditen.
So schließt du die Lücke
- Betriebliche Altersvorsorge: Besonders attraktiv, wenn der Arbeitgeber einen hohen Zuschuss zahlt.
- ETF-Sparplan: Flexibel, günstig und mit langfristig hohen Renditechancen.
- Geförderte Vorsorge: Je nach Situation, etwa für Familien oder Selbstständige.
- Länger arbeiten oder Teilzeit im Alter: Jedes zusätzliche Arbeitsjahr erhöht die Rente und verkürzt die Rentenphase.
- Wohnkosten senken: Eine bis zur Rente abbezahlte Immobilie reduziert den Bedarf.
Mehr zu allen Bausteinen im Ratgeber Altersvorsorge: Alle Möglichkeiten.
Rentenlücke für Paare
Für Paare lohnt es sich, die Rechnung gemeinsam zu machen. Oft ist der Bedarf zu zweit pro Person geringer als allein, weil Miete und viele Fixkosten geteilt werden. Gleichzeitig unterscheiden sich die Renten der Partner häufig stark – vor allem, wenn einer wegen Kindern oder Pflege lange in Teilzeit gearbeitet hat.
- Gemeinsamen Bedarf schätzen: Was braucht ihr zusammen im Monat?
- Beide Nettorenten addieren: plus Betriebsrenten und andere Einkünfte.
- Den Ernstfall bedenken: Stirbt ein Partner, bleibt oft nur eine Witwen- oder Witwerrente von etwa 55 % der Rente des Verstorbenen – bei gleichzeitig kaum sinkenden Fixkosten.
- Fair ausgleichen: Wer weniger eigene Rentenansprüche aufbaut, sollte zusätzlich privat vorsorgen – idealerweise mit Unterstützung des Partners.
Typische Fehler bei der Rechnung
- Brutto mit netto verwechseln: Die Renteninformation zeigt Bruttowerte. Ohne Abzüge wirkt die Lücke kleiner, als sie ist.
- Inflation ignorieren: Wer heutige Ausgaben mit Renten in künftigen Euro vergleicht, verrechnet sich.
- Zu optimistische Renditen: Für die Planung lieber vorsichtig rechnen und positiv überrascht werden.
- Die Rentenphase unterschätzen: Viele Menschen leben deutlich länger als 85. Wer nur mit 15 Jahren Rente rechnet, kann später knapp werden.
- Einmalige Ausgaben vergessen: Ein neues Auto, eine Renovierung oder Pflegekosten fallen im Alter genauso an.
Wann solltest du die Rechnung machen?
Am besten jetzt – und dann alle zwei bis drei Jahre wieder. Mit 30 genügt eine grobe Schätzung, weil sich bis zur Rente noch viel ändert. Ab 45 wird die Rechnung genauer und wichtiger, weil die verbleibende Zeit zum Gegensteuern kürzer wird. Spätestens fünf bis zehn Jahre vor dem Ruhestand solltest du einen detaillierten Plan für die Rentenphase haben, inklusive der Frage, wann und wie du Vermögen entnimmst.
Begriffe kurz erklärt
- Bruttorente
- Rente vor Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern.
- Nettorente
- Der Betrag, der tatsächlich auf deinem Konto ankommt.
- Besteuerungsanteil
- Prozentsatz der gesetzlichen Rente, der steuerpflichtig ist. Er hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab.
- Rentenanpassung
- Jährliche Erhöhung der gesetzlichen Renten, orientiert an der Lohnentwicklung.
- Kaufkraft
- Was du dir für einen Geldbetrag tatsächlich kaufen kannst.
- Hinterbliebenenrente
- Rente für Ehe- oder eingetragene Lebenspartner und Kinder nach dem Tod eines Versicherten.
Häufige Fragen
Sollte ich mit 80 % oder 100 % meines Einkommens rechnen?
80 % sind eine gängige Orientierung. Wer im Alter viel reisen möchte, noch Miete zahlt oder hohe Gesundheitskosten erwartet, rechnet besser mit 90 bis 100 %. Im Zweifel ist eine vorsichtige Rechnung die sicherere.
Muss ich auf Betriebsrenten Krankenversicherung zahlen?
Ja, in der Regel. Für Betriebsrenten gilt aber ein Freibetrag, bis zu dem keine Krankenversicherungsbeiträge anfallen. Pflegeversicherungsbeiträge werden dagegen ab einer Freigrenze auf den gesamten Betrag erhoben.
Ich habe noch keine Renteninformation. Was nun?
Du kannst bei der Deutschen Rentenversicherung eine Rentenauskunft anfordern oder deinen Versicherungsverlauf online einsehen. Für eine grobe Schätzung hilft auch das Verhältnis aus deinem Gehalt zum Durchschnittsentgelt.
Wie oft sollte ich die Rechnung wiederholen?
Etwa alle zwei bis drei Jahre und bei größeren Veränderungen wie Jobwechsel, Teilzeit oder Familiengründung.
Was ist, wenn die Lücke riesig ist?
Nicht verzweifeln, sondern anfangen. Jede Sparrate verkleinert die Lücke. Zudem lassen sich Bedarf und Renteneintritt in gewissem Rahmen anpassen.
Quellen: Deutsche Rentenversicherung (Renteninformation, Rentenauskunft, Kontenklärung), § 22 EStG (Besteuerung von Renten), GKV-Spitzenverband (Beitragssätze). Beispiel stark vereinfacht, Werte gerundet. Keine Renten- oder Anlageberatung.