Auf einen Blick
- Grundregel: Versichere Risiken, die dich finanziell ruinieren könnten – nicht Schäden, die du aus eigener Tasche zahlen kannst.
- Eine Privathaftpflicht braucht jeder. Sie kostet oft weniger als 100 € im Jahr.
- Wer von seinem Einkommen lebt, sollte es mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung absichern.
- Familien und Immobilienkäufer brauchen zusätzlich eine Risikolebensversicherung.
- Handy-, Brillen- oder Reisegepäckversicherungen lohnen sich selten.
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Grundregel: Versichere, was dich finanziell ruinieren könnte.
Dein nächster Zug
- 1
Verträge sammeln
Lege alle Versicherungen mit Beitrag und Leistung nebeneinander.
- 2
Existenzrisiken zuerst
Schließe Lücken bei Haftpflicht und Berufsunfähigkeit.
- 3
Überflüssiges kündigen
Kündige Policen für Schäden, die du selbst bezahlen könntest.
Schritt 4 von 7 im Finanz-Fahrplan: Existenzrisiken absichern.
Ausführlicher Ratgeber11 Min. Lesezeit · 12 Abschnitte mit Beispielen, Begriffen und Fragen
Die wichtigste Regel
Eine Versicherung ist ein Geschäft, bei dem der Versicherer im Durchschnitt mehr einnimmt, als er auszahlt – sonst könnte er weder Verwaltung noch Vertrieb noch Gewinn finanzieren. Sie lohnt sich deshalb nur dort, wo ein Schaden deine Existenz bedrohen würde: hohe Schadensersatzforderungen, der Verlust deines Einkommens oder die Absicherung deiner Familie.
Kleine Schäden wie ein kaputtes Handy oder eine verlorene Brille kannst du besser aus deinem Notgroschen bezahlen. Auf lange Sicht sparst du so mehr, als du je an Leistungen bekommen hättest. Versicherungsexperten sprechen von der Unterscheidung zwischen existenziellen und ärgerlichen Risiken. Nur die ersten gehören zwingend versichert.
| Selten | Häufig | |
|---|---|---|
| Hoher Schaden | Unbedingt versichern (z. B. Haftpflicht, BU, Risikoleben) | Versichern und Vorsorge treffen (z. B. Krankenversicherung) |
| Kleiner Schaden | Selbst tragen (z. B. Brille, Handy) | Selbst tragen, im Budget einplanen |
Unverzichtbar: Diese Versicherungen braucht fast jeder
Privathaftpflicht
Sie zahlt, wenn du anderen versehentlich einen Schaden zufügst – vom Wasserschaden in der Nachbarwohnung bis zum Fahrradunfall mit Verletzten. Solche Forderungen können in die Millionen gehen, etwa wenn ein Mensch dauerhaft pflegebedürftig wird. Die Haftpflicht prüft außerdem, ob eine Forderung überhaupt berechtigt ist, und wehrt unberechtigte Ansprüche ab.
Verbraucherschützer empfehlen eine Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro. Wichtige Leistungen sind außerdem der Verlust fremder Schlüssel, Schäden an gemieteten Sachen und eine Forderungsausfalldeckung, die greift, wenn dir jemand einen Schaden zufügt und nicht zahlen kann. Paare und Familien können sich meist über einen gemeinsamen Vertrag absichern.
Kranken- und Pflegeversicherung
Sie ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Die meisten Angestellten sind automatisch in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung hat – etwa Beamte, Selbstständige oder Angestellte über der Versicherungspflichtgrenze –, sollte sie gründlich treffen: Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Kasse ist später oft schwierig, und die Beiträge in der privaten Versicherung hängen von Alter und Gesundheit ab, nicht vom Einkommen.
Berufsunfähigkeitsversicherung
Deine Arbeitskraft ist dein wertvollstes Gut: Bei 40.000 € Jahresgehalt verdienst du in 30 Berufsjahren über eine Million Euro. Die BU zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst. Häufigste Ursachen sind nicht Unfälle, sondern psychische Erkrankungen sowie Erkrankungen von Rücken und Gelenken. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht meist bei Weitem nicht und wird nur gezahlt, wenn du kaum noch irgendeine Arbeit ausüben kannst.
Als Faustregel sollte die BU-Rente etwa 70 bis 80 % deines Nettoeinkommens abdecken. Achte im Vertrag darauf, dass der Versicherer auf die sogenannte abstrakte Verweisung verzichtet – sonst könnte er dich auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch noch ausüben könntest.
Je jünger und gesünder du beim Abschluss bist, desto günstiger ist der Beitrag. Beantworte die Gesundheitsfragen vollständig und ehrlich, sonst kann der Versicherer später die Leistung verweigern. Bei Vorerkrankungen hilft eine anonyme Risikovoranfrage über einen unabhängigen Berater.
Kfz-Haftpflicht
Für jedes zugelassene Auto gesetzlich vorgeschrieben. Teil- oder Vollkasko sind freiwillig und lohnen sich vor allem bei neuen oder finanzierten Autos. Bei älteren Autos mit geringem Restwert kann die Vollkasko teurer sein als der mögliche Schaden. Die meisten Kfz-Verträge laufen bis zum 31. Dezember und können bis zum 30. November gekündigt werden – der Herbst ist deshalb die beste Zeit für einen Vergleich.
Berufsunfähigkeit: Worauf es im Vertrag ankommt
Die BU ist die komplexeste der wichtigen Versicherungen. Zwei Verträge mit ähnlichem Beitrag können im Ernstfall sehr unterschiedlich leisten. Diese Punkte solltest du prüfen:
- Verzicht auf abstrakte Verweisung: Der Versicherer darf dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch ausüben könntest.
- Laufzeit: Die Versicherung sollte möglichst bis zum Rentenbeginn laufen, also bis 65 oder 67. Kürzere Laufzeiten sind günstiger, lassen aber eine Lücke in den letzten Berufsjahren.
- Nachversicherungsgarantie: Bei Ereignissen wie Heirat, Geburt oder Gehaltssprung kannst du die Rente ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen.
- Prognosezeitraum: Gute Verträge zahlen bereits, wenn die Berufsunfähigkeit voraussichtlich sechs Monate andauert.
- Rückwirkende Leistung: Wird die Berufsunfähigkeit spät gemeldet, sollte der Versicherer trotzdem ab Beginn zahlen.
- Dynamik: Eine vereinbarte Steigerung der Rente schützt vor Kaufkraftverlust im Leistungsfall.
Die Beiträge hängen stark von Beruf, Eintrittsalter und Gesundheit ab. Wer körperlich arbeitet, zahlt deutlich mehr als jemand im Büro. Ist eine BU zu teuer oder wegen Vorerkrankungen nicht möglich, kommen Alternativen wie eine Erwerbsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsversicherung infrage – mit geringerem Schutz.
Risikoleben: Summe und Laufzeit richtig wählen
Die Risikolebensversicherung zahlt eine vereinbarte Summe, wenn die versicherte Person während der Laufzeit stirbt. Sie ist vergleichsweise günstig, weil sie nur das Todesfallrisiko abdeckt und kein Kapital anspart.
Jana und Tim haben zwei kleine Kinder und einen Immobilienkredit über 250.000 €. Tim verdient 50.000 € brutto im Jahr. Nach der Faustregel – drei bis fünf Bruttojahresgehälter plus offene Kredite – sollte Tim mit 400.000 bis 500.000 € abgesichert sein. Die Laufzeit orientiert sich daran, wann der Kredit abbezahlt ist und die Kinder finanziell selbstständig sind, hier etwa 20 Jahre.
Paare können sich gegenseitig über verbundene Verträge absichern. Oft ist es aber flexibler, wenn jeder Partner einen eigenen Vertrag hat. Wichtig ist außerdem, wer Versicherungsnehmer ist, denn davon hängt ab, ob für die Auszahlung Erbschaftsteuer anfällt.
Gesetzlich oder privat krankenversichert?
| Gesetzliche KV | Private KV | |
|---|---|---|
| Beitrag | Prozentsatz vom Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze | Abhängig von Alter, Gesundheit und Tarif |
| Familie | Kinder und Partner ohne Einkommen oft beitragsfrei mitversichert | Jedes Familienmitglied braucht einen eigenen Vertrag |
| Leistungen | Gesetzlich festgelegt | Vertraglich vereinbart, oft umfangreicher |
| Im Alter | Beitrag sinkt mit der Rente | Beiträge können deutlich steigen |
Wechseln können nur Selbstständige, Beamte und Angestellte über der Versicherungspflichtgrenze. Die Entscheidung sollte langfristig gedacht sein, denn der Weg zurück ist nach dem 55. Lebensjahr in der Regel versperrt.
Je nach Lebenslage
| Versicherung | Sinnvoll für | Warum |
|---|---|---|
| Risikolebensversicherung | Familien, Paare mit Immobilienkredit | Sichert Hinterbliebene ab. Faustregel: drei bis fünf Bruttojahresgehälter plus offene Kredite. |
| Wohngebäude | Hauseigentümer | Schäden durch Feuer, Sturm oder Leitungswasser können das ganze Vermögen kosten. Elementarschutz gegen Hochwasser gezielt prüfen. |
| Hausrat | Wer wertvolle Einrichtung besitzt | Ersetzt Möbel und Wertsachen bei Einbruch, Brand oder Wasserschaden zum Neuwert. |
| Rechtsschutz | Im Einzelfall, z. B. bei Streitigkeiten mit Arbeitgeber oder Vermieter | Gerichtsverfahren sind teuer, viele Policen haben aber Wartezeiten und Ausschlüsse. |
| Zahnzusatz | Gesetzlich Versicherte mit Wunsch nach hochwertigem Zahnersatz | Die gesetzliche Kasse zahlt bei Zahnersatz nur einen Festzuschuss. |
| Auslandsreisekranken | Alle, die ins Ausland reisen | Kostet oft nur wenige Euro im Jahr und deckt zum Beispiel einen Rücktransport ab. |
Meist verzichtbar
- Handy- und Brillenversicherung: Teuer im Verhältnis zum Schaden, oft mit vielen Ausschlüssen und Selbstbeteiligung.
- Reisegepäckversicherung: Zahlt nur unter strengen Bedingungen; Wertsachen sind oft ausgeschlossen.
- Restschuldversicherung: Wird oft beim Ratenkredit mitverkauft und verteuert den Kredit deutlich.
- Sterbegeldversicherung: Wer den Betrag spart, hat ihn in der Regel schneller zusammen.
- Kapitallebensversicherung: Verbindet Absicherung und Sparen, meist mit hohen Kosten. Getrennt – Risikoleben plus ETF-Sparplan – ist oft günstiger und flexibler.
Der Schnell-Check nach Lebenslage
| Lebenslage | Wichtig |
|---|---|
| Student oder Azubi | Haftpflicht (oft noch über die Eltern), BU so früh wie möglich |
| Single, berufstätig | Haftpflicht, BU, ggf. Hausrat |
| Paar oder Familie | Haftpflicht (Familientarif), BU für beide Verdiener, Risikoleben |
| Hausbesitzer | Zusätzlich Wohngebäude, Risikoleben in Höhe des Kredits |
| Selbstständig | Krankenversicherung klären, BU, ggf. Berufshaftpflicht |
| Im Ruhestand | Haftpflicht, Hausrat; BU und Risikoleben laufen meist aus |
So prüfst du deine Verträge
- Alle Policen sammeln: Versicherungsscheine, Kontoauszüge nach Abbuchungen durchsuchen, auch Verträge über den Arbeitgeber oder Kreditkarten berücksichtigen.
- Doppelte Absicherung finden: Häufig sind Paare doppelt haftpflichtversichert oder die Kreditkarte enthält bereits eine Reiseversicherung.
- Lücken schließen: Fehlt eine BU oder Haftpflicht, hat das Vorrang vor allem anderen.
- Leistungen vergleichen, nicht nur Preise: Ein günstiger Tarif nützt nichts, wenn wichtige Fälle ausgeschlossen sind.
- Kündigungsfristen notieren: Viele Verträge lassen sich nur zum Ende der Laufzeit kündigen.
Ein Paar zahlt zwei einzelne Haftpflichtverträge (2 × 70 €), eine Handyversicherung (120 €) und eine Reisegepäckversicherung (40 €), hat aber keine BU. Nach dem Check: ein Familientarif Haftpflicht (90 €), die anderen beiden Verträge gekündigt. Ersparnis rund 210 € im Jahr – Geld, das in den Beitrag für eine BU fließen kann.
Im Schadensfall richtig handeln
- Schaden begrenzen: Du bist verpflichtet, einen Schaden so klein wie möglich zu halten – etwa bei einem Wasserrohrbruch das Wasser abzustellen.
- Sofort melden: Informiere den Versicherer zeitnah, meist reicht ein Anruf, eine E-Mail oder die App. Bei Einbruch oder Diebstahl muss zusätzlich die Polizei eingeschaltet werden.
- Dokumentieren: Fotos machen, Zeugen notieren, beschädigte Gegenstände nicht vorschnell entsorgen.
- Keine Schuld anerkennen: Bei einem Haftpflichtfall solltest du gegenüber dem Geschädigten kein Schuldanerkenntnis abgeben. Das prüft deine Versicherung.
- Bei Ablehnung nachhaken: Lehnt der Versicherer ab, lass dir die Gründe schriftlich geben. Bei Streit hilft der Versicherungsombudsmann – für Verbraucher kostenlos.
Begriffe kurz erklärt
- Deckungssumme
- Der Höchstbetrag, den die Versicherung pro Schadensfall zahlt.
- Selbstbeteiligung
- Der Teil eines Schadens, den du selbst trägst. Eine höhere Selbstbeteiligung senkt den Beitrag.
- Wartezeit
- Zeitraum nach Vertragsbeginn, in dem noch kein Schutz besteht, typisch etwa bei Rechtsschutz oder Zahnzusatz.
- Obliegenheiten
- Pflichten, die du als Versicherter erfüllen musst, etwa Schäden schnell melden. Wer sie verletzt, riskiert die Leistung.
- Gesundheitsfragen
- Fragen zum Gesundheitszustand vor Vertragsschluss, wichtig bei BU, Risikoleben und privater Krankenversicherung.
- Neuwert
- Die Hausratversicherung ersetzt in der Regel, was ein gleichwertiger neuer Gegenstand kostet, nicht nur den Zeitwert.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich meine Versicherungen prüfen?
Einmal im Jahr und bei jeder größeren Veränderung im Leben: Umzug, Heirat, Kinder, Hauskauf, Jobwechsel.
Brauche ich eine Unfallversicherung?
Sie zahlt nur bei Unfällen, nicht bei Krankheiten – die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Eine BU ist daher meist der bessere Schutz. Für Menschen, die keine BU bekommen, kann sie eine Ergänzung sein.
Wie kündige ich eine unnötige Versicherung?
In der Regel in Textform zum Ende der Vertragslaufzeit, je nach Vertrag mit einem bis drei Monaten Frist. Die Frist steht in deinem Versicherungsschein.
Brauche ich als Hundebesitzer eine eigene Versicherung?
Ja. Schäden durch Hunde deckt die Privathaftpflicht meist nicht ab. Eine Hundehalterhaftpflicht ist dringend zu empfehlen und in mehreren Bundesländern sogar Pflicht. Katzen sind dagegen in der Regel über die Privathaftpflicht mitversichert.
Brauchen Kinder eigene Versicherungen?
Kinder sind in der Familien-Haftpflicht und in der Regel in der Krankenversicherung der Eltern mitversichert. Wichtig ist vor allem die Absicherung der Eltern selbst: Fällt ein Einkommen weg, trifft das die ganze Familie. Eine Kinderinvaliditätsversicherung kann für manche Familien eine Ergänzung sein.
Sollte ich über einen Makler oder online abschließen?
Einfache Verträge wie Haftpflicht oder Hausrat lassen sich gut online vergleichen. Bei komplexen Verträgen wie der BU kann eine unabhängige Beratung helfen – achte darauf, wie der Berater bezahlt wird.
Quellen: Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest (Finanztest), Bund der Versicherten, Pflichtversicherungsgesetz, Deutsche Rentenversicherung (Erwerbsminderungsrente). Beispiele gerundet. Keine Versicherungsberatung: Welche Absicherung du brauchst, hängt von deiner persönlichen Situation ab.